CD-Review: The Safety Fire - Grind The Ocean

Besetzung

Sean Robert McWeeney – Gesang
Derya Oisin Nagle – Gitarre
Joaquin Ardiles – Gitarre
Lorenzo Anton Carlo Peri – Bass
Calvin Simon Tulloch Smith – Schlagzeug

Tracklist

01. Huge Hammers
02. Floods Of Colour
03. DMP (FDP)
04. Anomolous Materials
05. Animal King
06. Circassian Beauties
07. Sections
08. Seagraves
09. Grind The Ocean


Heavy Metal ist wie auch die meisten anderen Subkulturen zumindest im traditionellen Sinne mit einem bestimmten Dresscode verbunden: Die Klamotten möglichst schwarz, die Haare möglichst lang und die Stiefel möglichst schwer, am besten noch ein bisschen Leder und Nieten obendrauf. Die fünf Briten von THE SAFETY FIRE sehen hingegen auf den ersten Blick recht unscheinbar aus, quasi wie die netten Jungs von nebenan. Dass sie aber bereits auf ihrem Debütalbum rocken wie die ganz Großen und auch sonst prototypischen Hartwurstlern in nichts nachstehen, ja sogar scheinbar mühelos auf ihre Plätze verweisen, beweisen sie eindrucksvoll mit „Grind The Ocean“.

Auch wenn der Albumtitel gewisse Assoziationen weckt, mit Grindcore haben die Londoner nichts am Hut – das heißt jedoch keineswegs, dass sie lange herumfackeln: Der Opener „Huge Hammers“ wird seinem Namen mehr als gerecht und bläst die Hörer erst mal nach Strich und Faden weg, aber nicht mit stumpfem Gebolze, sondern mit verfrickelten Gitarren und vertrackten Drums, ohne jedoch dabei das Feeling vermissen zu lassen. Auf instrumentaler Ebene trifft hier technische Perfektion auf kindliche Verspieltheit, während Sean McWeeneys Gesang mal gegen massive Klangteppiche ankämpft, um anschließend von lediglich dezenten, hintergründigen Klängen begleitet und in den Vordergrund gerückt zu werden.

Was bezüglich der eigentümlichen, doch auch faszinierenden Stimme auffällt, ist die Tatsache, dass die klar gesungenen Passagen des Öfteren mit einem Effekt deutlich hörbar modifiziert wurden, um eine harmonische Zweistimmigkeit zu erreichen. Das könnte man als Kritikpunkt sehen, aber da Meister McWeeney häufig genug beweist, dass er auch effektfrei gut clean singen kann, entpuppt es sich letzten Endes als Stilelement und bleibt daher schlicht Geschmackssache. Da sowohl kräftige Screams als auch klarer Gesang eingesetzt werden – dazu oftmals abwechselnd – wird ein leichter Metalcore-Beigeschmack bemerkbar.

Mit diesem Genre haben THE SAFETY FIRE letztendlich jedoch so viel gemeinsam wie Granat- mit Pferdeäpfeln. Wenn man das Quintett überhaupt mit einer Trendbewegung in Verbindung bringen könnte, dann ist es Djent, doch auch hier halten sich die Merkmale in Grenzen. Klar könnte man den Fünfer, der schon mit einigen typischen Djent-Vertretern die Bühne teilte, als etwas poppigere Version von Meshuggah bezeichnen; wenn man allerdings bedenkt, dass die Jungs zusammen aufgewachsen sind und ihr Prog-Metal-Ding schon durchgezogen haben, als das D-Wort noch gar nicht existierte, stellt sich auch die Frage nach dem Sinn, sie in irgendeine neu erfundene Schublade zu stecken, die der Breite ihres Stils nicht gerecht wird.

Wie eingangs bereits angedeutet, sind THE SAFETY FIRE durch die Bank begnadete Musiker, das gilt für die virtuose Saiten- ebenso wie für die fingerfertige, schlagkräftige Rhythmusfraktion. Nicht selten bildet dabei hektisches Stakkato-Riffing einen Kontrast zum melodiösen Gesang aus langgezogenen Silben, während an anderer Stelle harmonische, mehrstimmige Gitarren auf wütende Screams stoßen. Man hat den Eindruck, dass die Herren die Gegensätzlichkeit, die sich im Band- und Albumnamen wiederfindet, auch musikalisch umsetzen wollten und auch konnten. Soli gibt’s natürlich ebenfalls, bis die Kinnlade über dem Boden hängt, mittlerweile dürfte aber ohnehin klar sein, dass „Grind The Ocean“ den Hörern in puncto spielerische Fertig- und Vielschichtigkeit eine totale Breitseite verpasst, jedoch ohne sie dabei zu überfordern.

Und so erschaffen THE SAFETY FIRE mit ihrer aufregenden Synthese aus Härte und Melodie ein atmosphärisches, nahezu perfektes Album, das sich mal als energetisch und brachial, mal als sanft und ätherisch offenbart, und unterm Strich voll und ganz überzeugt. Was dabei am meisten beeindruckt: Die Lieder weisen trotz aller Komplexität eine erstaunliche Eingängigkeit auf und gehen so schon spätestens beim zweiten Durchlauf gut ins Ohr und bleiben dort. Von Anspieltipps wird aus offensichtlichen Gründen abgesehen, doch sei angemerkt, dass es sich bei „Anomolous Materials“ und „Seagraves“ „nur“ um Interludes handelt, die jedoch passender nicht hätten platziert werden können und ebenso wie die vollwertigen Tracks Hörgenuss pur bieten. „Grind The Ocean“ ist definitiv eins der Highlights dieses Monats!

Bewertung: 9 / 10

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