CD-Review: Ygfan - Köd (EP)

Besetzung

Bálint Zsolt – Gesang, Gitarre
Szabó Áron – Gitarre
Bodor László – Bass
Tóth Bálint – Schlagzeug

Tracklist

01. I
02. II
03. III
04. IV


Dass eine Band ein Album veröffentlicht, das eine Geschichte erzählt, ist keine Seltenheit, schon gar nicht im Metal-Bereich. Eine Konzept-EP ist hingegen schon etwas Ungewöhnliches, schließlich bietet eine Spielzeit von einer halben Stunde nicht viel Raum für Storytelling. Dennoch scheinen die ungarischen Post-Black-Metaller YGFAN auf ihrer Debüt-EP „Köd“ (zu deutsch „Nebel“) tatsächlich eine bestimmte Thematik zu verfolgen, zumindest deuten die allgemeine Stimmung und die immer wiederkehrenden Vogelgezwitscher-Samples darauf hin.

Für alle, die des Ungarischen nicht mächtig sind, bleiben die vier Tracks, die schlicht mit römischen Ziffern betitelt sind, wohl ein Rätsel, das nur anhand der Musik selbst bewertet werden kann. Damit können die vier Ungarn jedenfalls durchaus überzeugen. Grob lassen sich die Kompositionen von YGFAN – vor allem bezüglich der Gitarren – in drei Kategorien einteilen: ruhige Clean-Gitarren, stimmungsvolle Leadmelodien und kalte, raue, aber keineswegs brutale Black-Metal-Attacken. Ebendiese Passagen überschneiden sich so gut wie nie, was die Musik zwar etwas zu vorhersehbar, aber dafür vergleichsweise leicht zugänglich macht.
Man merkt, ein wenig sollten YGFAN also noch an ihrem Songwriting arbeiten, was jedoch nicht bedeutet, dass ihre Songs alle nach demselben Schema ablaufen. Einerseits unterscheiden sich die Tracks in ihrer Länge, die von vier bis elf Minuten reicht, andererseits stehen bei YGFAN die kernigen, rauen Screams in gleichberechtigtem Verhältnis mit sanftem, klarem Gesang. Letzterer klingt noch ein wenig unausgegoren, bildet jedoch einen schönen Kontrast zum gutturalen Gesang und zu den härteren Momenten, wodurch sie etwas stimmungsvoller werden.
Wie bereits erwähnt, haben YGFAN kein Interesse an roher Gewalt, ihre Songs preschen nie über das Midtempo hinaus, es wird weder eruptiv gewütet noch geblastet. Doch das macht nichts, denn am meisten gefällt „Köd“ ohnehin in den filigranen Clean-Gitarren-Einlagen, insbesondere die ausgedehnten nachdenklichen Passagen in „III“ laden zum Schwelgen ein. Das eisige Tremolo-Riffing wirkt demgegenüber manchmal etwas zu beliebig. Immerhin sorgt die klare, aber doch wuchtige Produktion für einen kraftvollen Sound, der YGFAN bodenständiger klingen lässt als beispielsweise Alcest.

YGFAN hinterlassen mit „Köd“ im Allgemeinen einen positiven ersten Eindruck. Die Ungarn könnten ruhig etwas mehr Konventionen brechen und auch der Gesang ist noch ein wenig verbesserungswürdig, doch viele der Melodien sind fesselnd und ausdrucksstark. YGFAN sollten in erster Linie ihre schwarzmetallische Seite markanter gestalten, um ihren musikalischen Vorbildern gerecht zu werden. Ihre cleanen Arrangements sind dafür bereits jetzt sehr schön anzuhören.

Keine Wertung

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