Cover Ideals & Morality

Review Sgaile – Ideals & Morality

Schottland bietet neben den schroffen Highlands und dem leckeren Scotch musikalisch viel für diejenigen Metalfans, die ihren Metal atmosphärisch und Post-lastig mögen. Mit Saor und den früheren Falloch-Alben hat sich eine schottische Interpretation von Post-Metal-Musik herauskristallisiert, die neben ihrer Herkunft eines gemeinsam hat: Tony Dunn war Mitglied in beiden Bands.

For almost a decade, I had concentrated on playing other people’s songs, singing other people’s lyrics, and not feeling that I had an identity of my own. The name SGAILE means „ghost“ or „shade“ in Gaelic, and this was born from the fact that I didn’t quite „fit in“ with the Scottish Black Metal scene that these bands were an integral part of„. Tony Dunn, ehemaliger Sänger und Gitarrist von Falloch (2013-2015) und ex-Live-Gitarrist von Saor (2016-2018), half den schottischen Metal sich zu formieren, fühlte sich ihm aber nur bedingt zugehörig. Die Lösung seines Dilemmas fand Dunn in der Gründung seines eigenen Projektes, in dem er nicht für andere spielt, sondern nur für sich: SGAILE.

Nachdem das Ein-Mann-Projekt zwischen 2019 und 2021 vier Vorab-Singles veröffentlichte, brachte SGAILE im Dezember 2021 das Debüt „Ideals & Morality“ auf den Markt. Der Albumtitel kommt dabei nicht von ungefähr: „The album is almost like a peek at what goes on inside my head. My ideals and my moral compass are what have guided me on my path as an artist since being thrust into the music industry and will stick with me through the rest of my journey, wherever that may lead„. Auch wenn es im ersten Moment so verstanden werden könnte, ist „Ideals & Morality“ nicht grundsätzlich eine Abrechnung mit Dunns bisherigen Erfahrungen im Musikgeschäft, auch wenn er sich diese nicht ganz verkneifen wollte („Facade“). Vielmehr spiegelt SGAILEs Debüt Dunns Liebe zu den schottischen Highlands wieder („The Summit“) oder auch seine Gefühlswelt, als er Vater geworden ist („Instinct“) – „Ideals & Morality“ ist nicht nur die Musik von Tony Dunn, sondern auch die Gedankenwelt von ihm.

Das Label hinter dem Album, Avantgarde Music, könnte kaum passender gewählt sein, immerhin sind die Italiener bekannt für ihren sehr Atmospheric-lastigen Bandkatalog. SGAILE passt hier hervorragend herein. Auf dem knapp einstündigen Debüt sind acht Tracks, die gute Unterhaltung für Prog-Metal-Hörer bieten, die ihren Prog nicht überbordend technisch und herzlos serviert bekommen wollen, sondern mit viel Liebe für stimmungsvolle Arrangements und sich steigernden Momenten. Die im Schnitt sieben Minuten langen Songs lassen dafür viel Raum, sodass „Ideals & Morality“ ein Sammelsurium an atmosphärischen Prog-Songs ist.

Der rein instrumentale Opener „An Ath Rud“ verdeutlicht in unter drei Minuten, auf was man sich musikalisch bei SGAILE einstellen kann: stimmungsvolle, sich überlagernde Akustik- und Keyboardparts treffen auf melodisches Riffing und facettenreich programmierte E-Drums. Mit „The Summit“ schließt sich eine Mid-Tempo-Nummer an, deren Stärke im dichten, homogenen Sound liegt; die verschiedenen Gitarren- und Gesangsspuren überlagern sich und schaffen damit den Effekt einer Wall Of Sound und Mehrstimmigkeit. Die klare und hohe Stimme von Dunn steht dabei im Kontrast zu den tiefer eingesungenen Parts; diese Kontrastbildung schafft faktisch mehr Sound, als der einzelne Musiker zu spielen im Stande wäre. SGAILE bedienen sich diesem Kniff auch im weiteren Verlauf der Platte, was „Ideals & Morality“ sehr einheitlich wirken lässt.

Auf „Instinct“ schwingt Dunn die Doublebass-Keule, gepaart mit klassischen Black-Metal-Riffing, wobei die entschleunigenden, mehrstimmigen Stellen das eigentliche Highlight des Tracks sind, denn besonders im Verbund mit dem melodischen Gitarrenspiel und den unterschiedlichen Gesangsparts wächst SGAILE zu seiner eigentlichen Größe heran. Abwechslung in der Songstruktur existiert in der ersten Hälfte nur bedingt, erst „Enlighten Me“ lässt aufhorchen: Der schleppende Start, das begleitende Riffing und der simple 4/4-Takt der E-Drums verschiebt den Fokus auf den hohen Klargesang von Dunn, was definitiv hörbar ist. Ebenso gelungen ist das zweite Instrumental „Kick Louder, Kick Harder“, dessen unterschiedlichen Gitarrenspuren es gelingt, eine stimmungsvolle Klimax zu erschaffen, die am Ende durch sanfte Keyboard-Einsprengsel verdichtet wird.

SGAILE ist nahe an dem, wofür die Bands stehen, in denen Dunn vormals spielte. Das untergräbt allerdings nicht das Recht von „Ideals & Morality“, gehört zu werden, denn Tony Dunn schafft darauf bemerkenswert eingängige Klangcollagen. Auch wenn die acht Tracks noch zu ähnlich klingen und mitunter zu häufig an Längen leiden, sollte das Debüt von SGAILE von jedem gehört werden, der Prog-, Atmospheric- und Post-Metal-Alben zu seinen Lieblingen zählt.

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Wertung: 8 / 10

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