CD-Review: Vollmaier - Kind Of Laibach

Besetzung

Sašo Vollmaier – Piano

Tracklist

01. Uvod V Smrt 02. Smrt Za Smrt RE 03. Diskant 04. Krvava Gruda - Plodna Zemlja RE 05. Sredina 06. Brat Moj RE 07. Obsedenost 08. Kontra - Subkontra 09. Resistance Is Futile 10. Ti, Ki Izzivaš RE


Laibach sind seit jeher eher interessant als unterhaltsam, eher Kunst als Musik, eher Fragezeichen als Ausrufezeichen. Selbiges gilt für „Kind Of Laibach“ – ein Album mit moderner Klaviermusik des ehemaligen Laibach-Keyboarders (2007–2013) Sašo Vollmaier.

Mittlerweile am Centre Artistique International Roy Hart in Südfrankreich tätig, suchte Vollmaier dafür Inspiration bei seinen pianistischen Vorbildern Glenn Gould, Vladimir Horowitz und seinem ehemaligen Professor an der Ljubljana Academy of Music , Aci Bertoncelj – aber eben auch bei Laibach selbst. Fünf der Klavierstücke basieren direkt auf Laibach-Songs, vornehmlich aus den frühen Jahren: auf „Krvava Gruda – Plodna Zemlja“ von „Nova Akropola“ (1986) etwa oder auf „Brat Moj“ von „Laibach“ (1985); aber auch „Resistance Is Futile“ („Spectre“, 2014) dient dem Piansisten als Basis seiner Werke.

Das Klavier hat keine falschen Töne“, sagte dereinst der US-afroamerikanischer Jazz-Pianist Thelonious Monk. Im Kontext von „Kind Of Laibach“ kommentieren Laibach dies gewohnt lanonisch: „Dem stimmen wir zu. Aber Laibach hat auch keine richtigen Töne“. Das klingt erwartbar drastisch, ist aber schlussendlich fatalistischer ausgedrückt als nötig. Denn Sašo Vollmaier bearbeitet hier – anders als das bildgewaltige Cover andeutet – gleichermaßen weiße wie schwarze Tasten ganz im Sinne von Monk. Fraglos sind jedoch einige der Interpretationen leichter, andere schwerer zu konsumieren, und „easy listening“, wie Google Play das Album einsortiert, ist hier eher nichts.

Spannend sind die musikalischen Umarbeitungen nicht zuletzt, weil Vollmaier sich für seine Interpretationen vornehmlich Stücke herausgesucht hat, die im groben Ton des 1980-Industrial der Laibach-Originale so weit von lieblicher Klaviermusik entfernt sind wie nur irgend möglich: Während das vergleichseweise neue „Resistance Is Futile“ erkennbar bleibt, erinnert etwa „Brat Moj“ in seiner bedächtigen Piano-Fassung nur noch rudimentär an den zugrundeliegenden Song. Auch sonst gibt sich Vollmaier ganz dem modernen Klavierspiel hin: Mit der musikalischen Eleganz, der geschwungenen Melodik klassischer Musik haben Stücke wie das avantgardistisch-rabiate „Kontra – Subkontra“ entsprechend wenig zu tun.

Sašo Vollmaier ist fraglos ein begnadeter Pianist – und Laibach bleiben Laibach: Selbst uminterpretiert in moderne Klassik, interpretiert auf einem auf Flügel, strahlen die Kompositionen Härte und Brutalität aus. „Kind Of Laibach“ ist damit ein spannendes Werk, das die Kunst von Laibach in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lässt. Von „easy listening“ sind die zehn Stücke jedoch nicht minder weit entfernt als die Originale. Nur eben stilistisch diametral.

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