CD-Review: Sunken - Livslede

Besetzung

Martin Skyum Thomasen – Gesang
Simon Skotte Krogh – Gitarre
Kasper Deichmann – Gitarre
Jonas Faghtmann – Bass
Jakob Ridder – Schlagzeug

Tracklist

01. Forlist
02. Ensomhed
03. Foragt
04. Delirium
05. Doedslaengsel


Im Vergleich zum Rest Skandinaviens hat Dänemark eine recht überschaubare Metal-Szene. Dennoch gelang es schon so mancher Band aus diesem Land, sich auch international Gehör zu verschaffen. Die Bandbreite reicht von Pioniergruppen wie Mercyful Fate bis hin zu stilistisch markanten, wenn auch nicht ganz so bahnbrechenden Newcomern wie Myrkur und Møl. Einzigartig klingen SUNKEN indes nicht – streng genommen nicht einmal markant. Auf ihrem zweiten Album „Livslede“ spielen die Dänen im Wesentlichen Post-Black-Metal im Stil von Wolves In The Throne Room oder Woods Of Desolation. Was SUNKEN an Eigenständigkeit vermissen lassen, macht die Band mit der gekonnten Umsetzung und der starken emotionalen Wirkung ihrer Musik jedoch mehr als wett.

Schon das kurze Intro „Forlist“ ist so simpel wie berührend: Mit einem zaghaft gespielten, hallenden Piano versetzen SUNKEN den Zuhörer sogleich in eine zutiefst betrübte Stimmung. Trauer, Einsamkeit, Verlorensein – all diese Empfindungen drücken die Dänen hier und im Clean-Gitarren-Auftakt des anschließenden Zwölfminüters „Ensomhed“ mit gerade mal einer Handvoll Tönen aus. Schließlich brechen die Gefühle jedoch schonungslos in Form von schmerzerfülltem Screaming, tristen Tremolo-Riffs und heftigen Blast-Beats aus den Kompositionen hervor.

In weiterer Folge teilen SUNKEN sich hauptsächlich über diese gängigen Post-Black-Metal-Stilmittel mit. Zwar variiert das Quintett sein Songwriting immer wieder etwas, indem es teils getragene, teils ungestümere Parts und stoische Sprach-Samples einbaut oder etwa auf „Foragt“ sanfte, melancholische Melodien mit treibenden Drums unterlegt. Das Klangbild bleibt alles in allem aber doch weitgehend homogen. Eine interessante Ausnahme bildet „Delirium“, das sich langsam mit stimmungsvollen, unverzerrten Gitarren und dezenten Keyboards erhebt und schließlich zu einem rauschenden Klangfluss anschwillt, ohne sich dabei gekünstelt der schwarzmetallischen Intensität der übrigen Tracks anzugleichen.

Von diesem einmaligen Ausreißer und dem Intro abgesehen unterscheiden sich die ausgedehnten Songs eher in ihren Details voneinander. Mit Ohrwurmmelodien und aufsehenerregenden Wendungen können SUNKEN demnach nicht dienen. Solche haben die gefühlsgeladenen und darüber hinaus äußerst vielschichtig produzierten Stücke wie das sehnsüchtige „Dødslængsel“ aber auch gar nicht nötig.

SUNKEN werden mit „Livslede“ wohl keine großen Begeisterungsstürme wie Møl und erst recht keine Kontroverse wie Myrkur auslösen. Tatsächlich klingt das zweite Album der noch jungen Band derart genretypisch, dass es zwischen den Veröffentlichungen bekannterer Post-Black-Metal-Gruppen vermutlich unter dem Radar bleiben wird. Und doch ist die dreiviertelstündige Platte viel zu ausgefeilt und aufrüttelnd, um nur solide oder gar überflüssig zu sein. Man kann sie praktisch nicht hören, ohne davon ergriffen zu sein. Genre-Fans, die größeren Wert auf Gefühl als auf Innovation legen, sollten SUNKEN daher unbedingt ihre Aufmerksamkeit schenken und sich auf „Livslede“ einlassen – sie werden es nicht bereuen.

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Bewertung: 8 / 10

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