Geht es um Spaß im Rock- oder Metal-Bereich, denkt man inzwischen sofort an Blödel-Bands wie BTS, ELECTRIC CALLBOY, NANOWAR OF STEEL und Co., die vor allem mit grenzdebilen Texten, Videos und Kostümen von sich reden machen. Siân Greenaway aber verbreitet auf eine andere Art Spaß und Freude: Sie hat mit BOBBIE DAZZLE eine Glam-Rock-Kunstfigur erschaffen, die den Spirit dieser Zeit in Sound, Outfits, Videos und Bühnenshow transportiert. Dabei verzichtet sie auf jegliche Ironie, sondern will mit Flöte, catchy Melodien und Glitzer-Catsuits einfach den Spaß der 70er in die heutige Zeit bringen. Auf ihrem zweiten Album „Star Power“ schlägt die Britin aber auch ernstere Töne an, hatte sie doch zuletzt heftig mit ihrer Endometriose-Erkrankung zu kämpfen.
Wie auf einer klassischen Vinyl-Platte lässt sich „Star Power“ daher musikalisch in eine A- und B-Seite trennen, die sich vor allem im Härtegrad unterscheiden. Direkt zu Beginn hat BOBBIE DAZZLE ein Easter-Egg im Titeltrack versteckt, basiert dessen Intro doch auf dem letzten Song des Debüts „Fandabidozi“, was die beiden Alben beinahe nahtlos verbindet. Der Start gelingt mit Flöte, Keyboards und Glam-Riffs fulminant. Dieser 70er-Party-Vibe zieht sich durch die gesamte erste Albumhälfte, wobei „Jack Rabbit“ und „Wonder“ besonders hervorstechen. „Jack Rabbit“ vereint alles, was britischen Rock der 70er ausmacht: Die Opulenz von QUEEN, die Riffs von THE WHO, den Glitter von T. REX. „Wonder“ wiederum ist funky, groovy und nimmt das Gas etwas raus, was dem Album an dieser Stelle gut zu Gesicht steht.
Auf der zweiten Albumhälfte zieht BOBBIE DAZZLE das Tempo merklich an, und auch die Riffs fallen stellenweise härter aus, ohne jedoch Glam-Melodien und spacige Keyboards aufzugeben. „Who Ya Gonna Lean On“ verzichtet auf Opulenz, sondern ist drei Minuten Glam-Rock pur. Noch kürzer fällt „Take To The Streets“ aus, und hier ist der Bezug zum Glam nur noch zu erahnen. Stattdessen werden die Riffs aggressiver und BOBBIE DAZZLEs Vocals druckvoller.
Für „Star Power“ konnte BOBBIE DAZZLE auch namhafte Gäste gewinnen, die sich beide auf der zweiten Albumhälfte die Ehre geben. Bei „Snakes & Ladders“ spielt Gareth McGrillen von der Drum-and-Bass-Band PENDULUM nicht nur Bass, sondern hat auch am Songwriting mitgewirkt. Was erstmal nach einer gewagten Kombi klingt, entpuppt sich als groovy Rocker. Mit einer echten Legende beschließt BOBBIE DAZZLE ihr Zweitwerk: Lita Ford steuert am Ende von „Feel It Too“ ein furioses Gitarrensolo bei und adelt „Star Power“ damit endgültig.
Obwohl das Debüt erst vor knapp zwei Jahren erschien, zeigt sich BOBBIE DAZZLE auf „Star Power“ deutlich gereift. Die gesundheitlichen Probleme haben bei Siân Greenaway Spuren hinterlassen, die auch auf diesem Album hörbar sind. Dadurch wird „Star Power“ aber nicht zu einem melancholischen Album, sondern transportiert vielmehr eine „Jetzt erst recht!“-Attitüde, die besonders den Tracks auf der B-Seite mehr Biss verleiht. Allgegenwärtig ist die Freude von BOBBIE DAZZLE am Glam-Rock, und diese Freude ist ansteckend. Also rein in das Glitter-Outfit und „Star Power“ auf volle Lautstärke!
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Wertung: 8 / 10


