CD-Review: Wooden Veins - In Finitude

Besetzung

Javier Cerda – Gesang
Juan Escobar – Gitarre, Bass
Alberto Atalah – Schlagzeug
Eduardo Poblete – Keyboard

Tracklist

01. Thin Shades
02. Beyond Words
03. Herradura (By The Sea)
04. Mirages
05. The Veiled Curse
06. Invern
07. Empty Arcs
08. In Finitude


Obwohl Avantgarde Metal nicht gerade eine der dominantesten Spielarten harter Gitarrenmusik ist, wird der Begriff mitunter doch arg überstrapaziert. Man nehme etwas theatralischen Klargesang, ein paar Electronic-Spielereien, vielleicht auch ein ungewöhnliches Instrument oder Textkonzept und schon darf man sich als Metal-Musiker das Vordenkertum an die stolzgeschwellte Brust heften. Was genau etwa an den späteren Alben von In The Woods… eigentlich so avantgardistisch sein soll, weiß indes wohl niemand so genau. In eine ähnliche Kerbe schlagen die Chilenen WOODEN VEINS, deren Debüt „In Finitude“ Fans von Ulver und Ved Buens Ende ans Herz gelegt wird, eigentlich aber recht konventionell daherkommt.

Im Grunde spielen WOODEN VEINS ein eher zahmes Mischmasch unterschiedlicher Stilrichtungen, das sich grob als Dark Metal umreißen lässt. Im Zentrum ihrer Songs, die es zusammen auf eine Gesamtlaufzeit von 48 Minuten bringen, stehen melancholische Clean-Vocals und Gitarrenmelodien, getragene, zum Teil recht plump erscheinende Drums und ein nahezu omnipräsentes Keyboard. Die synthetische Soundkulisse, die sich praktisch durch das gesamte Album zieht, ist zweifellos das Interessanteste an „In Finitude“. Ihr verdankt „Herradura (By The Sea)“ sein sphärisches, weltentrücktes Wesen, durch sie überrascht das von gechillten Trip-Hop-Beats gestützte „Empty Arcs“ mit seinem betont modernen Vibe.

Auch die schwerelosen Clean-Gitarren, die die Musik stellenweise in Richtung Post-Rock rücken, sind ein willkommener Stimmungsmacher. Davon abgesehen haben WOODEN VEINS jedoch nicht viel Herausragendes vorzuweisen. Weder der klagende Gesang noch die zahnlosen Gitarren und Drums erreichen die emotionale Tiefenwirkung, die die Band offensichtlich angestrebt hat. Nicht einmal der kurze Blast-Beat-Ausbruch in „Beyond Words“ nimmt der Musik ihre geradezu betäubende Ausstrahlung.

Dass die Kompositionen oft wahllos erscheinen, macht es ebenfalls nicht einfacher, sich in sie einzufühlen. Zwar spielen WOODEN VEINS ihre Instrumente kompetent und auch der so kraftvolle wie klare Sound ist ein Pluspunkt, den nicht jede Band für sich verbuchen kann. Letztlich bleiben die Keyboards und Electro-Klänge jedoch das einzig Spannende an „In Finitude“ – und um das Album allein stemmen zu können, sind sie dann doch nicht faszinierend oder auch nur vordergründig genug.

Wie sich anhand ihres Debüts zeigt, sind WOODEN VEINS leider eine weitere „Avantgarde“-Band, die sich mit ihrer hochtrabenden Selbstdarstellung keinen Gefallen tut. Wer auf „In Finitude“ Bahnbrechendes erhofft, muss sich auf eine herbe Enttäuschung einstellen. Doch auch, wenn man einen passenderen Maßstab an den melodischen Dark Metal der chilenischen Newcomer anlegt, wollen ihre Songs nicht so recht überzeugen. Bis auf ein paar wenige potentialträchtige, beinahe mit zeitgenössischem Pop liebäugelnde Elemente bleibt von der allzu glattgebügelten Musik auf „In Finitude“ kaum etwas hängen.

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Bewertung: 4.5 / 10

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