CD-Review: Xentrix - Bury The Pain

Besetzung

Jay Walsh - Gesang, Gitarre
Kristian Havard - Gitarre
Chris Shires - Bass
Dennis Gasser - Schlagzeug

Tracklist

01. Bury The Pain
02. There Will Be Consequences
03. Bleeding Out
04. The Truth Lies Buried
05. Let The World Burn
06. The Red Mist Descends
07. World Of Mouth
08. Deathless And Divine
09. The One You Fear
10. Evil By Design


Lange von der Bildfläche verschwunden waren die englischen Thrasher XENTRIX. Mitte der Achtziger in der Blütezeit des Genres gegründet, konnten die Briten ihr Debüt „Shattered Existence“ 1989 beim namhaften Roadrunner-Records-Label veröffentlichen und im Jahr darauf mit dem Nachfolger „For Whose Advantage?“ punkten. Nach wachsender Bekanntheit mit regelmäßigem Airplay beim MTV Headbanger’s Ball, Touren mit u. a. Annihilator und Sepultura sowie zwei weiteren Full-Lengths ereilte die Band im Jahre 1996 jedoch dasselbe Schicksal wie viele ihrer Kollegen in den Neunzigern – die Auflösung folgte. Nach einigen Lebenszeichen in Form von mehr oder weniger großen Auftritten und Mini-Touren in den Jahren 2005/06 und 2013 meldeten sich XENTRIX zuletzt 2017 offiziell zurück und spielten Shows auf diversen Festivals.

Nun liegt mit „Bury The Pain“ das im Spätjahr 2018 aufgenommene und diesen Sommer erschienene fünfte Album der Engländer vor. Die Platte, für die der szenebekannte Andy Sneap als Produzent fungiert und Russ Russell – ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt – das Mastering übernommen hat, enthält zehn neue Tracks und die Frage stellt sich: Wie fit ist die Truppe 23 Jahre nach Veröffentlichung des letzten Albums „Scourge“ noch?

Eins steht nach dem ersten Höreindruck schnell fest: Das Thrashen haben XENTRIX sicherlich nicht verlernt. Ob kraftvolle Stürmer mit aggressivem Riffing und dem typischen Uffta-uffta-Beat, flotte Midtempo-Stampfer mit Doublebass-Einlagen und Gang-Shouts oder gar der Einsatz traditionell anmutender Twin-Lead-Gitarren – das Quartett kennt sein kleines Einmaleins. Obendrein veredelt vom Duo Sneap/Russell mit einem modernen Sound inklusive transparent dröhnendem Bass. Läuft bei XENTRIX, könnte man meinen.

Spätestens zur Albummitte fällt jedoch auf, dass der Vierer aus Großbritannien nur sein kleines Einmaleins beherrscht. Die Songs sind allesamt nach Schema F gestrickt und lassen an Abwechslungsreichtum deutlich missen. Zwar reißen XENTRIX hier und da ein bisschen zur Seite aus – etwa wenn sie den Titelsong und Album-Opener vor dem ersten Durchmarsch schleppend mit hymnischen Leads beginnen, dem Track „The Truth Lies Buried“ ein Clean-Gitarren-Intro mit dezenter Streicherbegleitung voranstellen oder „The One You Fear“  in ein Akustik-Intro und -Outro einrahmen. Doch sind die Songs nahezu ausnahmslos nach der Nullachtfünfzehn-Struktur „Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-C-Part-mit-Solo“ gestrickt und sorgen somit schnell für eingeschlafene Füße. Auch die heiseren, generisch und monoton klingenden Shouts von Fronter Jay Walsh leisten dazu ihren Beitrag. Einzig der Rausschmeißer „Evil By Design“ wartet mit einem Bass-Solo nach dem ersten Refrain auf, was im verkrusteten Songwriting-Ansatz dieser Platte fast schon einen Tabubruch darstellt. Augenzwinkernd kann man behaupten, dass wohl XENTRIX selbst im Album-Endspurt die Lust am immer gleichen Spiel vergangen ist.

So ist „Bury The Pain“ am Ende des Tages ein Beispiel dafür, dass neben kompetentem Personal am Mischpult auch jahrelange Erfahrung als Musiker nicht unbedingt dafür garantieren, dass am Ende auch ein wirklich mitreißendes Resultat herauskommt. Das Comeback-Album von XENTRIX ist technisch gut gemacht und kann in puncto Sound und Musikalität überzeugen. Das gleichförmige Songwriting lässt zusammen mit den eindimensionalen Vocals im oftmals ohnehin innovationsresistenten Thrash-Genre allerdings eher Langeweile statt langfristige Hörfreude aufkommen. „Bury The Pain“ sei somit nur denjenigen ans Herz gelegt, die von diesem Stil ohnehin nicht genug bekommen können. Wer Thrash Metal nur gerne mal im Vorbeigehen auf den Hintern schaut, kann XENTRIX getrost links liegen lassen, ohne etwas zu verpassen.

Bewertung: 6 / 10

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