Review Lykana – Symphonie der Schatten

Wo zuvor Dudelsack und Gitarre dominierten, findet man nunmehr härtere Riffs und düstere Melodien: Aus der Mittelalterrock-Band STELLARYS wurde auf Anregung von Enno Heymann (Enorm Music Verlag) eine facettenreiche Folk-Metal-Band. Passend dazu sind die Jungs aus der Westpfalz seit 2024 unter dem Namen LYKANA unterwegs. Mit ihrem nun anstehenden Album „Symphonie der Schatten“ kündigten sie die neue musikalische Ausrichtung sowie den neuen Bandnamen an. Ein mutiger Schritt hinsichtlich der Tatsache, dass sich STELLARYS zu der Zeit begann, in der Mittelalter-Rock-Szene zu etablieren.

Zwar ist der Name LYKANA eine Anlehnung an den Lykanthrop (Werwolf), allerdings liegt der Fokus von LYKANA absolut nicht nur auf der namensgebenden Sagengestalt. In den 13 Tracks von „Symphonie der Schatten“ unter dem Namen LYKANA werden verschiedenste Mythen und Legenden aus aller Welt besungen. Die Texte handeln primär von mythischen Erzählungen, binden allerdings auch immer eine persönlichere Ebene mit ein. So hat jedes Lied der Platte auch eine emotionale Note. Eine gute Taktik, um die breite Masse abzuholen. Dem Albumtitel entsprechend ist die Platte ein Sammelsurium düsterer Geschichten aus verschiedenen Kulturen. Der Großteil der Songs ist kraftvoll, schnell und dennoch melodisch, sodass sich die „Symphonie der Schatten“ gut in die Folk-Metal-Szene einfügt. Ausnahmen wie die melancholischere Ballade „Sukkubus“ sorgen für Abwechslung und potenzielle Verschnaufpausen bei Live-Auftritten.

Nach der episch klingenden Ouvertüre folgt der erste richtige Song: „Kronos“. Schnelle, melodische Dudelsack-Melodie und harte Riffs leiten den Song ein. Als Zuhörer wird man hier gleich mitgerissen und zum Pogen und Headbangen bewegt. Lyrisch ist „Kronos“ zwar nicht unbedingt komplex, aber das muss er auch nicht sein, um mitzureißen. Der Refrain geht schnell ins Ohr und lässt sich schnell mitsingen. Mit kraftvoller Stimme bringt Sänger und Songwriter José das Flehen im Refrain zum Ausdruck. Klanglich erinnert „Kronos“ ein wenig an alte Tracks von SALTATIO MORTIS; so ganz fernab von mittelalterlichen Einflüssen ist die Musik von LYKANA also trotz neuem Gewand nicht. Allerdings dürfte es so auch einfacher für LYKANA werden, wieder Anschluss in der Szene zu finden.

In dem als erste Single erschienenen Track „Medusa“ besingt José die Geschichte der Gorgone der griechischen Mythologie, die alles mit ihrem bloßen Anblick zu Stein verwandelt. In den Strophen gleicht Josés Gesang einer mystischen Erzählung, begleitet von langsamen, rhythmischen Riffs. Im Refrain werden diese deutlich energetischer und härter. „Medusa“ ist einer der kraftvollsten Songs aus der „Symphonie der Schatten“, weshalb der Track als erste eigenständige Single der Band veröffentlicht wurde. Kurz vor Ende des Songs setzt überraschend noch ein schnelles Gitarren-Solo von Hel ein, bevor ein letztes Mal der Refrain folgt.

Der Song, der allerdings hinsichtlich des Titels am meisten überrascht, ist ganz klar „Sandmann“. Wer bei dem Namen auch zuerst an die Figur aus dem Kinderkanal damals denkt, könnte weiter nicht danebenliegen, auch wenn das Spieluhr-Intro des Lieds anderes suggeriert; denn der „Sandmann“ war ursprünglich kein freundlicher Besucher, sondern ein Dämon. Dieser streute europäischen Erzählungen zufolge Kindern, die nicht schlafen wollten, Sand ins Auge, bis sie bluten. „Sandmann“ sticht aber auch stilistisch heraus, da dieser Track deutlich melodischer ist als die zuvor genannten. Außerdem sind deutlich mehr Dudelsack-Passagen von Drengrson zu hören.

Insgesamt folgt das unter der Leitung von Daniel Keller (Studio 411) produzierte Album keinem (ersichtlichen) roten Faden. Dennoch erzählt jeder Track eine eigene Geschichte. Das Album gleicht so fast einem düsteren Märchenbuch. Präferiert man Musik, welche eine durchgängige Geschichte erzählt, ist man bei LYKANA an der falschen Adresse. Fans von Gruselgeschichten und Mythen hingegen könnten mit LYKANA aber definitiv eine neue Band für sich entdecken. „Symphonie der Schatten“ enthält durchaus ein paar Ohrwurm-Kandidaten wie „Kronos“ oder „Medusa“. Dem Album fehlt nur noch das gewisse Etwas, um sich von anderen Folk-Metal-Platten abzuheben. Fans von SUBWAY TO SALLY oder IN EXTREMO könnten mit LYKANA aber eine neue Underground-Band für sich entdecken.

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Wertung: 7 / 10

Marina Piluso

Publiziert am von

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