CD-Review: Týr - By The Light Of The Northern Star

Besetzung

Heri Joensen – Gesang, Gitarre
Terji Skibenæs - Gitarre
Gunnar H. Thomsen - Bass
Kári Streymoy - Schlagzeug

Tracklist

01. Hold the Heathen Hammer High
02. Tróndur í Gøtu
03. Into the Storm
04. Northern Gate
05. Turið Torkilsdóttir
06. By the Sword in My Hand
07. Ride
08. Hear the Heathen Call
09. By the Light of the Northern Star


Immer mal wieder landen CDs mit Covern auf dem Schreibtisch, denen man – auch ohne den Bandnamen – sofort ansieht, aus welchem Haus sie kommen. Wenn dann auf einem solchen Cover ein langhaariger und -bärtiger, in eine glänzende Plattenrüstung gepackter und mit einem großen Zweihänder bewaffneter Wikinger vor imposanten, in Schnee gehüllten Berge steht und gerade ein Kreuz zertrümmert, lässt das im ersten Moment ziemlich viel Kitsch vermuten und auf einige Bands aus dem Folk-, Pagan- und Viking-Sektor schließen. Bleibt man von eben jenem Kitsch aber verschont, grenzt das die Zahl der etwaigen Bands schon ein und ließt man dann noch einen Titel wie „By The Light Of The Northern Star“ ist klar: TÝR sind wieder zurück.

Dabei waren die ebenso sympathischen wie trinkfesten Mannen von den Färöer Inseln eigentlich gar nicht weg. Ziemlich genau ein Jahr vor „By The Light Of The Northern Star“ veröffentlichten die Insulaner ihren Meilenstein „Land“. Im Anschluss gab es unzählige Festival-Auftritte und Touren, die sie unter anderem auch in die USA führten. Irgendwann dazwischen müssen TÝR scheinbar die Zeit gefunden haben, um an einem neuen Album zu arbeiten und dieses genau 364 Tage nach der letzten Scheibe in die Regale zu bringen. Wer jetzt fürchtet, dass der neueste und mittlerweile schon fünfte Studio-Output der Band an Qualität verloren hat und mehr ein Schnellschuss als alles andere ist, darf beruhigt sein – dem ist nämlich definitiv nicht so.

Der – für TÝRsche Verhältnisse relativ schnelle – Opener „Hold The Heathen Hammer High“ startet dann auch schon mit fast allem, was die Band ausmacht: die selben, singenden Gitarren, die allein schon Geschichten epischen Ausmaßes erzählen könnten, der stampfende Rhythmus von Schlagzeuger Kári Streymoy und die unverkennbare Stimme Heris lassen schon während dieser 4:50 Minuten wenig Zweifel daran, dass TÝR in alter Qualität und Frische zurück sind. Ähnlich geht es dann auch auf „Into The Storm“, „By The Sword In My Hand“ und dem Titelsong „By The Light Of The Northern Star“ zu, die allerdings wieder im gewohnten Midtempo-Bereich gehalten sind.
Das wirklich Interessante ist, dass TÝR sich mit ihrem fünften Album voller Länge immer noch nicht wiederholen. Zwischen all den doppelten Gitarrenspuren, genialen Leads und Soli (hier sind vor allem „By The Sword In My Hand“ und „Into The Storm“ hervorzuheben) ist die Frische, Kraft und Dynamik hinter jedem einzelnen Song schon fast greifbar. Frontmann und Gitarrist Heri selbst klingt stimmlich noch gereifter und zeichnet sich wieder für ein exzellentes, angenehm progressives Songwriting verantwortlich. TÝR wären aber nicht TÝR, wenn es nicht von Album zu Album zumindest kleine aber feine Unterschiede geben würde. So fährt „By The Light Of The Northern Star“ mit einem überraschend präsenten Double Bass-Spiel auf und orientiert sich in Sachen Riffing gar ein kleines Weg in Richtung Power Metal.
Letztendlich sind es aber, trotz der unbestrittenen Klasse aller Titel (ein Totalausfall ist glücklicherweise nicht zu verzeichnen) wieder die beiden in der Muttersprache verfassten Tracks, die den Silberling zu einem weiteren Meilenstein in der Bandgeschichte werden lassen. „Tróndur í Gøtu“ und „Turið Torkilsdóttir“ bekommen dadurch, dass sie in der Landessprache verfasst sind, noch einen Hauch mehr an Mystik verliehen, wirken geradezu urtümlich-roh und unglaublich atmosphärisch – Mitgröhl-Parts und -refrains inklusive. Die Symbiose aus Gesang und Instrumenten nähert sich der Perfektion ein weiteren Schritt an, sorgt für den TÝR-typischen Groove und erzeugt beim Hörer das Gefühl, direkt zwischen schwitzenden, kampfeslustigen und zu einer Einheit zusammengeschweißten Wickingern zu stehen.

Kurzum: TÝR haben es wieder geschafft und bewiesen, dass es keine fünf Jahre braucht, um den Erwartungen der Fans und vor allem den eigenen gerecht zu werden. Heri war mit dem Vorgänger „Land“ nicht vollkommen zufrieden, hat – meiner Meinung nach – aber mit „By The Light Of The Northern Star“ allen Grund dazu, nicht an ihrem aktuellen Werk zu zweifeln. Kraftvolle Midtempo-Stampfer, die zum Mitsingen, Schunkeln und Träumen einladen, dabei aber keinen Hauch Kitsch hinterlassen und in Sachen Songwriting Maßstäbe im gesamten Genre des Viking/Pagan Metal setzen – genau das liefern TÝR mit „By The Light Of The Northern Star“ anno 2009 ab. Kaufen, unbedingt!

Bewertung: 9 / 10

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