CD-Review: White Willow - Future Hopes

Besetzung

Venke Knutson – Gesang
Jacob Holm-Lupo – Instrumente
Mattias Olsson – Instrumente
Hedvig Mollestad – Gitarre
Ellen Andrea Wang – Bass
Ketil Einarsen – Flöte
Lars Fredrik Frøislie – Keyboard

Tracklist

01. Future Hopes
02. Silver And Gold
03. In Dim Days
04. Where There Was Sea There Is Abyss
05. A Scarred View
06. Animal Magnetism (Bonus; Scorpions Cover)
07. Damnation Valley (Bonus)


Man mag vielleicht nicht oft daran denken, da es inzwischen praktisch selbstverständlich erscheint, aber in der großen weiten Welt der Musik ist es Usus, dass sich Künstler zum Musizieren zu festen Bands zusammenschließen. Selbst Solokünstler arbeiten meist mit anderen Musikern zusammen. Das norwegische Electro-Prog-Rock-Projekt WHITE WILLOW versteht sich hingegen lediglich als lose Kollaboration unabhängiger Multi-Instrumentalisten. Da verwundert es kaum, dass man nach „Terminal Twilight“ sechs Jahre warten musste, bis das norwegische Kollektiv nun endlich mit „Future Hopes“ sein siebentes Album vorlegt. Mit 40 Minuten – exklusive Bonustracks – ist dieses zwar nicht allzu lang, inhaltlich dafür aber umso facettenreicher.

Mithilfe einiger neuer Musiker inklusive Sängerin Venke Knutson haben WHITE WILLOW nämlich eine Platte geschaffen, die nicht einfach nur durch spieltechnische Raffinesse, sondern darüber hinaus auch noch durch stilistische und emotionale Vielfalt von sich überzeugt. Auf „Future Hopes“ klingt wirklich kein Song wie der andere und doch ergeben sie zusammen ein in sich stimmiges Gesamtbild. So versetzen WHITE WILLOW den Hörer im eröffnenden Titeltrack mit gefühlvollen Gitarren und Gesang sowie sphärischen Keyboards in – dem Titel entsprechende – hoffnungsvolle Aufbruchsstimmung.
Im sanften, mit melancholischen Akustik- und Clean-Gitarren ausgestatteten „Silver And Gold“ herrscht hingegen bittersüß sehnsüchtige Nostalgie vor, während die düsteren, spacigen Synthesizer, die unheilvollen, zum Teil jazzigen Gitarren und die mysteriösen Vocals den Elfminüter „In Dim Days“ zum bedrückendsten Track des Albums machen. Insbesondere hier, aber auch an manchen Stellen im über 18 Minuten langen „A Scarred View“ fühlt man sich durch die schrägen, ausgedehnten Soli bisweilen an Marillions „Misplaced Childhood“ erinnert. Man merkt schon, alles klingt bei WHITE WILLOW verschroben und ungewöhnlich, auch die Songstrukturen sind nicht gerade konventionell. Dennoch prägen sich viele der Melodien von Anfang an ein, nur wenige Passagen sind etwas schwer zu erfassen.
Auch an der klaren Produktion gibt es nahezu nichts auszusetzen, außer vielleicht, dass gerade die härteren Momente ruhig noch etwas mehr Wucht vertragen hätten. Wohl die einzige wirkliche Schwachstelle – abgesehen von dem eher unansehnlichen, an alte Arcade-Videospiele angelehnten Artwork – stellt der Gesang von Venke dar. Dieser ist zwar nicht unbedingt schlecht, aber hin und wieder etwas zu hoch und piepsig, sodass im Vergleich die Instrumentalisierung doch wesentlich mehr begeistert.

Insgesamt ist WHITE WILLOW mit „Future Hopes“ jedoch ein wirklich interessantes Album gelungen, zumal selbst der Gesang kein wirklicher Fehler ist, sondern lediglich das schwächste Glied in einer ansonsten sehr starken Stilmittelkette. Allein schon das schräge, verführerische Cover von Scorpions‘ „Animal Magnetism“ (inklusive Saxophonsolo) zeugt von der großen Kreativität der Norweger. Fans von Prog Rock und elektronischer Musik sollten den Songs von WHITE WILLOW jedenfalls gleichermaßen viel abgewinnen können, völlig egal, ob nun von einem technischen oder einem emotionalen Standpunkt aus betrachtet. Bleibt nur zu hoffen, dass es diesmal bald Nachschub geben wird.

Bewertung: 7.5 / 10

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