CD-Review: The Eye Of Time - The Eye Of Time

  • Veröffentlichung: 2012
  • Label: Denovali
  • Spielart: Ambient
Besetzung

Marc Euvrie – Gesang, Programmierung

Tracklist

CD 1: After Us
01. Intro
02. I Hate Your Fucking Eyes
03. Time Is Watching Me
04. My Hate Is A Gun, See The Smile On My Face
05. After Us
06. Don't Cry Little Child, Don't Watch Your Future Life, You Won't Survive It... Don't Look Down
07. Birds And Lands
08. My Hope Took The Road
09. What Am I Less? What Took The Road?
10. Away And Lost, I Cry The Error
11. Outro


CD 2: Jail / Lily On The Valley
01. Let's Party To The Death's Birthday
02. Time Has Come
03. Comfort, Design And Graves
04. Once They Were Happy And Brought Nothingness
05. The Distance Between You And The Rest
06. 000007091981151723031994
07. Begin, Wait, Watch, Play
08. Use Your Wings For What They Are
09. Monsters Usually Wear Uniforms


Es gibt Musik, die einem guten Gewissens nicht gefällt… und es gibt Musik, bei der man sich ein wenig dafür schämt… bei der man sich fragt, ob man ein Banause oder zumindest der völlig falsche Adressat ist – ob hier quasi Perlen vor Säue geworfen werden, weil man die Kunst, mit der man konfrontiert wird, nicht versteht oder zumindest nicht entsprechend zu würdigen weiß.
Das selbstbetitelte Album von THE EYE OF TIME war so ein Album – war, weil ich nach einigen Durchläufen schließlich doch zu der Meinung gekommen bin, dass es hier nicht an mir oder meiner mangelnden Offenheit künstlerischer Interpretationsfreiheit dem Terminus „Musik“ gegenüber scheitert, sondern doch, ganz profan, am Album selbst. Meinung, wohlgemerkt, nicht Überzeugung.

Was „The Eye Of Time“ hier dem Hörer bietet, sind im Endeffekt drei Alben, verteilt auf zwei Silberlinge mit jeweils knapp einer Stunde Musik… oder sagen wir, vielleicht etwas treffender, „Klangarrangements“. Denn wie bei den meisten Denovali-Records-Releases handelt es sich bei dem Album um eine Art Kunstwerk, das mit gemeiner Musik im Sinne profaner Unterhaltung ebenso wenig zu tun hat wie ein Kunstfilm.
Allein, was in diesem Kontext einmal verdeutlicht werden sollte: Nicht jeder Film ohne Handlung ist automatisch ein „Kunstfilm“ und deshalb gut – und ebenso wenig ist jedes Album, nur weil es lediglich aus Geräuschen und Tonmaterial statt aus strukturierten, traditionell arrangierten Songs arrangiert ist, elitäre Kunst.
Und so stehe ich hier wohl zum ersten Mal einem Release des von mir überaus geschätzten Labels Denovali vollkommen verständnislos gegenüber: Ein so liebevoll wie optisch stimmig aufgemachter Doppel-CD-Digipack mit gelungenen Illustrationen und einem perfekten Layout schraubt die Erwartungen an das Album im Vorhinein ziemlich hoch – hier hat jemand Herzblut investiert, das sieht man. Umso enttäuschender ist es schließlich, zu sehen, dass die Musik diesen Ansprüchen nicht wirklich gerecht werden kann: „Jail“, auf welcher sich auch das neue Werk „Lily On The Vally“ befindet, beginnt in sich durchaus stimmig, nach einem Schlagzeug-Intro ziehen atmosphärische Synthesizer-Klänge durch den Raum; dass das Album nahezu gänzlich instrumental gehalten ist, ist dabei obligatorisch. Und doch zündet schon diese CD nicht, vom „Debüt“ auf CD eins, „About Us“, ganz zu schweigen. Denn beiden, beziehungsweise allen dreien, fehlt es schlicht an Stringenz, ein roter Faden ist nicht nur nicht zu erkennen, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit schlicht nicht vorhanden. Das wäre, grundsätzlich, ja kein Problem, bewiesen doch beispielsweise, um in der Labelfamilie zu bleiben, erst unlängst White Darkness mit ihrem Album „Tokage“, wie genial Chaos klingen kann. Allein, bei THE EYE OF TIME entfaltet sich kein kreatives Chaos – viel mehr klingt das Album nach einer uninspiriert zusammengeschusterten, qualitativ ziemlich durchwachsenen Sammlung kompositorischer Ideen. Diese wirken mitunter unausgereift, nicht zu Ende gedacht oder, im Album-Kontext, schlichtweg verloren, weil sie nach einer kurzen Einführung sofort wieder fallengelassen werden. Als Resultat klingt „The Eye Of Time“ nur in einigen, wenigen Momenten so faszinierend, mitreißend oder atmosphärisch, wie es gerne würde – über große Strecken hingegen verfehlt das Werk zumindest bei mir seine Wirkung komplett.

Ein wenig erinnert mich das Szenario an die Geschichte von des Kaisers neuen Kleidern:
Würde ein Kind sich wohl wenig dabei denken, einfach grade heraus zu sagen, dass „The Eye Of Time“ wie eine ziemlich ausdruckslose Ansammlung scheinbar wahllos zusammengeworfener Geräusche und Sounds klingt, und trotz seiner Länge nicht in der Lage ist, eine packende Atmosphäre heraufzubeschwören, fällt es dem Musikkritiker schwer, ein derart hartes Urteil zu fällen, ohne dabei mit sich zu hadern, ob er nicht doch eine Metaebene übersehen oder die Intention des Künstlers falsch interpretiert hat.

Auf eine Wertung nach Punkten verzichte ich schon aufgrund dieser unbestreitbar immer noch bestehenden Zweifel – müsste ich dennoch klar Position beziehen, ließe sich diese wohl recht treffend mit folgendem Zitat aus der bereits angeschnittenen Metapher zum Ausdruck bringen:
„’Hört die Stimme der Unschuld!‘ sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.

Keine Wertung

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