Cover SGAILE
Januar 2024

Review Sgàile – Traverse The Bealach

Drei Jahre nach dem überaus empfehlenswerten Debüt „Ideals & Morality“ legt das schottische Ein-Mann-Projekt SGAILE das zweite Full-Length „Traverse The Bealach“ nach. Darauf befindet sich ein Song weniger als auf dem Debüt, die Interludes wurden halbiert, die Spielzeit ist aber dennoch länger als auf  „Ideals & Morality“ – Tony Dunn alias SGAILE ist den darauf eingeschlagenen Weg konsequent weitergegangen und siedelt „Traverse The Bealach“ mehr im überlangen Post- als im komplexen Prog-Metal an.

Während Dunn auf dem ersten Album noch Privates und Erlebnisse aus seiner Beschäftigung für Saor und Falloch verarbeitete, legt der Schotte mit seinem zweiten Longplayer sein erstes Konzeptalbum mit einem (halb-)fantastischen Narrativ vor: „Die Geschichte von ‚Traverse The Bealach‘ handelt von einem nomadischen Reisenden im post-apokalyptischen Schottland, der versucht, sein Schicksal zu ergründen und mit den Elementen konfrontiert wird, während er nach Norden reist und unterwegs gegen innere Dämonen ankämpft. Thematisch kam die Inspiration von den Ereignissen der Pandemie, unserem Kampf gegen den Klimawandel und meiner Faszination für Langstreckentrekking.

In 63 Minuten Spielzeit erzählt Dunn eine Geschichte, deren Höhen und Tiefen musikalisch so erbaulich wie kräftezehrend untermalt werden, dass man sich als Hörer schnell in der postapokalyptischen Welt Schottlands einfindet. Die Schritte, die der Reisende vorbei an kleineren Seen (schottisch-gälisch: Lochan) und bei der Überquerung des Gebirgspasses Bealach na Bà (daher der Albumtitel „Traverse The Bealach“) zurücklegt, schmerzen fast schon in der eigenen Fußsohle.

Passend zum beschwerlichen Marsch des Protagonisten und anders als beim Debüt nutzt SGAILE überlange, mindestens acht Minuten währende Tracks mit einem klassisches Post-Metal-Aufbau; im Gegensatz zu Genre-Mitbegründern wie Neurosis oder Isis gestaltet Dunn die Wirkung seiner Musik dabei aber nicht erdrückend sogartig, sondern wesentlich erbaulicher, einladender, nahezu beschwingt. SGAILE ist kein schwer verdauliches, wütendes Projekt, es trägt weder Düsterheit noch Aggressivität in sich, was auch dem hellen, warmen Klargesang von Dunn zugesprochen werden muss. Der Schotte singt melodische Leads, baut überlagernde Zweitstimmen ein („Psalms To Shout At The Void“) und hinterlegt seine Stimme besonders in den Bridges und Refrains mit Hall, was gesanglich nicht nur für viel Abwechslung sorgt, sondern den Tracks mehr atmosphärische Dichte verleiht („Entangled In The Light“).

Trotz der fehlenden düsteren Aggressivität mangelt es SGAILE aber nicht an dem, was Metal-Musik ausmacht. Das zurückhaltend-begleitende, aber dennoch facettenreiche Schlagzeugspiel setzt auf den Wechsel zwischen Blastbeat-Attacken und rhythmisch gespielten Doublebass-Passagen („Lamentations By The Lochan“). An der Gitarrenfront glänzt Dunn mit Riffs mit Wiedererkennungswert und einem abwechslungsreichen Zusammenspiel von Atmosphäre schaffender Rhythmusgitarre und Melodie gebender Lead-Gitarre, häufig untermalt mit starken Bass-Akzenten („Silence“, „Entangled In The Light“).

Das Unterfangen, allein ein spannendes Konzept-Album zu schreiben, ist Tony Dunn alias SGAILE mit „Traverse The Bealach“ mehr als gelungen – und nicht nur das, der Schotte legt mit seiner zweiten Platte auch noch eine Verbesserung in puncto Songstruktur hin. War diese auf dem Debüt stellenweise noch vorhersehbar, schafft SGAILE auf „Traverse The Bealach“ mehr Raum für harmonische, detailliert arrangierte Übergänge. Man darf gespannt sein, wie stark Tony Dunn auf dem dritten Album agieren wird.

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Wertung: 8.5 / 10

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