Lasst uns über Geld reden #3 – Warum die Bands selbst schuld sind. Eine Polemik.

Früher wurden Bands von ihren Fans verehrt – und Rockstars zu Millionären. Heute können nur noch die wenigsten Metal-Bands von ihrer Musik leben. Lange wurde der schwarze Peter für den Niedergang eines Traumberufes den Fans zugeschoben: Mit illegalen Downloads, Konsumfaulheit, und zuletzt auch noch durch die Nutzung legaler Streaming-Dienste setzen sie den Bands angeblich zu. Die Unzufriedenheit der Musiker scheint groß, immer öfter machen Bands ihrem Unmut öffentlich Luft, zuletzt ja Crematory. Doch die Kritik trifft die Falschen. Vielleicht sollten die Musiker auch einfach mal vor der eigenen Türe kehren.

Am Anfang war die mp3

Seinen Anfang nahm der Clinch zwischen Bands und Fans mit dem Aufkommen der mp3-Datei und, in der Folge, dem kometenhaften Aufstieg illegaler Download-Portale wie Napster: Musik wurde auf einmal freimütig zum Allgemeingut erklärt, Lars Ulrichs Ärger über Nutzer illegaler Downloads und sein Prozess gegen die entsprechende Plattform Napster war das große Thema – und auf beiden Seiten wurde viel über die Gegenpartei geschimpft: Die Fans würden durch illegale Downloads die ganze Musikbranche versenken, war das Credo verbitterter Musiker. Der Metallica-Drummer wiederum wurde von der Online-Community als von der Zeit überholt belächelt.

Von der Zeit überholt wurde vielmehr: Napster

Ist euch folgendes mal aufgefallen? Von illegalen Downloads redet heute niemand mehr. Welcher 12-15-jährige kennt heute den Namen Napster überhaupt noch? Und gibt es da überhaupt einen ernstzunehmenden Nachfolger? Wer sucht heute ernsthaft noch nach russischen Torrent-Servern, von denen er sich neben der heißersehnten, brandneuen Musik gerne auch gleich noch einen brandneuen Virus mit herunterlädt? Und warum – wenn all das die Apokalypse heraufbeschwörende Angebote waren, sind diese Systeme zumindest subjektiv betrachtet heute kein Thema mehr?

Der Dank gebührt dem Streaming

Das ist, man kann es nicht anders sagen, der Verdienst von Streaming- und Legal-Download-Anbietern wie Spotify, Amazon Music oder iTunes. Der Mensch will nicht illegal agieren, zumindest im Normalfall. Er will nur schlicht ein Nutzungs-Modell, das seinen Wünschen und der Zeit entspricht. Und da stehen die Zeichen nun einmal nicht erst seit gestern auf Digitalisierung. So sehr Romantiker (wie ich selbst einer bin) auch an der CD oder (noch romantischer) der LP hängen – der Großteil der Konsumenten will Musik einfach und schnell, portabel und von überall zugreifbar besitzen. Das gilt es zu akzeptieren, dem Kundenwunsch hat sich der Anbieter unterzuordnen. Und so brach die Zeit des legalen Streamings an. Das Prinzip dahinter ist so einfach wie genial: Ein Internetzugang reicht aus, und schon kann man überall auf der Welt quasi jedes Album, das auf diesem Planeten je eingespielt wurde, ganz legal erwerben und hören. Entsprechend dankbar wurde das System angenommen: Als Nicht-Nutzer dieser Angebote bin ich, nach wie vor notorischer CD-Sammler, in meinem Freundeskreis mittlerweile der Exot.

Die Sache hat nur einen Haken

Denn wer dabei aktuell in die Röhre schaut, sind die Musiker. Bei denen kommt von den an sich fairen Preisen von beispielsweise 1,29 Euro pro Song (Amazon) nämlich so wenig an, dass diese Beträge für die Band in der Tantiemen-Abrechnung des Labels quasi zu vernachlässigen sind. Das wirft natürlich Fragen auf: Warum ist das so? Wie kann es sein, dass eine mp3, die die Band „verkaufsfertig“ abliefert, den Endverbraucher genauso viel kostet wie die gleiche Musikdatei auf einem aluminiumbeschichteten Polycarbonat-Rohling und mit aufwändig gestaltetem, gedrucktem Booklet? Und wie kann es sein, dass dabei dann auch noch nur ein Bruchteil des eh schon niedrig zweistelligen Prozentsatzes, den eine Band am CD-Verkauf verdient, für die Musiker herausspringt? Aber auch: Warum, liebe Bands, macht ihr das mit? Oder, anders formuliert:

Hey, Bands! Was wollt ihr eigentlich?

Die Frage muss erlaubt sein. Jeder, der Musik macht, muss sich irgendwann – oft in einem schleichenden Prozess, bewusst oder unbewusst – entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Wer aus Idealismus und Spaß Musik macht, dem reicht es, das im (dann nicht mehr so) stillen Kämmerlein oder im Proberaum zu machen. Wer hingegen Aufmerksamkeit und Erfolg will, muss erfolgreich wirtschaften – auch in einer kompetitiven Umgebung. Lasst mich ein Beispiel bemühen: Wer zum Spaß schnitzen will, braucht nur ein Messer. Wer kommerziellen Erfolg als Schreiner haben will, auch einen Verkaufsraum. Und wer diesen zu schlechten Konditionen anmietet, geht konkurs. Auch, wer wahnwitzige Summen in die Herstellung eines Produktes steckt, nachdem es keine Nachfrage gibt, geht damit in der Regel baden. Das Mitleid für eine solche Misswirtschaft hält sich in allen Branchen für gewöhnlich in Grenzen. Außer in der Welt der Musik. Obwohl dort eigentlich nichts grundsätzlich anders ist: Das Produkt heißt hier Musik, die Verkaufsräume sind das Internet und die Bühne. Und wer Songs schreibt, die niemand hören will, aber auch, wer seine Kunst im Internet zu schlechten Konditionen (also in den falschen Verkaufsräumen) feilbietet oder sich anderweitig ausnutzen lässt, indem er sich unter Wert verkauft oder gar Aufmerksamkeit erkauft, darf am Ende nicht jammern, wenn die Kostenrechnung nicht aufgeht. Oder gar den Fans die Schuld geben.

Es wird Zeit, die richtigen Schuldigen zu suchen

Und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Den Fan weiter in die Pflicht zu nehmen oder ihm mangelnden Support zu unterstellen, kann hier nicht die Lösung sein: Gerade im Metal sind die Fans loyal – oft ein Leben lang. Zwar mag in unserer Zeit die Sensibilisierung für den Konsum fairer Produkte im Trend liegen. Der gravierende Unterschied zwischen Musik und Biofleisch ist aber offensichtlich: Anders als das Schwein den Schlachter sucht sich der Musiker seinen Distributor selbst aus: Keine Band ist gezwungen, ihre Musik über ein ausbeuterisches Portal feil zu bieten. Wer mitspielt, braucht nicht über die Regeln zu jammern. Natürlich steht außer Frage, dass es absurd ist, dass derjenige, der das Produkt, das am Ende verkauft wird, produziert hat, dafür de Facto nicht vergolten wird. Sven Regener, Sänger und Texter der Indie-Rocker Element Of Crime, hatte das im Kontext der Debatte um durch die GEMA gesperrte Youtube-Videos einmal schön zusammengefasst: „Ein Geschäftsmodell, was darauf beruht, dass diejenigen, die den Inhalt liefern, nichts  bekommen, das ist kein Geschäftsmodell. Das ist Scheiße.“ Und recht hat der Mann: In jeder anderen Branche hätte es bei einer solchen Sachlage längst schon Streiks gegeben. Aber es ist eben einfacher, mitzumachen, und sich hinterher als den Verlierer darzustellen.

Zeit für eine Underground-Black-Metal-Revolte?

Natürlich lässt sich ein Portal wie Spotify nicht etwa durch eine Underground-Black-Metal-Revolte in die Knie zwingen – wenn jedoch genug Bands nicht mehr mitspielen und dort das Angebot zurückgeht, werden Fans auch auf andere Konsumwege ausweichen. Es gibt schließlich Alternativen, wie das vergleichsweise faire Bandportal Bandcamp oder den DIY-Ansatz, der (natürlich auf Kosten der Reichweite) sämtliche Mitverdiener außerhalb der Band aus der Rechnung kürzt. Gerade für kleine Bands sind diese Alternativen lohnenswerter als die meisten Label-Deals. Der nächste Schritt in der Karriere kann, bei dann schon etwas größerem Bekanntheitsgrad, das Crowdfunding sein: Bands wie Destruction oder Wintersun haben unlängst mit auf diese Weise finanzierten Alben beziehungsweise sogar ganzen Tonstudios (!) erst bewiesen, dass das in der von Zusammenhalt geprägten Metal-Szene durchaus ein Weg sein kann.

Aber lieber wird gejammert

Von Leuten etwa, die früher mehr Geld mit Musik verdient haben, oder – noch schlimmer – von Leuten, die noch nie Geld mit Musik verdient haben. Gerade letztere übersehen dabei oft, was es heißt, tatsächlich mit Musik Geld verdienen zu wollen. Dass Musiker ein Vollzeit-, ja, vor allem auch ein Knochenjob ist, der volle Aufopferung bis zur Aufgabe des Lebens abseits der Band verlangt – nicht bloß Papas Taschengeld, das in einer CD-Produktion oder einem schlechten Label-Deal (im Regelfall sogar in beidem) versenkt wird. Eine Investition alleine, und sei sie auch noch so hoch, war schließlich noch nie eine Gewinn-Garantie. Musiker mag zwar für viele ein Traumjob sein. Ob er das wirklich ist, ist vermutlich Typ- und Ansichtssache. Fakt ist aber:

Musiker ist kein Job, den man mal eben so nebenbei macht

Der Berufsmusiker ist heute, wie früher, vor allem wieder eines: Fahrender Künstler. Wer nicht auf Tour ist, verdient kein Geld. Und wie früher gilt auch heute noch: Das große Geld macht der Zirkus, nicht der Clown. Und der Zirkus heißt jetzt eben beispielsweise Wacken oder Rock im Park. Ein guter Teil der Bands, die auf solchen Mega-Events auftreten, bekommen dafür keine oder nur verschwindend geringe Gagen, die kaum die Fahrtkosten decken. Bei Touren als Support bekannterer Acts muss eine Band gar froh sein, wenn sie für die Möglichkeit, sich einem großen Publikum zu präsentieren, nicht sogar noch zur Kasse gebeten wird. Ob es fair ist, dass erneut alle Geld scheffeln, nur nicht die, die den zentralen Beitrag leisten, steht auf einem anderen Blatt. Knapp zusammengefasst: Sicher nicht. Aber Fakt ist aber auch hier: Keine Band wird gezwungen, ihre Fertigkeiten gratis zur Schau zu stellen und sich dann noch vom Merch-Verkauf hohe Tantiemen abzwicken zu lassen. Irgendwie wollt ihr es doch auch nicht anders. Wegen des Fames.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Was können wir mit diesem Wissen nun anfangen, wie kann man den Riss kitten, der mittlerweile zwischen Bands und Fans durch die Szene verläuft, etwas an den Missständen ändern? Überraschend viel. Denn gerade die Metal-Szene ist eine verschworene, vergleichsweise kleine Gemeinschaft, in der jeder Einzelne mit seinem Verhalten durchaus noch Einfluss auf das „große Ganze“ nehmen kann. Dass die Fans bereit sind, für Musik und Konzerte Geld in die Hand zu nehmen, zeigt der Erfolg großer Festivals mit teils wahnwitzigen Eintrittspreisen ebenso wie der der Händler für digitale Musik. Diese Bereitschaft gilt es nur in die richtigen Bahnen zu leiten.

Dazu gehört Mut, keine Frage.

Der Mut, nicht den vermeindlich einfachsten Weg zu gehen. Der Mut, nicht einfach den erstbesten Pay-to-Publish-Deal, den ein dubioses Label anbietet, zu unterschreiben. Der Mut, auch mal lieber selbst ein Konzert zu veranstalten, anstatt wiedermal für ein Bier und 50 Euro Spritgeld durch halb Deutschland zu fahren oder sich gar irgendwo via Pay-to-Play einzukaufen. Und auch Mut, zu sagen: Nein, meine Musik gibt es dann eben nicht auf Spotify oder iTunes, so lange ich dafür nicht angemessen entlohnt werde.
Dazu gehört aber auch Demut. Vor den Fans, die nach wie vor ihr sauer verdientes Geld für Musik ausgeben, und sich dafür ausgerechnet Deine Band herausgesucht haben. Denn so überzeugt Ihr auch von euch und eurer Musik seid – Ihr seid ganz gewiss nicht einzigartig.

Es geht nur mit dem Hörer

Den Wandel hin zu einem faireren Umgang mit Musik kann man nur gemeinsam mit den Fans schaffen. Und das geht gewiss nicht über Schuldzuweisungen oder Mitleidheischen. Macht euch verständlich, bleibt glaubhaft und ehrlich – zu euch, wie zu den Hörern, die schlussendlich entscheiden, wie und in welchem Maße sie eine Band unterstützen. Aber eines steht fest: Ein schlechtes Gewissen braucht der Fan aus genannten Gründen (außer bei illegalen Downloads) nie zu haben – das kann nicht Sinn der Sache sein. Allerdings sollte sich jeder Musikliebhaber bewusst sein: Was heute den Bands schadet, schadet morgen der Szene und damit übermorgen uns selbst – wenn etwa schlicht keine Nachwuchsbands mehr nachkommen, weil sie sich den Schritt in die Professionalität nicht mehr leisten konnten.

Und so ist auch der Fan gefragt

Die Möglichkeiten seitens der Fans, den Bands unter die Arme zu greifen, sind schließlich vielfältig: Wer etwa – trotz des praktischen Spotify-Abos – gelegentlich eine CD, eine Schallplatte direkt im Webshop der Band bestellt, oder die Songs kleinerer Bands über Bandcamp erwirbt, kann sich sicher sein, dass das Geld bei denen ankommt, die es verdienen. Das gleiche gilt für Merchandise: Statt großen Online-Händlern Geld in den Rachen zu schmeißen, lieber mal wieder direkt bei einer Band bestellen. Das kostet dann vielleicht ein paar Euro Porto mehr – dafür gibt es vielleicht ein paar nette Worte eines dankbaren Musikers gratis, der sich anschließend gutgelaunt daran macht, einen neuen Song zu schreiben. Wer Porto sparen und doppelt Gutes tun will, kauft sein Merchandise auf Konzerten: Hier supportet er durch den Konzertbesuch und den Direkterwerb die Band gleich auf zwei Wegen. Und last but not least: Geht überhaupt mal wieder auf ein Konzert. Und zwar nicht irgendeines dieser kommerziellen Mega-Events mit Massenbandhaltung, bei denen es schon lange nicht mehr um Musik geht. Sondern lieber auch eine kleine Clubtour, oder eines der unzähligen, gemütlichen Festivals von Fans für Fans, die in der Regel dann auch ihre Bands mit fairen Gagen am Erfolg beteiligen – und bei der Sache aus reinem Idealismus (ähnlich den Bands) oft genug sogar noch draufzahlen.

Denn in einem Punkt dürften sich alle einig sein: Es kann nicht angehen, dass sich große Konzerne eine goldene Nase verdienen, während sich die Idealisten beider Seiten in gegenseitigen Anfeindungen zerreiben.

9 Kommentare zu “Lasst uns über Geld reden #3 – Warum die Bands selbst schuld sind. Eine Polemik.”

  1. Paaranmerkungen

    – Dass Tauschbörsen tot sind stimmt wohl weitgehend, wobei ich neulich hörte, dass es Soulseek noch geben soll. Allerdings bleiben dadurch die illegalen Downloads nicht aus, das Ganze hat sich nur zu One Click Hostern hinverlagert, die Links finden sich in entsprechenden Blogs und Foren. Auch die russischen Torrent-Tracker gibt es nach wie vor. Dass da großartig Viren verbreitet werden oder wurden ist mir neu.
    – Dass damals signifikant mehr Bands von Musik leben konnten wage ich zu bezweifeln, das waren auch nur die Großen.
    – Ich sehe es so, dass Musizieren für die meisten Bands ein Hobby ist. Und Hobbys kosten in der Regel Geld. Dass von den Leuten, die Musikhören als Hobby haben, Geld zurückfließen sollte, ist selbstverständlich.
    – Bei der Veröffentlichung von Liedern hast Du hauptsächlich den monetären Aspekt behandelt. Genauso wichtig ist sicherlich auch die Reichweite und damit Bekanntheit, damit die Leute einen überhaupt kennen und auch zu Konzerten kommen.
    – Ansonsten: Wenn ich Listen mit Veröffentlichungsterminen von Alben allein im Metalbereich sehe, frage ich mich, wer das denn alles hören, geschweige denn kaufen soll.

  2. Moritz Grütz Post Author

    @Tauschbörsen: Mag sein, dass es da noch welche gibt, ich glaube, im Großen und Ganzen ist das aber nicht mehr das Problem. Die Leute sind ja scheinbar durchaus bereit, Geld für Musik zu zahlen. Da hat sich die Einstellung der Leute generell glaube ich schon stark gewandelt.
    @Davon leben: Nun, die Tatsache, dass es aber „von früher“ eben extrem viele große Bands gibt, zeigt schon, dass es damals mehr geschafft haben als heute. Ich bin davon überzeugt, dass die Zeit der wirklich großen Rock-Bands vorbei ist. Den Sprung zu Superstars schaffen heute nur noch die wenigsten, und auch das Mittelfeld wächst nicht so, wie seinerzeit beispielsweise in der Thrash-Szene. Liegt aber natürlich daran, dass heute in allen bereits bestehenden Genres schon große Bands da sind, was bei neu entstehenden Szenen damals eben nicht der Fall war. Ich denke aber schon, dass die monetäre Vergütung früher auch bei Bands auf niedrigerem Bekanntheitslevel deutlich vorteilhafter war, es also leichter war, auch als nur halbwegs bekannte Band einigermaßen kostentragend zu agieren.
    @Hobby: Da scheiden sich eben die Geister. Ich bin da ganz bei dir – Fakt ist aber natürlich auch, dass, sobald irgendwer mit/an der Band Geld verdient, die Band an diesem Gewinn vernünftig beteiligt sein muss. Es kann nicht sein, dass am Ende alle Geld mit der Musik machen, aber von der Band erwartet wird, dass sie das als Hobby auf eigene Kosten betreibt. Da ist einfach was faul, das ist ja auch einer der zentralen Punkte obigen Textes.
    @Monetärer Aspekt: Richtig, darauf liegt ja der Fokus des Textes. Verbreitungswege, Social Media etc. sind nochmal ein ganz anderes Thema.
    @Veröffentlichungszahlen: Ja, definitiv. Die Szene ist an sich zu schnell gewachsen, und die Strukturen und Fanzahlen kommen nicht hinterher. Es gibt überproportional viele Bands, und es kommen definitiv mehr dazu, als das System aus ökonimischer Sicht verträgt.

  3. Olaf

    Ich bin sehr angetan von dieser Serie. Ich muss gestehen, das ich mir lange Zeit keine Gedanken gemacht habe wie die Musiker zu ihrem verdienten Geld kommen.
    Ein Augenöffner war da für mich die Amorphis-Biographie (wie es nicht funktioniert).
    Streaming ändert die Hörgewohnheiten, auch bei mir.
    Ich benutzte Spotify um interessante Alben komplett zu hören.
    Dank metal1.info habe ich schon einige neue intressante Bands in mein Herz geschlossen.
    Aber es waren noch mehr dabei, die doch nicht gezündet haben, trotz (oder wegen)
    einer überschwengliche Rezension bei Euch und einem (oft nicht representativen) tollen Anheizvideo.
    So höre ich jetzt bei Spotify die als intressant eingestuften Bands. Wenn das Album mir dann wirklich gefällt, kaufe ich mir den Download oder die CD.

    Mein Schlußfolgerung aus der Serie: Mehr bei den Konzerten oder der Band direkt kaufen.

    Sich über die Metall-Fans zu beschweren ist äußerst undankbar, treuere Fans dürften auf Dauer kaum zu finden sein.

  4. eNKa

    Ich verstehe nicht wie man Geld für Nichts verbrennt….also für Spoti-was & sonstige Downloads? Ich hab lieber für mein Geld was Handfestes, wie z.B. eine CD oder eine LP , die ich mir zu meiner Sammlung dazu stellen kann. Wobei diese ruhig etwas günstiger sein könnten… dann würde ich sogar noch mehr kaufen. Aber zum Glück gibt es ja auch „Gebrauchtwaren“ die man sich anschaffen kann.
    Naja, auch wenn ich nicht alles nachvollziehen kann ist es dennoch ein Interessantes Thema aber irgendwie auch belustigend, mit den Schuldzuweisungen. … witzig finde ich auch die frage „wie kann man den Riss kitten, der mittlerweile zwischen Bands und Fans durch die Szene verläuft“. Ist ja quasi schon eine Unterstellung ! Treibt den Keil ruhig noch weiter rein…
    Hier vielleicht noch ein Vorschlag für eine andere Kolumne : DIY – Wie stelle ich an meine Band publik zu machen.
    Jetzt, wo wir Labels, Verträge & co. Kacke finden.

    1. arno nyhm

      kann ich zum gewissen grad nachvollziehen, nutze auch keine streaming dienste, weil musik für mich keine wegwerf ware, wie, nicht falsch vertsehen, serien. die guck ich einmal und danach nie wieder. aber da besteht auch eine etwas geringere wertschätzung den produzenten und schauspielern gegenüber. das ist für mich einfach unterhaltung. und so gehts, wage ich mal so in den raum zu stellen, auch 70% der musik hörer. da fährt man keine 300-800Km um eine seiner lieblingsbands zu sehen.
      setzt sich nicht ins flugzeug um nach london zu fliegen, wegen eines support gigs der vermutlich nur 15min geht.
      lange rede kurzer sinn, gibt solche und solche und dann gibs noch ganz andere aber ditt sind die schlimmsten.

      und es ist keine unterstellung, sondern tatsachen wenn bands und fans sich auf facebook fetzen. und das in einem genre wo man eigetlich um jeden froh sein muss der nicht nach den ersten 4 takten direkt weiterskippt.

  5. P

    Ich stimme sicher nicht allem 100% zu was hier drin steht – aber die Quintessenz ist, das Ganze ist ein Markt, ein Service, ein Produkt. Den Konsumenten die Schuld zuschieben kann man gerne machen, es bringt aber nichts. Natürlich wär’s schön, wenn alle mehr Geld in Tonträger investierten und die Künstler mehr davon hätten. Das passiert aber nicht.

    Ich spiele seit 10 Jahren in semiprofessionellen Bands – ergo, wir leben nicht davon, aber jeder von uns arbeitet in seinem „eigentlichen“ Job etwas weniger und für weniger Geld, um mehr Zeit für Musik zu haben. In dem Fall ist es dann wichtig, dass eben nicht „das Hobby Geld kostet“, sondern sich der Kram zumindest selbst bezahlt und auch mal ein wenig Profit abwirft. Das funktioniert, mit Kampf, Heulen und Zähneklappern, und mehr schlecht als recht, auch in dieser Marktumgebung.

    Ich glaube nicht, dass das vor 20, 30 Jahren besser gewesen wäre. Vielmehr wäre es ohne die aktuellen technischen Möglichkeiten, die eben auch günstigere und trotzdem gute Audio- und Videoproduktionen und weltweite Vernetzung ermöglicht. Es wäre früher unmöglich gewesen, überhaupt zu veröffentlichen, europaweit zu touren und zu verkaufen, ohne das 100% als Vollzeitjob zu machen, heute geht es zumindest, wenn’s auch natürlich nicht sonderlich viel abwirft. Dass man so kein oderntlich bezahlter Profimusiker oder gar Rockstar wird, ist aber auch klar, dafür muss wirklich 120% gegeben und auch viel Risiko getragen werden.

    Natürlich führen diese Möglichkeiten aber auch zu einer Inflation an Bands – und nicht nur an Drecksbands, die keiner hören will, sondern es gibt ja sogar tatsächlich mehr gute Musik als man mit normalen finanziellen Möglichkeiten auf Tonträger erwerben kann. Das ist völlig klar, dass damit nicht jeder profitabel operieren kann. Das ist schade, aber leider Fakt. Wer professionelle Musiker kennt, oder auch wie ich mit welchen arbeitet, weiß, dass man mit Musik durchaus Geld verdienen kann (vielleicht nicht so viel wie man gerne hätte), aber man sich da auch nach dem Markt richten muss. Ergo, Profis die nur von „ihrer“ Rockband leben gibt’s unterhalb der ganz Großen kaum, oder es ist halt einer in der Band der alles organisiert und davon lebt, und der Rest sieht zu wo er Kohle herkriegt. Als Profimusiker dann durch Studiojobs, Unterricht, Cover- oder Partybands usw., wo halt noch Geld für bezahlt wird.

    Unschön? Ja, wäre cooler wenn wir alle mit der Musik die uns am Herzen liegt, Geld scheffeln könnten. Geht aber eben nur in den wenigsten Fällen, ging auch früher nicht einfacher. Früher haben sich Bands regelmäßig aufgelöst wenn sie lange genug keinen Deal gekriegt haben. (Was glaubt ihr, wo diese ganzen Kult-Demotapes aus den 80ern herkommen, und die ganzen Bands die sich im Rahmen des Retro-Hypes plötzlich nach 30 Jahren wieder zusammen tun?) Heute fahren die halt auf gedrosseltem Betrieb als Hobby weiter und machen dabei vielleicht auch noch mal hin und wieder was Gutes, was man entdecken kann.

  6. arno nyhm

    ich find das beste argument das wir eigentlich wieder in „guten“ zeiten leben ist die reunion von jeder drecks band ;) da ist ja nicht mal die HC/SXE/PV/EV scene von gefeit wenn bands wie jeromes dream unfassbare summen crowdfunden um ein album wie in den 90gern aufzunehmen… das darf auch scheisse finden :)

  7. Decay

    Was ich in all der Diskussion noch gar nicht gesehen habe und ich gern mal anmerken will: Es hat schlicht und ergreifend nicht jeder Metalfan (grad unter Jüngeren) mehr den Platz, sich eine Schrankwand mit CD’s ins Wohnzimmer zu stellen und den halben Kleiderschrank für Merch zu reservieren.

    Mal aus der Perspektive von mir als Student gesprochen: ich habe zum Beispiel nur 11 Quadratmeter um all mein Zeug irgendwie unterzubringen und das bleibt für die nächsten Jahre auch erstmal so. So schön gestaltet die Sondereditionen auch sein mögen, oder so geil ich das Motiv auf diesem Hoodie finde – ich wüsste nicht, wo ich das vernünftig aufbewahren sollte, und ich bin beileibe kein Freund von diesem Lifestyle-Minimalismus-Kram.
    Das mag jetzt vielleicht eher ein Problem der Generation <30 bzw von Studenten im Besonderen sein, aber ich sehe schon auch bei arbeitenden Freunden, dass die Wohnungen tendenziell eher kleiner werden und man sich darum zweimal überlegen muss, wie viel Zeug man ansammelt.

    Und da muss ich ehrlich sagen: So sehr man eine MP3-Datei auch als seelenlos bezeichnen mag, sie nimmt mir allerhöchstens Platz auf der Festplatte weg, ich muss sie bei Umzügen nicht schleppen und sortiert ist alles mit ein paar Klicks. Hat für mich also klare Vorteile und ich bin nicht so audiophil, dass ich den Unterschied im Sound wirklich wahrnehmen würde, sofern die kbps genug sind.
    CDs und Merch kaufe ich nur noch von sehr ausgewählten Bands und wenn mich das Motiv -wirklich- überzeugt, oder als Erinnerung an ein geniales Festival. Langfristig sehe ich persönlich die Lösung eher darin, die Download- und Streamingmodelle fairer für die Bands zu gestalten, als sich ewig daran zu klammern, dass "wahre Fans" schon irgendwie alles kaufen werden, was man so raushaut.

    Von wegen "wahre Fans" – dazu kommt noch, dass ich das Gefühl hab, dass der Trend allgemein von "Vergötterung einer spezifischen Band" weggeht zu "Wertschätzung eines besonderen (Sub)genres", aber da mag ich mich natürlich irren…

  8. Booney

    Spotify als Künstler zu boykottieren ist keine gute Idee. Ich höre Bands konsequent nicht, die kein Spotify anbieten. Warum? Weil der Markt so massiv mit Metalbands gefüllt ist, dass ich immer erst die Bands abarbeite, die ich schnell und einfach anhören kann. Das sind so viele, dass ich nicht mal die, die auf Spotify sind, vollständig durcharbeiten kann. Mit anderen Worten: Zu den Bands, die ich aufwändig irgendwo heraussuchen muss, um sie anzuhören, komme ich meist nichteinmal. Meine Liste ist schier endlos. Unter 10 Alben gefallen mir meist 1-2 besonders gut. Die werden dann bestellt und in die Sammlung gestellt. Dann geht das Spiel von vorne los.

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