Review Onward – Evermoving

  • Label: Pure Steel
  • Veröffentlicht: 2014
  • Spielart: Heavy Metal

Ein nicht unerheblicher Nebeneffekt der Wiederveröffentlichungspolitik des deutschen Spezialisten-Labels Pure Steel liegt darin, dass sie durch ihre liebevollen LP-Versionen bereits erschienener Alben genau diese wieder ins Feld öffentlicher Aufmerksamkeit rücken. Ob das jedes Mal gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt, dass das Label aber immer wieder ein glückliches Händchen bei seiner Auswahl zeigt, beweist das dieser Tage neu aufgelegte Erstwerk der Amerikaner von ONWARD. Dass man „Evermoving“ (mit neuem Cover) in der gewohnten, handnummerierten 500er Auflage wieder unters Volk bringt, erweist dem Album noch einmal die Referenz, die es verdient.

Erschienen ist „Evermovin“ bereits 2001, zu einer Zeit also, als der klassische Heavy Metal, dem sich ONWARD mit Leib und Seele verschrieben haben, genährt von den öffentlich wirksamen Erfolgen von Hammerfall, wieder an Land gewinnen konnte. Um aber keinen Vergleich entstehen zu lassen: Mit den Schweden haben ONWARD denkbar wenig gemeinsam. Heavy Metal, sicher, den spielen beide Gruppen, aber den Amerikanern geht der pathosschwangere Sound von Hammerfall völlig ab, Chöre oder dergleichen sucht man auf „Evermoving“ vergebens. Orientierungspunkte findet man eher im frühen US-Metal oder im Umfeld der NWoBHM und obwohl auch ONWARD viel Wert auf ihre liebevoll komponierten Refrains legen, ihre melodisch stärksten Momente entwickeln sie in den Strophen.

Hier gelingen dem Quartett wunderschöne, eingängige und spannungsgeladene Melodiebögen, die harmonisch und in sich stimmig in den entsprechenden Refrain des Songs fließen; anders als bei so mancher Band des Genres, werden also die Strophen nicht zu bloßen Startbahnen für einen zuweilen völlig aufgeblasenen Refrain degradiert, sie sind mitunter das Herzstück der Songs. Und das liegt zu einem nicht unerheblichen Teil an Sänger Michael Grant, der mit seiner kräftigen, klaren Stimme und der völligen Absenz unnötiger (aber vom Genre-Publikum geforderter) Falsett-Schreie restlos überzeugen kann und mit seiner konzentrierten Gesangsart und Melodiearbeit ein wohltuendes Gegengewicht zu der teils überbordenden Gitarrenarbeit bietet – die ihrerseits die Luftgitarristen unter uns begeistern sollte.

Mit Songs wie dem flotteren, ungemein eingängigen Titelsong, dem äußerst melodischen „The Last Sunset“, der großartigen Old-School-Nummer „Witches Winter Eternal“ oder dem nachdenklichen „The Lost Side Of The World“ haben ONWARD mich völlig überzeugen können; und wenn Grant in dem Stück „Evermoving“ die Zeilen „I challenge failure to cut me down, ‚cause it’s Onward I shall go“ singt, dann entwickelt diese Scheibe endgültig eine existentielle Note. 2012 ist Michael Grant krankheitsbedingt verstorben. Die Neuauflage dieses Albums ist damit auch ein leises Servus hinüber in eine andere Welt; und ein musikalisches Geschenk für jene, denen noch Zeit hier beschert ist. Kurz: Kaufen!

Wertung: 8.5 / 10

Publiziert am von Manuel Förderer

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