CD-Review: Vicious Rumors - Celebration Decay

Besetzung

Nick Courtney - Gesang
Geoff Thorpe - Gitarre
Gunnar DüGrey - Gitarre
Greg Christian - Bass
Larry Howe - Schlagzeug

Tracklist

01. Celebration Decay
02. Pulse Of The Dead
03. Arrival Of Desolation
04. Any Last Words
05. Asylum Of Blood
06. Darkness Divine
07. Long Way Home
08. Cold Blooded
09. Death Eternal
10. Collision Course Disaster
11. Masquerade Of Good Intentions


Der Sängerposten bei den U.S.-Metal-Urgesteinen VICIOUS RUMORS ist nicht unbedingt ein sicherer Arbeitsplatz – und das nicht erst seit COVID-19: In den letzten sieben Jahren haben die Kalifornier auf drei Alben drei Sänger verschlissen, wobei der neueste Neuzugang Nick Courtney noch in der Band ist. Auch ansonsten wechselt Bandkopf Geoff Thorpe seine Mitstreiter gerne durch, weshalb es kaum verwundert, dass mit Gunnar DüGrey obendrein ein neuer Gitarrist an Bord gekommen ist. Und weil sich offenbar nicht rechtzeitig ein passender Bassist finden ließ, wurde dieser Job sessionweise von Ex-Testament-Tieftöner Greg Christian übernommen. Das alles ist erwähnenswert, fällt aber keinesfalls so sehr ins Gewicht wie der Wechsel am Gesang. Somit dürfte „Celebration Decay“ von manchem Fan mit Spannung erwartet worden sein, denn hier ist erstmals der neue Frontmann von VICIOUS RUMORS unter Studiobedingungen zu hören.

Weil Bandkopf Geoff Thorpe die Fäden vornehmlich alleine in der Hand hält, hat sich an der generellen Ausrichtung seiner Band natürlich nicht viel geändert: VICIOUS RUMORS spielen auch auf „Celebration Decay“ nach wie vor großkalibrigen U.S. Metal mit maximaler Durchschlagskraft. Der lebt maßgeblich von der Kombination aus kernigen Riffs, großen Gitarrenmelodien und einer ordentlichen Portion Doublebass-Geknüppel, wobei diese Mischung hier obendrein in einen wuchtigen Hartwurst-Sound verpackt wurde, von dem sich manch ausgewachsene Thrash-Metal-Band noch eine Scheibe abschneiden könnte. Thrash Metal ist überhaupt gutes Stichwort, denn verglichen mit ihrer vorangegangenen Platte kehren die Kalifornier hier noch mehr ihre thrashige Seite heraus. Nun waren VICIOUS RUMORS sicher noch nie zart besaitet, aber Nummern wie der Titeltrack oder „Collision Course Disaster“ fallen dank kompromissloser Riff- und Bassdrum-Attacken deutlich härter als die meisten Songs aus der jüngeren Vergangenheit der Truppe aus – bis zu dem Punkt, an dem die Truppe mit „Asylum Of Blood“ gar an Exodus zu Zeiten von „Atrocity Exhibition“ erinnert.

Während solch gnadenlose Riff-Attacken auf erfreuliche Art zeigen, dass auch traditioneller Metal gänzlich unkitschig sein kann, sind sie zum Glück dennoch nicht das Einzige, was VICIOUS RUMORS auf „Celebration Decay“ zu bieten haben: Auf diesem Album findet sich nämlich auch allerhand Material, das mit seiner Kombination aus kernigen Riffs und großen, oftmals hymnischen Refrains alle Tugenden klassischer VICIOUS-RUMORS-Songs aufbietet. Dazu gehören etwa Nummern wie das galoppierende „Arrival Of Desolation“ oder „Death Eternal“ sowie die Stadionrock-Hymne „Darkness Divine“, die ebenso gut auf den ersten beiden Alben der Formation hätten stehen können. Hier zeigt sich besonders gut, warum Nick Courtney so ein Glücksgriff als neuer Sänger war. Der Mann mag mit den gröberen Tönen der erwähnten Thrash-Nummern zurechtkommen, offenbart im hymnischeren Material aber sein ganzes Potential. Hier vermag Mr. Courntey nämlich seinen gesamten Stimmumfang zu nutzen und bietet alles von hart über temperiert bis hin zu verflucht hohen Screams – stark!

Geoff Thorpe hält seinen Kahn auf Kurs: Trotz – mal wieder – runderneuerter Mannschaft klingen VICIOUS RUMORS auch auf ihrem 13. Album noch deutlich nach sich selbst. Große Überraschungen erlebt die Hörerschaft dabei freilich nicht, trotzdem gelingt es den Amis aber durchweg, ihren Sound frisch zu halten. „Celebration Decay“ ist die für 2020 aktualisierte Version des Stils, mit dem VICIOUS RUMORS vor 35 Jahren mit „Soldiers Of The Night“ auf der Bildfläche erschienen. Und genau das ist es, was man sich als Fan der Herren wünscht. Neuzugang Nick Courtney entpuppt sich dabei als die Idealbesetzung für den Sängerposten, denn er liegt genau zwischen den von seinen beiden Vorgängern Brian Allen und Nick Hollemann markierten Polen: hart, aber doch melodiös. Es bleibt zu hoffen, dass der Mann nicht gleich den nächsten personellen Umbaumaßnahmen zum Opfer fällt …

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Bewertung: 8 / 10

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