CD-Review: Vatican - March Of The Kings

Besetzung

Brain McNasty - Gesang, Bass
Vince Vatican - Gitarre
Vic Gribouski - Schlagzeug

Tracklist

01. Alive To The Grave
02. Deadly Wind
03. Running
04. Mean Streak
05. Falling From Grace
06. Waysted
07. Fears Garden
08. Die A Heart Attack
09. Corruption
10. Opus #9


Kultband? Längst vergriffene Meisterwerke? Wieder auf der Bildfläche? Tja, gerüstet mit dieser Semantik der Mottenkiste spült die Retro-Welle auch weiterhin Bands, deren Karriere durch Dekaden der Inaktivität geprägt waren, wieder ans Licht des Tages. Sicherlich hat es in den vergangenen Jahren der Mikrowellen-Politik diverser Labels auch immer wieder Perlen gegeben, ohne die die musikalische Szene zumindest in geringem Maße ärmer geblieben wäre. Für die Großzahl der 2000er-Reunionen hingegen gilt, dass man das Gefühl nicht los wird, hier will man sein Stück vom Retro-Kuchen abbekommen. Bitte nicht falsch verstehen: Wenn Musiker nach diversen Jahren wieder ihre Liebe für härtere Gitarrenmusik entdecken, dann soll mir das recht sein – die auf CD gepresste neuerweckte Schaffenslust darf dann aber doch etwas höherwertiger ausfallen als dies bei „March Of The Kings“ der Amerikaner von VATICAN der Fall ist.

Ähnlich historistisch wie das Cover des ersten vollwertigen Albums fällt auch die Musik aus. Da ich weder die Demos der Gruppe noch die 2014 erschienene Kompilation „Metalmorphosis“ kenne, erübrigen sich Vergleiche mit dem bisherigen Schaffen des Trios. Es darf aber vermutet werden, dass man sich – wie es so schön heißt – treu geblieben ist. Geboten wird roh gezimmerter US-Metal der ersten Stunde, der weder in puncto Kompositionen noch hinsichtlich der Produktion (kratzig und mit zu dünnem Bass) erkennen lässt, dass seit den späten 80ern gut 30 Jahre ins Land gegangen sind. Damit mag man gut leben können, aber leider schaffen es die meisten Stücke der CD nicht übers qualitative Mittelmaß hinaus. Dabei steigt man mit dem Opener „Alive To The Grave“ ziemlich gut ein, was wohl hauptsächlich daran liegt, dass man sich hier noch traut, von allzu geradlinigen Rhythmen abzuweichen und damit sehr gut fährt, der Song ist gerade zu Beginn ziemlich knackig geraten. Abwechslung kommt danach aber nur mehr durch die Melodiearbeit zustande, da man sich mehr oder weniger mit zwei verschiedenen Rhythmen – schnell und langsamer – zufriedenzugeben scheint. Gerade die Melodien stellen sich aber zunehmend als Schwachpunkt heraus, nur selten fallen diese richtig eingängig aus und wenn sie es tun, dann wiederum zumeist in Verbindung mit langsameren, groovigen Rhythmen wie in „Mean Streack“.

Klar, die gesamte Erscheinung der CD, ihr Klangbild und kompositorische Signatur, alles drängt den Hörer zu der einen Erkenntnis, dass hier ein klassisches, ein traditionelles Stück Heavy Metal eingespielt wurde. Die hohe, sirenenartige Stimme des Sängers, die simplen, aber auf Wucht getrimmten Riffs der Gitarre, das Schlagzeug, alles atmet Energie – oder will es doch zumindest – und schreit einem förmlich ins Gesicht, dass man sich nicht verbiegen will. Nun, das hat man auch nicht, alles hier ist, wie man es häufig lesen kann, kompromisslos. Da die Qualität der Songs aber einfach nicht gut genug ist, bedeutet diese selbstgewählte Legitimierung auch, dass nur stahlharte Szenen-Fans diese Scheibe wirklich zu genießen wissen werden. Wahrscheinlich nimmt man das gerne in Kauf. Der VATICAN war schon immer ein eher elitärer Zirkel …

Bewertung: 5.5 / 10

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