CD-Review: The Faceless - Planetary Duality

Besetzung

Michael Keene - Gitarre, Vokoder, Klargesang
Derek "Demon Carcass" Rydquist - Gesang
Steve Jones - Gitarre
Brandon Giffin - Bass
Lyle Cooper - Schlagzeug

Gastmusiker:
Matthew Blackmar - Keyboard

Tracklist

01. Prison Born
02. The Ancient Covenant
03. Shape Shifters
04. Coldly Calculated Design
05. Xeno Christ
06. Sons of Belial
07. Legion of the Serpent
08. Planetary Duality I : Hideous Revelation
09. Planetary Duality II : A Prophecies Fruition


Mit „Planetary Duality“ legen die amerikanischen Deather (oder Deathcorer? Oder technical Deather?) THE FACELESS um Sänger und Gitarrist Michael Keene nach dem Debüt von 2006 ihren zweiten Longplayer zur Begutachtung vor. Obwohl es genau genommen wieder als Debüt betrachtet werden könnte, da von der Besetzung der „Akeldema“ niemand mehr an der Neuen beteiligt war. Nach Drehen des Lautstärkereglers weit nach rechts und Drücken von Play wird auch schnell klar, woran die Jungs Spaß haben: „Prison Born“ legt los, als gäbe es kein Morgen. Vor dem geistigen Auge flitzen Griffins Finger nur so über den Basshals, während die Drumsticks bestenfalls verwischte Schlieren in der Luft sein dürften. Kalt und technisch ist die Prämisse, bevor es in groovige, inzwischen zäh erscheinende Gefilde des Gebolzes hineingeht.

Der größte Teil des doch recht kurzweiligen Albums besteht aus diesem zähen, urtypischen todesmetalligen Gebolze inklusive tiefster Growls des „Demon Carcass“ Rydquist, welches sich in unregelmäßigen, aber niemals allzu großen Abständen mit technischen, frickeligen, oft auch klaren Gesang beinhaltenden progressiven Passagem die Klinke in die Hand gibt. Das hat seinen Reiz, aber genau so die gleichen Probleme, mit denen Bands, die sich dem technisch anspruchsvollen verschrieben haben, immer kämpfen müssen (so sie es denn wollen): Es fehlt irgendwo ein musikalischer roter Faden.

Nicht, dass Meister Keene und Gitarrenschwinger Jones nicht in der Lage wären, packende Licks und Melodien locker flockig aus dem Ärmel zu schütteln, ganz im Gegenteil. Die dröhnend technoide planetare Dualität zeigt immer wieder Momente der aufblühenden Schönheit, manchmal von zurückhaltenden Keyboard-Klängen gestützt. Das Interlude „Shape Shifters“ ist vollständig ein solcher Moment, aber auch in „Xeno Christ“ und besonders „Legion of the Serpent“ finden sich Passagen, die verdient hätten, fortgeführt zu werden, jedoch gnadenlos in die Kälte der Nicht-Existenz zurückgeprügelt werden.

Zwischendrin wird auch gerne mal der Vokoder ausgepackt, um die Note des futuristischen, die dem Ganzen zweifellos innewohnt noch zu unterstreichen. Das gelingt mit Bravour und gibt dem Sound noch eine eigene, ungewöhnliche Note, die aber ähnlich den melodiösen Abschitten für meinen Geschmack zu gering ausfällt. Die altbekannten und leider vielmals auch altbackenen Riffs und Strukturen dominieren das Hörgebilde ein wenig zu sehr, um wirklich außergewöhnlich zu sein. Und bevor nun wieder jemand schreit, dass das gar nicht Sinn der Veröffentlichung ist, sei angemerkt, dass das Potential für etwas Neuartiges auf jeden Fall vorhanden ist, es müsste nur ausgebaut werden.

Tatsächlich ist der Spagat, den THE FACELESS auf „Planetary Duality“ fahren, und der überdurchschnittliche Songs der Marke „Coldly Calculated Design“ und des schon erwähnten „Legion of the Serpent“ hervorbringt, kein einfacher, aber einer mit guten Ansätzen, der weiter verfolgt werden sollte. Doch auch ohne gleich alle Innovationspreise abzuräumen macht der Silberling eine gute Figur, das Geknüppel ist so, wie gutes Geknüppel sein sollte und braucht sich nicht hinter Genrekollegen zu verstecken.

Der Abschluss der Scheibe ist mit dem längsten Song „Planetary Duality II: A Phrophevies Fruition“ durchaus gelungen und entlässt den Hörer nach knapp mehr als einer halben Stunde schon wieder aus der brutalen Hölle der Zukunft. Zusammenfassend hebt die Mixtur aus kaum folgbarem Gefrickel, Gebretter und progressiver Melodik die Wertung deutlich höher als sie ausfallen würde, wäre nur eines dieser Elemente vorhanden. Dennoch fehlt auch nach mehrmaligem Hören eine gewisse Kontinuität, die dem Album sicher gut getan hätte und auch Michael Keenes eigene Produktion ist nicht immer perfekt, an vielen Stellen wirken die Drums einfach zu sehr in den Hintergrund gemischt. Nichtsdestotrotz eine lohnenswerte Anschaffung, wenn man sich mit kurzweiligem, technischen Death Metal anfreunden kann.

Bewertung: 7 / 10

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