CD-Review: Waldgeflüster - Mondscheinsonaten

Besetzung

Winterherz – Gesang, Gitarre, Bass, Mandoline, Keyboard, Elektronik, Schlagzeug-Programming
Markus Frey – Gitarre
Dominik Frank – Gitarre, Hintergrundgesang
Arvagr – Bass, Hintergrundgesang
Thomas Birkmaier – Schlagzeug

Gastmusiker:
Johannes Schermaul – Cello

Tracklist

01. Einleitung
02. Der Steppenwolf
03. Gipfelstürme
04. Rotgoldene Novemberwälder
05. Und der Wind...
06. Von Winterwäldern und Mondscheinsonaten
07. Staub in der Lunge


Wie jede Form der Kunst ist von Herzen kommende Musik stets ein Abbild ihres Schöpfers. Veränderungen in der Besetzung einer Band ziehen demnach in vielen Fällen einen grundlegenden Wandel im Sound der Musikgruppe nach sich. Am Beispiel von WALDGEFLÜSTER lässt sich dieser Umstand gut veranschaulichen. Nachdem Mastermind Winterherz sein Soloprojekt nicht lang nach dem Release seiner dritten Platte „Meine Fesseln“ zu einer mehrköpfigen Band ausgebaut hatte, konnte man auf dem Nachfolgealbum „Ruinen“ eine deutliche Entwicklung feststellen, die sich bereits zuvor auf leisen Sohlen angekündigt hatte. Der kratzbürstige Folk-Black-Metal der Anfangstage war einer glatteren, pathetischeren und dezent von modernem Post-Rock beeinflussten Form des Genres gewichen. Auf „Mondscheinsonaten“ gehen WALDGEFLÜSTER den auf „Ruinen“ eingeschlagenen Weg nunmehr zielstrebig weiter.

Wer schon an der letzten Veröffentlichung keinen Gefallen finden konnte, wird es auch auf „Mondscheinsonaten“ nicht leichter haben, sich mit dem neuen Gesicht von WALDGEFLÜSTER anzufreunden. Noch weiter als zuvor haben sich die Deutschen hier von ihren schwarzmetallischen Wurzeln entfernt und selbst die drängenderen Passagen mit Riffing im Tremolo-Stil und Blast-Beats lassen sich beinahe als handzahm bezeichnen. Den Großteil der einstündigen Spielzeit machen getragene, auf simplen, melancholischen Melodien aufgebaute Mid-Tempo-Nummern aus, welche die Metal-Elemente zwar nie allzu lange aussparen, aber auch nie wirklich deren volle, potentielle Intensität ausspielen.

Sanfte, akustische Intros („Einleitung“) und atmosphärische, mit viel Hall unterlegte Clean-Gitarren („Rotgoldene Novemberwälder“) sind keine Seltenheit, dennoch stützen sich WALDGEFLÜSTER nach wie vor in erster Linie auf heisere Screams, Zerrgitarren und pochende Drums. Dass die Songs die mitreißende Emotionalität der früheren Alben so schmerzlich vermissen lassen, liegt somit nicht an der Stilistik selbst, sondern an den weitgehend wirkungslosen Kompositionen. Nur vereinzelt stößt man zwischen den trägen, wehmütigen Abschnitten auf ein paar schöne Tonfolgen, die wirklich zünden. Vor allem bezüglich des Gesangs wird man das Gefühl nicht los, dass WALDGEFLÜSTER einfach nicht von der Muse geküsst wurden.

Während die Screams passabel, wenn auch nicht besonders beeindruckend sind, tut Winterherz seinen Zuhörern mit der Entscheidung, seinen klagenden Clean-Vocals mehr Raum zu überlassen, definitiv keinen Gefallen. Die richtigen Töne trifft der Frontmann zwar in den meisten Fällen, die Auswahl ebenjener Töne könnte jedoch beliebiger nicht sein. Herzergreifende Gesangslinien wie im hoffnungsvollen Schlusspart von „Und der Wind…“ bilden hier bedauerlicherweise die Ausnahme von der Regel. Eher deplatziert wirkende Dreingaben wie die Maultrommel zu Beginn von „Gipfelstürme“ und die abgehackten Rhythmen auf „Von Winterwäldern und Mondscheinsonaten“ lassen schlussendlich kaum noch einen Zweifel daran, dass es WALDGEFLÜSTER diesmal nicht do recht gelungen ist, ihr Streben nach Weiterentwicklung in die richtigen Bahnen zu lenken.

Dass WALDGEFLÜSTER ausgerechnet auf „Mondscheinsonaten“, das lyrisch mitunter von Hermann Hesses „Der Steppenwolf“ inspiriert wurde, ihren Biss verloren haben, entbehrt nicht einer gewissen traurigen Ironie. Hatten es die Black-Metaller schon auf „Ruinen“ mit dem Kitsch stellenweise ein wenig übertrieben, so hat das Pathos auf ihrem fünften Album vollends Überhand genommen. Selbst in seinen energischeren Momenten klingt „Mondscheinsonaten“ seicht und gemäßigt, Winterherz‘ klarer, übertrieben wehmütiger Gesang macht aus melodischer Sicht wenig her und die an sich recht wohlklingenden Folk- und Post-Rock-Einsprengsel können das Album aus ihrer Nebenrolle heraus nur marginal aufwerten. Es ist folglich leider nicht allzu vermessen, zu behaupten, dass WALDGEFLÜSTER hiermit ihre bisher schwächste Platte veröffentlicht haben.

Bewertung: 5 / 10

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