Review Zwielicht – Das tiefste Ich

Zwei Jahre nach ihrem Debüt „Zeitlos“ sowie zahlreiche Konzerte später (u.a. als Support von Corvus Corax/Schandmaul und auf dem Veldensteiner Festival 2010) veröffentlicht die Regensburger MA-Kombo ZWIELICHT ihr neuestes Werk „Das tiefste Ich“. Erschien das Erstlingswerk noch bei Otter Records, so ist die Folkband inzwischen bei Banshee untergekommen. Abgesehen von diesen Rahmenbedingungen hat sich musikalisch bei den Süddeutschen trotz leicht veränderter Besetzung und erweitertem Instrumentarium insgesamt wenig Bemerkenswertes getan.

An einigen Stellen klingen ZWIELICHT noch immer wie Schandmaul um die Jahrtausendwende, besonders beim Titeltrack „Das tiefste Ich“, der ungemein an „Dein Anblick“ oder „Prinzessin“ der Münchner Folkveteranen erinnert. Doch die eigene Note ist dem Siebener inzwischen anzumerken. Kein Wunder, steht ein Großteil der Musiker doch bereits seit 2007 zusammen auf den mittelalterlichen Bühnen. Entsprechend ein- und abgestimmt wirken viele Arrangements auf „Das tiefste Ich“ wie der Duettgesang von Oliver und Regina in „Nixen“ oder der oftmals eingesetzt mehrstimmige Gesang mit bis zu fünf Stimmen. Bei „Haut an Haut“ wagen sich ZWIELICHT experimentell sogar ein wenig in Richtung Haggard.
Der chorale Gesang sowie die etwas härteren E-Gitarren-Parts (wahlweise um Geige und/oder Flöte ergänzt) dürften die auffälligsten Neuerungen sein. Bekannt sind hingegen Fagott und Harfe als zentrales Element vieler Stücke. Besonders bei den Instrumentalwerken wie den eher klassischen „Saitentanz“ und „Zu den Quellen“ wurde hier sehr schön um eben jene bandinternen Besonderheiten herum gearbeitet. Leider fehlt in beinahe allen Fällen der letzte Aufhänger für die Königsklasse.

So geht „Das tiefste Ich“ anfangs recht spur- und eindruckslos am Hörer vorbei. Olivers Gesang ähnelt sich in beinahe allen Stücken, wobei der fränkische Einschlag mit dem gerollten R einen angenehmen Wiedererkennungswert hat. Die Texte fallen wenig einfallsreich aus und dass von zwölf Stücken insgesamt gleich drei rein instrumental gestaltet wurden, spricht nicht unbedingt für kreativen Überfluss im Sprachbereich.
Hörbar die Mühe gaben sich die Musiker eindeutig im bereits eingangs erwähnten Titeltrack „Das tiefste Ich“, welches durch seine Klangfülle im Vergleich zu den anderen Stücken beinahe erschlagend wirkt, qualitativ aber überzeugt. Den durch den Albentitel erwarteten Tiefgang vermisst man in weiten Teilen jedoch vollständig. Statt dessen düdelt der neue Longplayer der zwielichtigen Gestalten meist grundsolide ohne Ausrufezeichen vor sich hin.

Aus diesem Grund eignet sich die CD auch am ehesten für erfahrenere Folkrockanhänger, die besonders mehrstimmigen Gesang, eine gewisse seichte Härte und qualitativ hochwertige Instrumentalparts schätzen. Neulinge oder Genrefremde werden hingegen durch die größtenteils unspektakulären Arrangements kaum mitgerissen und im Vergleich zu anderen aufstrebenden Bands im weit gefassten Bereich der MA-Musik ziehen ZWIELICHT mit „Das tiefste Ich“ den Kürzeren.

Wertung: 5 / 10

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.