Interview mit Frost von 1349

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Mit „The Infernal Pathway“ haben die Black Metaller 1349 unlängst ihr stärkstes Album seit vielen Jahren veröffentlicht. Während die restliche Band durch die USA tourt, fand der im winterlichen Norwegen verbliebene Schlagzeuger Frost Zeit, unsere Fragen zum gänzlich gewandelten Sound, zur Kunst von Edward Munch und zum Stand der Dinge bei SATYRICON zu beantworten.

Danke, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen haben! Wie geht es dir?
Mir geht es sehr gut, danke. Ich genieße einen harschen, klaren Wintertag.

1349 touren gerade durch die USA, allerdings mit Nils Fjellström an den Drums. Warum bist du nicht dabei und wie fühlt es sich an, wenn die Band ohne dich auf Tournee ist?
Wegen meiner Verpflichtungen bei SATYRICON und auch aufgrund praktischer Umstände war es mir unmöglich, auf diese Tournee mitzukommen. Ich bin aber froh, dass 1349 auch in meiner Abwesenheit weiter touren können, denn das ist wichtige Arbeit. Ich hoffe aber, dass ich beim nächsten Mal dabei sein kann.

Generell hatten einige Black Metal Bands zuletzt Probleme mit US-Touren – mit ungültigen Visa, abgesagten Shows und so weiter. Außerdem sind die Vorbereitungen sehr teuer – denkt ihr heute zweimal darüber nach, auf eine Amerika-Tournee zu gehen?
Die derzeitige Regierung macht die Dinge sicherlich nicht einfacher, und all der Papierkram, die Bürokratie, die Unsicherheit und die unverschämten Kosten, die damit verbunden sind, nehmen einen Teil des Spaßes am Touren. Wir genießen es aber immer noch, in den USA aufzutreten und haben dort ein großes und treues Publikum, also planen wir definitiv, weiterhin in den USA aktiv zu sein.

Im Februar werden 1349 mit Abbath und Vltimas in Europa touren – dann mit dir am Schlagzeug, hoffe ich? Was darf man von den Shows erwarten?
Ich werde diese Tournee spielen, ja. Da ich mit unserem neuen Album sehr zufrieden bin und es mir Spaß macht, die neuen Songs zu spielen, freue ich mich darauf, live zu spielen und endlich wieder eine volle Tour in Europa zu machen. Es ist schon so lange her, dass wir unseren Heimatkontinent betourt haben und 1349 war noch nie so gut wie jetzt.

Euer neues Album heißt „The Infernal Pathway“ – musikalisch hat man das Gefühl, dass ihr dabei eure ersten Alben im Kopf hattet. Ist das Absicht?
Für mich ist „The Infernal Pathway“ einfach ein Album, das sich von unseren früheren Werken abhebt und eine eigene Identität hat. Einer der Gründe, warum es so geworden ist, könnte sein, dass wir bei der Entstehung nur nach vorne und nicht nach hinten geschaut haben. Dabei haben wir uns vor allem von unserem Instinkt und unserer Intuition leiten lassen, anstatt absichtlich zu versuchen, die Songs mit früherem Material zu assoziieren oder sie von diesem zu trennen. Am Ende wurde das Album gleichzeitig zu einer typischen und untypischen 1349-Veröffentlichung. Typisch in dem Sinne, dass es intensiv, feurig, grimmig und unerbittlich ist, untypisch in dem Sinne, dass man darin eine andere und tiefere Melancholie findet als auf jedem früheren Album. Die Songs „Dødskamp“, „Abyssos Antithesis“ und „Stand Tall In Fire“ sind gute Beispiele dafür. Wir haben Lieder, die vom Gesang getrieben sind, wie „Striding The Chasm“ und es ist musikalisch progressiver und faszinierender als alle unsere vorherigen Werke.

Zwischen den Tracks gibt es wieder Interludes, die an die von „Demonoir“ anknüpfen. Haben die Alben auch sonst eine Verbindung oder wie kam es dazu?
Die Intermezzos wurden zum einen geschaffen und in das Album aufgenommen, um es gewissermaßen atmen zu lassen, zum anderen um zu der dunklen und abgründigen Atmosphäre beizutragen. Wir haben das Gefühl, dass die Songs auf „The Infernal Pathway“ wie musikalische Reisen in eine riesige Unterwelt sind – die Zwischenspiele oder „Tunnel“ unterstreichen dieses Gefühl.

Mit der Single „Dødskamp“ hat man auch den Song für ein besonderes Kunstprojekt auf dem Album. Was war dein erster Gedanke, als ihr dazu eingeladen wurdet?
Archaon war derjenige, der von einem Vertreter des Kunstprojektes kontaktiert wurde – ich glaube, es war ein Bekannter von ihm. Er fühlte sich als Komponist herausgefordert und versucht, basierend auf dieser künstlerischen Erfahrung etwas  zu erschaffen. Deshalb musste er die Einladung annehmen. Der Rest von uns hat gemerkt, dass diese andere Herangehensweise zu einem inspirierten Werk von Archaons führen könnte, und dass es das Potenzial hat, den kreativen Prozess der Entstehung des neuen Albums zu fördern. Also ließen wir ihn an die Arbeit gehen. Und es ist tatsächlich ein guter Song daraus geworden.

Und was verbindest du selbst mit Edward Munch?
Ich selbst bin sehr angetan von dem Munch-Gemälde, das „Dødskamp“ inspiriert hat, aber im Grunde genommen sind nur Archaons Komposition und Seidemanns Texte direkt von dem Bild inspiriert.

© Dmitry Valberg

Interessierst du dich für die Malerei im Allgemeinen? Welcher Stil gefällt dir?
Ich kann mich an einem großartigen Bild schon erfreuen, aber die Faszination, das Interesse und das Sich-verbunden-fühlen erreicht nicht das gleiche Level wie bei Musik.

Vor allem der Klang ist diesmal viel natürlicher und kraftvoller als auf den letzten beiden Alben. Was hast du dieses Mal anders gemacht?
Ich stimme zu, dass der Sound lebendiger und kraftvoller ist als zuvor, und das nicht nur als auf den letzten beiden Alben, sondern als auf allen bisherigen. Wie bei „Massive Cauldron Of Chaos“ haben wir mit dem herausragenden Toningenieur Jarrett Pritchard zusammengearbeitet. Ich finde, dass er bei beiden Alben einen guten Job gemacht hat. Aber er kennt die Band jetzt besser und durch die Erfahrung und die enge Kommunikation mit uns von 1349 hat er ein tieferes Verständnis dafür bekommen, wo wir hin wollen und wie er uns helfen kann, unsere Ideen umzusetzen und unsere Musik lebendig werden zu lassen. Es ist wahrscheinlich richtig, dass ein Teil dieser rohen Kraft von „The Infernal Pathway“ von der großartigen Produktion kommt, und ein Teil von den Songs selbst und unserer Performance dieser Songs.

Wie denkst Du aus heutiger Sicht über „Massive Cauldron Of Chaos“ – vor allem was den Sound betrifft? Das Schlagzeug auf dem Album klingt ja völlig anders …
Ich genieße „Massive Cauldron Of Chaos“ immer noch sehr und finde, dass wir auf dem richtigen Weg zu einem etwas organischerem und kraftvollerem Sound waren, aber was wir eigentlich erreichen wollten, haben wir mit „The Infernal Pathway“ jetzt in viel größerem Maße realisiert. Insofern denke ich, dass das letztere Album von der Arbeit, die wir auf dem ersteren geleistet haben, profitiert hat.

Du spielst diesmal mehr Fills und generell spannendere Patterns. Wie kam es dazu – und hast du es genossen, endlich mal wieder zeigen zu können, was du kannst?
Die Songs haben mich intuitiv dazu inspiriert, progressivere Lösungen zu finden – an bestimmten Stellen haben sie mich aber auch zu minimalistischem Spiel inspiriert. Vielleicht sagt das etwas über die Kompositionen von Archaon aus, aber auch darüber, wo ich selbst und 1349 als Band musikalisch stehen. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, mit dem Material auf „The Infernal Pathway“ zu arbeiten – ich denke, das hört man.

Du bist jetzt 20 Jahre bei 1349 – und trotzdem bist du immer noch das neueste Mitglied der Band. Wie erklärst Du Dir diese Stabilität des Lineups?
Wenn wir uns treffen, schaffen wir es, die Kreativität und die musikalische Leidenschaft zum Fließen zu bringen. Und wir schaffen es, mit unserem gemeinsamen Projekt zu wachsen. Das hilft sehr.

© Dmitry Valberg

Hättest du damals gedacht, dass 1349 so lange und erfolgreich existieren würde?
Nicht im Ansatz. 1349 fühlte sich damals an, als hätte das Projekt riesiges Potenzial. Aber wenn man in seinen Zwanzigern ist, kann man sich nicht vorstellen, dass es zwanzig Jahre später immer noch weiter geht. Dieser Bereich existiert für dich da einfach nicht.

Zu guter Letzt: Wenn du dafür schon die 1349-US-Tour ausgelassen hast – gibt es Neuigkeiten von SATYRICON?
Die Zukunft sieht vielversprechend aus, anders, aufregend und … ach, du weiß ja, wie es bei SATYRICON zugeht. Erwartet das Unerwartete. Das nächste Projekt wird ‚etwas anderes‘ sein, selbst im SATYRICON-Kontext.

Vielen Dank für das Interview! Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Amerika:
Chancen, Visionen und offene, endlose Straßen. Aber auch Einschränkungen, Starrheit und Beton-Dschungel. Eine Einheit der Gegensätze, die ganz nah dran ist, zu funktionieren.
Der Film „Lords Of Chaos“: Nichts.
Dein aktuelles Lieblingsalbum: „Under A Funeral Moon“ – jetzt, wie schon 1993.
Wacken Open Air: Die Show mit Satyricon 2004, bei der wir mit Nocturno Culto eine Darkthrone-Séance aufführten. Das hat sich wie etwas anderes und wichtiges angefühlt.
Winter in Norwegen: Skifahren.
1349 in zehn Jahren: Ein leuchtender Chaos-Stern.

© Dmitry Valberg

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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