Review Stories From The Lost – For Clouds

(Post-Rock / Ambient / Electronic / Progressive) Post-Rock aus Belgien. Auch keine allzu alltägliche Mischung, gerade nachdem man von dort höchstens alle 18–24 Monate etwas vom Aborted-Sven zu hören kriegt, der sein neues Album „Hacking The Slayn Deadman Corpse“ betitelt hat. STORIES FROM THE LOST aus Zotegom in ebendiesem Land versuchen sich trotzdem mal daran. Die Band hat sich erst vor knapp zwei Jahren gegründet, nun steht mit „For Clouds“ ihr erstes komplettes Album auf den Beinen…

… und beginnt tatsächlich erstmal in ganz langsamem Trab, mit dem Opener „Cryospheres“ nämlich, der außer einem simplen Drumcomputer und leichten Keyboardflächen nicht viel zu bieten hat. Umso besser, dass „August II“ mit heftig schrammelnden Gitarren ruckartig in die Vollen geht, weil sich direkt darauf noch metallische Gitarren-Leads hinzugesellen. Dann fadet das Lied kurz aus, um mit aller Gewalt zurückzukehren – obendrein fegen jetzt noch stylische Synthesizerhooks obendrüber hinweg. Das ist auch in der Folge das Rezept von STORIES FROM THE LOST. Erfreulich knackige Gitarrenriffs, Melodien, die mal vom Keyboard, mal von den Lead-Gitarren kommen und eine angenehme Variation im Härtegrad. Kompositorisch ist das nichts Außergewöhnliches, hebt sich insgesamt aber deutlich vom seichten, Delay-verliebten Standard-Post-Rock ab. Ein Lied wie „Crossing Fields“ baut sich zudem langsam auf – sanfte Post-Rock-Harmonien werden von einer brettharten Gitarrenwand durchbrochen. Synthesizer gesellen sich hinzu, die ganze Chose wird dank einsetzender zweiter Gitarre immer polyphoner, um letztendlich elegant auszufaden. Klingt zwar so x-beliebig, als könnte es von jeder Band der Welt aus diesem Genre kommen, klappt bei STORIES FROM THE LOST aber ganz hervorragend.

Während der Titeltrack „For Clouds“ als reiner Gitarrentrack relativ blass bleibt (von dieser Sorte fallen mir allein von This Will Destroy You und Explosions In The Sky mindestens eine Handvoll besserer Lieder ein), steht mit „Vocaloid“ gegen Albumende nochmal ein richtig schöner, verträumter Track, dessen Kombination aus Pianos und Elektronik dem Hörer das Gefühl gibt zu schweben, bevor ein monströses, unheimlich zündendes Gitarrenriff die Löcher aus dem Käse rockt. Angetrieben wird das von einem stimmigen, verzerrten Sound, der dem ganzen Album einen passenden Selfmade-Charakter verleiht. So steht am Ende ein sehr eigenständiges Debüt, dem ein etwas homogenerer Aufbau noch ganz gut tun würde – Genre-Fans dürfen „For Clouds“ trotzdem schonmal bedenkenlos antesten: Die Band hat das Album unter storiesfromthelost.bandcamp.com zum Gratis-Download zur Verfügung gestellt. Reinhören kostet also nicht mal was!

Wertung: 7 / 10

Publiziert am von Pascal Stieler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert