Review The Privateer – Facing The Tempest

Ach du meine Güte, was für Ambitionen! Da hat sich die gerade einmal drei Jahre alte Freiburger Band THE PRIVATEER Großes vorgenommen. Nach einem kurzen Demo steht Ende 2011 das Debütalbum ins Haus, welches in seiner Aufmachung kaum opulenter sein könnte. Mir liegt als Pressepaket ein Digipack mit Wachssiegel (!) auf dem Cover vor, dazu ein durchweg bunt bebildertes und aufwändig gestaltetes Booklet und viele kleine Extras. Bedenkt man, dass die Freizeitpiraten kein Label im Hintergrund haben, kann man einige Schlüsse auf den Wohlstand der jungen Leute ziehen. Ob es aber reiche Mama und Papa sind oder eigene, sauer verdiente Mäuse, welche die hochprofessionelle Produktion von „Facing The Tempest“ ermöglichten, sollte keine Rolle spielen – soviel, die Platte macht äußerlich eine ganze Menge her.

Und auch musikalisch bieten die Badener einen verdammt beachtlichen Erstling. Zwar bewegt sich die Musik einige Seemeilen neben dem musikalischen Fahrwasser, den man bei Metal mit Piratenthematik erwartet. So erinnert der Klang von THE PRIVATEER im Spannungsfeld von Melodic Death- und Power Metal mit Geige eher an Adorned Brood oder Eluveitie als an primitiven Pirate Metal à la Alestorm. Deshalb aber weist die Musik auf „Facing The Tempest“ einen viel größeren Tiefgang und eine dichtere Atmosphäre auf, als es die Schotten oder auch Swashbuckle schaffen. Songs wie „Dawn Of A Sailsman“ (schöne Arthur-Miller-Anspielung!) oder „Descent To Hades“ gehen mit ihrer ergreifenden, epischen Stimmung tief unter die Haut. Da gibt es kernige und dramatische Gesänge, treffsichere Geigen- und Gitarrenmelodien und ein tolles Gespür für Timing im Tempo und Songaufbau. Nochmals muss man die wirklich großartige (Eigen-)Produktion erwähnen, die kein Instrument vernachlässigt und genau den richtigen Druck rüberbringt.

An anderer Stelle, namentlich „Port Corrad“, demonstrieren THE PRIVATEER, dass sie auch das ein oder andere Piraten-Klischee lieben: Hier darf nach Herzenslust der „Buddel voll Rum“ gehuldigt werden, ohne aber dass die Nummer in Belanglosigkeit abdriftet. Allerdings fehlt der vom Finsterforst-Akkordeon unterstützten Nummer etwas die innere Abwechslung, mit der die anderen Songs glänzen. Die bereits vom Demo bekannten letzten beiden Songs (zählt man den Hidden Track, eine kurze Akustikversion von „Port Corrad“, nicht mit) fallen qualitativ auch etwas ab: „Basilisk“ kommt nicht recht auf den Punkt, während das wieder recht packende „Stormlashed“ ein wenig redundant ausfällt.

Insgesamt aber haben die Breisgauer ein absolut hörenswertes Debüt abgeliefert. Gleichwohl man sich von der fast schon protzigen Aufmachung der CD nicht blenden lassen sollte, so sind die Energie, der Aufwand, vor allem aber die Leidenschaft, die die junge Band in ihr erstes Album investierte, aller Ehren wert. „Facing The Tempest“ ist, da will ich mich festlegen, eines der besten ersten Alben, die ich je gehört habe. Von denen dürften und wollen wir gern mehr hören!

Wertung: 9 / 10

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