CD-Review: Voices - Voices From The Human Forest Create A Fuge Of Imaginary Rain

Besetzung

Peter Benjamin – Gitarre, Bass
David Gray – Schlagzeug
Sam Loynes - Keyboard

Tracklist

01. Dnepropetrovsk
02. Eyes Become Black
03. Fragmented Illustrations Of Anger
04. Unawareness Of Human Emotion
05. Sexual Isolation
06. This Too Shall Pass
07. Everything You Believe In Is Wrong
08. Creating The Museum Of Rape
09. Endless


“Voices From The Human Forest Create A Fuge Of Imaginary Rain” – bereits der Titel des Debüts von VOICES macht deutlich, dass man hier den Hang zum Abstrakten, zum Vertrackten, zum Irren und zum Experimentellen benötigt. Diese Scheibe bietet Black Metal mit Hang zum Progressiven, hohem technischen Anspruch und einer absolut düster-kranken Stimmung.

All dies kommt nicht von ungefähr, waren doch sowohl Schlagzeuger David Gray als auch Bassist Peter Benjamin vormals bei Akercocke aktiv, denen VOICES stilistisch auch einigermaßen nahe stehen. Während Erstere jedoch immer den Spagat zwischen Black und Death Metal anstellten, konzentrieren Letztere sich ausschließlich auf den Black Metal. Außerdem werden hier weniger cleane und ritualistische Parts eingesetzt, als das, gerade auf den späteren, Akercocke-Alben der Fall war. Doch genug der Vergleiche, denn mit der faktischen non-Existenz von Akercocke gehört die Bühne ohnehin VOICES.
„Dnepropetrovsk“ eröffnet den Reigen mit einem zähen Riff, dass von rasendem Black Metal-Drumming überlagert wird, gekrönt von einem dissonanten Riff und genretypischem Gekreische. Easy-Listening geht anders, ist aber auch deutlich weniger spannend. Von der Stimmung her erinnern VOICES hier an Anaal Nathrakh, agieren jedoch so selbstständig und selbstverständlich, dass der Gedanke eine Kopie vor sich zu haben eigentlich gar nicht aufkommt. Anstrengend? Sehr. Lohnend?
Noch mehr. Weiter geht es mit „Eyes Become Black“, das in puncto Stimmung und Arrangements an Enslaved erinnert, bis auf einmal erst irre Schreie und dann weiblicher Klargesang einsetzen und den Hörer vollkommen verwirren. So seltsam und unzusammenhängend das Ganze auch klingt – es funktioniert, und wie! So man denn bereit ist, sich auf diesen Irrsinn einzulassen, entdeckt man unglaublich cool gemachte Songstrukturen, geile Riffs und unglaubliches musikalisches Können.
„Fragmented Illusions Of Anger“ beschreibt man am besten mit Begriffen wie brutal oder abgedreht. Hier wird mit unglaublicher Raserei geballert und total schräge Frickelein an den Tag gelegt, woran auch ein Wechsel ins Midtempo nichts ändert. Ganz im Gegenteil steigert das die Intensität, mit der die Psyche des Hörers belastet wird, nur noch.
Dagegen wirkt „Unawareness Of Human Emotion“ noch regelrecht entspannt, hier gibt es schlicht über die gesamte Spielzeit hinweg Hochgeschwindigkeits-Prügel, abgerundet von einer gezupften Akustikgitarre, welche auf das nachfolgende, 11 minütige, „Sexual Isolation“ vorbereitet. Denn in diesem Track vereint sich alles, was auf dem Album irgendwo zu finden ist – akustische Parts und wilde Raserei, Klargesang und irres Geschrei, schräge Riffs und klare Songstrukturen. Diese Irre Melange aus musikalischen Einzelteilen kann eigentlich nicht funktionieren und doch ist dieses Stück Musik absolut mitreißend.
„This Too Shall Pass“ beginnt mit einem kurzen Schlagzeugsolo, was das außergewöhnliche Können von David Gray einmal mehr unterstreicht. Ansonsten sind dieser Song und auch das nachfolgende „Everything You Believe In Is Wrong“ einigermaßen angenehm zu hören. Bei diesen beiden Liedern wird das Gaspedal gnadenlos durchgedrückt und rasender Black Metal geboten, gewürzt mit einer Prise kranker Atmosphäre und dem gelegentlichen überraschenden Moment.
Vielleicht das Highlight der Platte ist dann „Creating The Museum Of Rape“, welches auch unglaublich schnell gespielt wird, jedoch wieder mit schrägen und dissonanten Riffs durchzogen ist und teilweise das Tempo verschleppt, nur um dann mit doppelter Wucht zurückzukommen. Absolut gelungener Song, sehr zu empfehlen, um die Band anzutesten. „Endless“ schließt den Reigen dann mit straightem Geballer.

Das unglaubliche Können der Musiker, ihre Fähigkeiten als Komponisten, ihre, offensichtliche Unwilligkeit sich zu lange an einer Sache aufzuhalten, das Gespür für Stimmung und die stilistische Gegenüberstellung von Gegenteilen machen das VOICES-Debüt „Voices From The Human Forest Create A Fuge Of Imaginary Rain“ zu einer Platte, die man zwar als Black Metal bezeichnen muss, die sich aber von den Grenzen des Genres nicht zurückhalten lässt, sondern immer wieder ausbricht und experimentiert. Ein geniales Stück Musik, dass sich dem Hörer nur widerwillig erschließt, dessen Unnachgiebigkeit jedoch reich entlohnt!

Bewertung: 9 / 10

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