CD-Review: Turnstile - Glow On

Besetzung

Brendan Yates - Gesang
Brady Ebert - Gitarre
Pat McCrory - Gitarre
"Freaky" Franz Lyons - Bass, Perkussion, Gesang
Daniel Fang - Schlagzeug, Perkussion

Gastmusiker:
Blood Orange - Gesang (Track 09 & 15)

Tracklist

01. Mystery
02. Blackout
03. Don't Play
04. Underwater Boi
05. Holiday
06. Humanoid / Shake It Up
07. Endless
08. Fly Again
09. Alien Love Call
10. Wild Wrld
11. Dance-off
12. New Heart Design
13. T.L.C. (Turnstile Love Connection)
14. No Surprise
15. Lonely Dezires


TURNSTILE haben noch nie so richtig in die Hardcore-Szene gepasst. Zu wenig Tough-Guy-Gehabe, um mit Bands wie Terror oder Madball mithalten zu können, zu unpolitisch, um mit H2O und Stick To Your Guns zu konkurrieren und nicht emotional genug, um mit Counterparts verglichen zu werden. Darüber hinaus ist das Quintett auch musikalisch oft zu experimentell und zu glücklich unterwegs, um so richtig dem Hardcore zugeordnet werden zu können. Und trotz allem gehören die Mannen aus Baltimore neben Knocked Loose zu den absoluten Shooting Stars der Szene. Diesen hart erarbeiteten Status wollen TURNSTILE selbstverständlich auch mit ihrem neuesten Album „Glow On“ festigen.

Ein Blick auf das Albumcover, Schäfchenwolken vor einem rosa Himmel, lässt schon erahnen, dass TURNSTILE auch mit ihrem neuesten Output weiterhin ihr ganz eigenes Ding durchziehen. Das Einzige, was diese Band mit der breiten Masse an Hardcore-Truppen gemein hat, ist die kurze Dauer der einzelnen Tracks. Allein einer von 15 Titeln überschreitet auf „Glow On“ die Drei-Minuten-Marke.

Allerdings kauft man sich auch kein TURNSTILE-Album, um mit progressiven Wendungen und Liedern fern der zehn Minuten konfrontiert zu werden, sondern um eine befreite und gute Zeit mit Songs zu haben, die schlichtweg auf den Punkt kommen. Und genau dies gelingt den Amis auch dieses Mal wieder. Mit „Mystery“, das mit einem 90er-Jahre-Keyboard-Gedudel startet, und „Blackout“ werden dem Hörer gleich zu Beginn zwei Tracks aufgetischt, die mit simplen Power-Akkorden und lässigem Drumming für gehobene Stimmung sorgen. Brendan Yates‘ eingängige, stets klare und kräftige Vocals, unterstützen diese positive Grundstimmung umso mehr.

Immer wieder lockern TURNSTILE ihre Musik mit einer bunten Variation an Perkussionsinstrumenten auf (Cowbells, Klanghölzer, Rasseln, Klatschen etc.), fügen hier und da ein paar Keys oder Gitarreneffekte hinzu, die an die Pop-Musik der 90er erinnern („Don’t Play“, „Humanoid / Shake It Up“, „New Heart Design“) und garnieren das Ganze mit kräftigen 2-Step-Parts und Breakdowns, sodass man live letztlich die Wahl zwischen Moshpit und Disco-Moves haben wird.

Neben wahrhaftigen Partykrachern wie dem grandiosen „Holiday“ oder dem schnellen „Endless“, gesellen sich auf „Glow On“ auch tiefenentspannte Lieder in das Gesamtkonstrukt, bei denen das Partygetränk der Wahl auch gut und gerne den Blüten einer bestimmten Pflanze weichen kann („Alien Love Call“). Doch auch die Kombination der lockeren und wilden Seite steht TURNSTILE sehr gut zu Gesicht, wie sie mit „Fly Again“ beweisen.

Diese Vielseitigkeit ist glücklicherweise über das gesamte Album zu erkennen – wodurch im Laufe der 35 Minuten immer wieder coole Überraschungen geboten werden und für ein Hardcore-Album unfassbar viel Abwechslung aufgetischt wird. Mit „Lonely Dezires“ beenden TURNSTILE ihr drittes Full-Length mit einem abermals schnellen Track, dessen von Feature-Gast Blood Orange fast schon gesäuselte Vocals im stetigen Kontrast zu den Instrumenten stehen.

TURNSTILE werden auch auf „Glow On“ wieder ihrem Ruf gerecht, nicht so wirklich in eine Schublade zu passen. Und gerade das macht das Quintett zu einer der interessantesten Bands in der Szene – gelingt es ihnen doch abermals, ungewöhnliche Instrumente und Effekte sowie einen fast ausschließlich mit Klargesang arbeitenden Frontmann mit dem Gewand des Hardcores zu ummanteln. So sorgt auch das Drittwerk bereits in den eigenen vier Wänden für frohlockende Minuten in der grauen Tristesse des regnerischen Corona-Sommers. Doch wer TURNSTILE schon mal live erlebt hat, der weiß, dass auch „Glow On“ für schwitzige Clubs oder warme Festival-Tage geschrieben wurde – und dass die Party zur Feier des Albums, bei der Rückkehr auf die Bühne, nach allem Entzug nur umso ausgelassener werden wird.

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Bewertung: 8 / 10

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