Interview mit Seidemann von 1349

Die Norweger 1349 legten kürzlich mit „Beyond The Apocalypse“ nach und untermauern ihre Stellung als neue Black Metal-Macht. Bassist Seidemann stellte sich unserern Fragen.

 

M1: International gesehen ist 1349 sicherlich eine der vielversprechendsten Bands momentan. Trotzdem wird es da noch die ein oder andere Person geben, die noch nichts von euch gehört hat. Seidemann, magst du die Gruppe kurz vorstellen?
Seidemann: 1349 wurden im Jahre 1997 von Ravn, Tjalve und mir gegründet. Archaon an der Gitarre kam 1999 dazu, Frost 2000. Wir haben zwei Alben veröffentlicht, „Liberation“ und „Beyond the Apocalypse“, beide über Candlelight Records erschienen.

M1: Euer neues Album, „Beyond the Apocalypse“ ist kürzlich erschienen. Wie ist die Resonanz bisher?
Seidemann: Bisher ist die Resonanz sehr positiv ausgefallen.

M1: Im direkten Vergleich mit eurem Debüt „Liberation“ fällt die weitaus bessere Produktion des neuen Albums auf. Mir persönlich gefällt dieser Sound auch besser, da ihr es instrumental doch draufhabt und man nun auch endlich alles hören kann, was ihr tatsächlich spielt. Doch was waren eure Gründe für diesen Wechsel? Einige Black Metal-Fans haben den „truen“ Klang sicher lieber…
Seidemann: Diese Scheibe beinhaltet viel komplexeres, ausgearbeiteteres Material und bedurfte somit auch einem anderen Sound als „Liberation“. Leute, die sich über den Sound beschweren, kümmern sich vermutlich weniger um die Musik als um die „Trueness“. Pech für sie, mir ist das egal. Auf beiden Alben haben wir den Sound, den wir wollten.

M1: Wie handhabt ihr den Prozess des Schreibens? Habt ihr jemanden der sich um Großteile des Ganzen kümmert oder schreibt ihr das Material zusammen?
Seidemann: Die Gitarristen liefern die meisten Riffs, doch auch Frost und ich haben einige beigetragen. Wir arrangieren die Lieder dann gemeinschaftlich.

M1: Vom Anfang bis zum Ende, wie lange hat es insgesamt gedauert „Beyond the Apocalypse“ zu schreiben, aufzunehmen und zu mischen?
Seidemann: Denk‘ dran, dass „Liberation“ bereits 2001 aufgenommen worden ist, da haben wir bereits mit Sachen angefangen, die dann auf dem neuen Album gelandet sind. Der tatsächliche Aufnahmeprozess hat dann etwa zwei Wochen gedauert, das Abmischen auch noch ein paar Abende.

M1: Nun, lass‘ uns ein wenig über das Album an sich reden. Mir scheint es, als gebe es eine generelle Marschrichtung – höllisch schnell und ziemlich brutal. Allerdings gibt es auch ein paar andere Töne zu hören, z.B. „The Blade“ oder der Beginn von „Internal Winter“. War euch nicht danach, vielleicht etwas mehr Mid-Tempo, epische Sachen einzubinden?
Seidemann: Alle Songs auf dem Album entsprechen genau dem, was mir machen wollten. Bei 1349 geht es darum die Musik zu machen, die wir selber hören wollen.

M1: Was waren eure Haupteinflüsse für das aktuelle Album?
Seidemann: Wir sind fünf verschiedene Personen mit Unterschiedlichen musikalischen Einflüssen und Vorlieben, meine persönlichen Einflüsse allerdings waren Slayer, Darkthrone, Carpathian Forest und Burzum.

M1: Um bei den Einflüssen zu bleiben – tatsächlich hört man hier und da Stellen raus, die sehr an Darkthrone oder Slayer erinnern. Kann man das vielleicht als eine andere Art des Tributs interpretieren, anstelle einer Interpretation eines Klassikers wie „Buried by Time and Dust“ auf „Liberation“?
Seidemann: Ich habe solange Zeit an diesem Album gearbeitet, da kann ich keinen unvoreingenommenen Kommentar zu abgeben. Wenn es allerdings Stellen gibt, die dich an diese großartigen Bands erinnern, soll es mir nur Recht sein.

M1: Mit eurem Schlagzeuger Frost habt ihr einen der ganz großen Namen im Black Metal in eurer Horde. „Nervt“ das manchmal in dem Sinne, dass Leute Sachen wie „Oh, 1349, das ist doch die Band wo Frost von Satyricon spielt!“ denken?
Seidemann: Darum kümmere ich mich nicht sonderlich, tatsächlich war er es der uns 2000 beitreten wollte, da er schlicht so beeindruckt war von dem was mir machen. Wie auch immer, wir sind uns recht einig, dass wir keine „Featuring Frost of Satyricon“-Sticker auf unsere Alben pappen wollen.

M1: Um den Gedanken der vorherigen Frage etwas weiterzuspinnen: Was „sollen“ die Leute über 1349 denken?
Seidemann: Wenn ich die Gedanken anderer Leute kontrollieren könnte, würde ich jetzt nicht hier sitzen. Es würde mich jedoch zufrieden stellen, wenn sie an qualitativ hochwertigen Black Metal von grimmiger und giftiger Natur denken.

M1: Was hälst du von der momentanen Black Metal-Szene und ihrem Fortschritt?
Seidemann: Ganz ehrlich – ich interessiere mich weder für die momentane Black Metal-Szene, noch verfolge ich sie.

M1: Wie wichtig sind „typische“ Themen wie Satanismus, Heidentum oder Atheismus für dich und 1349 als Gruppe?
Seidemann: 1349 interessiert sich dafür, Black Metal zu spielen wie sie ihn selber haben wollen, die Texte sind meistens dazu da, um die Gefühle der Songs zu verstärken. Wir sind anti-religiös und anti-politisch und unsere Texte spiegeln das wider.

M1: Wo werden deutsche Fans euch 2004 live sehen können? Die Festival-Saison steht vor der Tür, wo werden 1349 aufkreuzen?
Seidemann: Wir werden diesen Herbst mit Gorgoroth auf Tour gehen, mehr Details kann ich dir aber nicht geben, da nicht mehr bestätigt ist. Ich weiß allerdings, dass wir am 11. September in Deutschland spielen werden.
[Hierbei wird es sich um die „Morbiden Festspiele“ handeln; Anm. d. R.]

M1: Wir beenden unsere Zwiegespräche üblicherweise mit einem kleinen „Brainstorming“, ich werde dir einfach ein paar Worte zuwerfen und sagst uns, was dir spontan dazu einfällt.

Thrash Metal: Headbangen und Bier trinken!
New Metal: Dreck
Alkohol: Das Lebenselixier
Liebe: Starke Emotion
Hass: Starke Emotion
Burzum / Count Grishnackh: Burzum bis 1994 ist großartig, der Count ist ein Depp.
Mayhem: „De Mysteriis dom Sathanas“ – ein Killeralbum!
Dimmu Borgir / Cradle of Filth: Ich finde jeden Vergleich zwischen den beiden ungerecht, da Dimmu Borgir weit über dem Dreckszeug von Cradle of Filth stehen
metal1.info: „Germanische metallseite?“ [O-Ton]

M1: Seidemann, vielen Dank, dass du dir für unsere Fragen ein wenig Zeit genommen hast. Die letzten Worte gehören dir, sag‘ unseren Lesern, was immer du ihnen auf den Weg geben willst.
Seidemann: 1349 werden diesen Herbst die Pest über euch bringen – Hell awaits!

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