CD-Review: Virus - Memento Collider

Besetzung

Czral – Gesang, Gitarre
Plenum – Bass
Einar Sjursø – Schlagzeug

Tracklist

01. Afield
02. Rogue Fossil
03. Dripping Into Orbit
04. Steamer
05. Gravity Seeker
06. Phantom Oil Slick


VIRUS, seit 2000 aktiv und offizieller (weil einziger) Nachfolger des immer wieder stillgelegten und 2007 endgültig aufgelösten Avantgarde-Black-Metal-Projektes Ved Buens Ende, sind seit jeher eine Band, an der die Geister sich scheiden: Während die einen den düsteren Prog-Rock des Trios um Sänger und Gitarrist Czral – besser unter dem Pseudonym Aggressor und als Sänger der Black-Thrasher Aura Noir bekannt – feiern, mochte sich die Faszination des sehr bandspezifischen und konsequent beibehaltenen Stils anderen nie recht erschließen.

Fest steht: An dieser Trennung in zwei Lager wird auch „Memento Collider“, das nunmehr vierte Album der Band, nichts ändern. Denn obwohl seit „The Agent That Shapes The Desert“ und der darauf folgenden „Oblivion Clock“-EP fünf (beziehungsweise vier) Jahre vergangen sind, hat sich im VIRUS-Lager wenig geändert: Wie seit jeher schon wabern auch auf „Memento Collider“ lässig gespielte, nur leicht angezerrte Gitarren über verspielte Bassläufe und begleiten so den entspannt vorgetragenen Gesang von Czral.
Mit dem flotten, dafür aber satte zehn Minuten langen Opener „Afield“ setzen die drei Norweger dahingehend gleich Standards – geschmeidiger hat man VIRUS bislang nicht gehört. Auch was VIRUS im Folgenden zu bieten haben, ist für Fans ihrer Spielart ein Hochgenuss: Mit dem rhythmisch verschrobenen „Rogue Fossil“, dem eher gemächlichen „Streamer“ oder dem nicht nur seiner Gesangslinie wegen super-eingängigen „Gravity Seeker“ präsentieren sich VIRUS in Bestform.
Wie am Kompositionsstil wurde auch, was den Sound angeht, nur geringfügig an den Justierschrauben gedreht: Wie es für VIRUS stets typisch war, klingt auch „Memento Collider“ angenehm warm und weich, dabei jedoch etwas transparenter und offener als die aus heutiger Sicht vielleicht etwas dumpf abgemischte „Oblivion Clock“-EP und etwas organischer als „ The Agent That Shapes The Desert“ – perfekter VIRUS-Sound also.

Freunden der VIRUS-Diskographie wird auch „Memento Collider“ viel Freude bereiten: VIRUS liefern einmal mehr großartigen, düsteren Artrock mit progressiven Elementen ab – also genau das, was man von VIRUS erwartet. Aus ebendiesem Grund braucht sich mit „Memento Collider“ jedoch auch niemand herumzuschlagen, der bereits der bisherigen Diskographie der Norweger nichts abgewinnen kann – einen einschneidenden Stilwechsel braucht sich hier niemand zu erwarten. Zum Glück.

Bewertung: 9 / 10

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