Interview mit Ryan O'Keeffe von Airbourne

Ein Jahr nach der Veröffentlichung ihres Debüts „Runnin‘ Wild“, das in der Hard Rock-Welt wie eine Bombe eingeschlagen hat, bringen AIRBOURNE nun mit „No Guts. No Glory.“ ihren zweiten Streich unters Volk. Schlagzeuger Ryan O’Keeffe beantwortete unsere Fragen wieder geduldig und bedeutend weniger verkatert als noch beim letzten Mal. Viel Spaß beim Lesen!

Hi Ryan!
Hi! Alles klar bei dir?

Klar, danke der Nachfrage. Nur kalt ists hier, aber das dürfte dir in Köln ja gerade ähnlich gehen.
Ja, allerdings. Kein Vergleich zum Wetter Daheim, das hier brauche ich echt nicht. (lacht)

Bei unserem letzten Interview habt ihr am Vortag noch eine Show in Köln gehabt und du warst deswegen denkbar verkatert. Wie geht’s dir denn heute?
Ich habe einen merkwürdigen Druck auf dem Kopf… Weiß auch nicht, woher der kommt. (lacht) Aber ich denke, es geht mir heute besser als beim letzten Mal.

Eure neue Scheibe „No Guts. No Glory.“ wurde im Criterion Hotel geschrieben, wo ihr euren ersten Gig überhaupt gespielt habt. Was hat euch das bedeutet?
Mit diesem Ort verbinden wir sehr viele Erfahrungen aus den frühesten Tagen der Band. Wir haben dort einige Shows gespielt – unsere ersten überhaupt – eine Menge Mädels kennen gelernt und ganze Wagenladungen Bier getrunken. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf fühlte sich das Criterion an wie der Ort, an dem AIRBOURNE geboren wurden.

Die meisten Songideen kamen uns, als wir auf Tour waren. Diese nun in einem gewohnten Umfeld umsetzen zu können, mit dem wir so viele großartige Erinnerungen verbinden konnten, hat maßgeblich zur Bodenständigkeit der einzelnen Songs beigetragen.

Man könnte also sagen, dass das neue Album auch deshalb so jugendlich und frisch wirkt?
Definitiv, ja. Wir alle waren sehr entspannt bei der Sache, spielten einfach drauf los und hatten eine verdammte Menge Spaß dabei. Durch die Umgebung kam es uns vor, als wären wir immer noch die selben kleinen Kids, die gerade erst eine Band gegründet haben.

Ihr habt praktisch 24 Stunden am Tag im Studio in Chicago vebracht, um „No Guts. No Glory.“ aufzunehmen. Wie war es, rund um die Uhr nur für diese Aufnahmen zu leben?
Das war eine ziemlich interessante Erfahrung. Wir sind Nachts praktisch neben unseren Instrumenten eingeschlafen und am nächsten Tag wieder neben ihnen aufgewacht. Nachdem man aufgestanden ist, hat man schnell die Fenster aufgemacht, etwas gegessen und sich dann gleich wieder den Aufnahmen gewidmet. Sich einzig allein darum kümmern zu müssen und so gut wie nicht aus dem Studio gekommen zu sein hat überraschend gut funktioniert.

„No Guts. No Glory.“ ist ein bekanntes Sprichwort und bedeutet im Deutschen so viel wie „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ In welchem Zusammenhang siehst du den Titel?
Ich denke, dieser Spruch passt zu AIRBOURNE einfach wie die Faust aufs Auge. Darum geht es bei uns als Band. Die Idee für den Titel kam im Studio, als wir uns total auf das konzentrierten, was wir waren, woher wir kamen und wohin wir in der Zukunft wollen. Das steckt im Wesentlichen dahinter.

Den Song „Steel Town“ habt ihr für eine bestimmte Sorte „Fan“ geschrieben. Erläutere das unseren Lesern doch bitte.
„Steel Town“ handelt von einer exemplarischen, typischen Arbeiterklasse-Stadt. Der Song handelt im Speziellen von einer Stadt, die von der Stahlindustrie lebt. Wir kamen im Laufe der letzten Jahre schon durch viele dieser Städte über die ganze Welt verteilt und sie alle hatten etwas gemeinsam: es roch nach harter Arbeit, die Wolken der Industrieschornsteine waren über den Dächern zu sehen. Wir haben nirgends solche wilden und rockenden Fans wie in diesen Orten – deswegen kam uns die Idee, ihnen einen Song zu widmen.

In Sachen Produktion habt ihr nicht mehr mit Bob Marlette und Andy Wallace sondern mit Johnny K (Disturbed, 3 Doors Down, Staind) als Produzent und Mike Fraser (Mix) zusammengearbeitet. Die Wahl mag einige Fans sicherlich überrascht haben.
Marlette und Wallace haben bei „Runnin‘ Wild“ wirklich einen großartigen Job hingelegt – da gibt es keine zwei Meinungen. Deswegen war es auch schwer, jemanden zu finden, der genau so gut ist. Johnny K war bei einer unserer Shows und es hat ihm scheinbar so gut gefallen, dass er auf uns zugegangen ist und meinte, er wolle unsere nächste CD produzieren. Er stand schon immer auf AC/DC und Led Zeppelin und konnte sich deshalb auch musikalisch mit unserem Sound identifizieren.

Auf dem Coverartwork kann man neben euch noch eine Vielzahl anderer Dinge erkennen. Kommt es mir nur so vor, oder spiegelt das Artwork eure Erlebnisse der vergangenen zwei Jahre wieder?
Ja, damit liegst du ziemlich richtig. Wir verarbeiten und beschreiben die Erfahrungen der letzten Jahre ja auch schon durch die Songs selbst – und die einzelnen Details auf dem Cover lassen sich auch einzelnen Songs zuordnen. Die Flagge gehört beispielsweise zu „Raise The Flag“, das Mädchen zu „Blond, Bad And Beautiful“, der Truck zu „White Line Fever“ und die Fabrik im Hintergrund zu „Steel Town“. Wir wollten das Cover einfach ein wenig interessanter gestalten, den Hörer ein klein wenig herausfordern, diese Zusammenhänge zu erkennen. Und halbnackte Frauen machen sich sowieso immer und überall gut. (lacht)

Nach dem ersten Album und dem zweiten in den Startlöchern: wie fühlt ihr euch bei Roadrunner Records? Immer noch so wohl wie am ersten Tag?
Absolut, gar keine Frage. Wir fühlen einfach, dass hier jeder zu 100% hinter den Bands steht und sich um sich kümmert. Jedes Mal, wenn wir hierher kommen, entwickeln wir neue großartige Pläne zusammen – bisher hat auch alles ziemlich gut funktioniert.

Kann man mit den Jungs und Mädels dann auch mal einen heben oder geht es größtenteils ums Geschäftliche?
Das hält sich die Waage, würde ich sagen. Wir haben eine Menge Spaß miteinander. Erst letzte Nacht waren wir zusammen unterwegs und haben was getrunken. Trotz arbeiten wir auf einer sehr professionellen Basis zusammen. Jeder hier – von A bis Z – geht mit einer unglaublichen Leidenschaft an seine Arbeit und am Ende muss man sich einfach mal eine Verschnaufpause und ein paar Drinks gönnen.

Ihr wurdet vielleicht auch deshalb so schnell so bekannt, weil ihr viele Videospiele – 16 Stück, wenn ich mich nicht verzählt habe – mit Songs versorgt habt. Seid ihr selbst große Videospiel-Fans oder sind das nur Mittel zum Zweck?
(lacht) Es ist so, dass EA Games mittlerweile sehr gute Freunde von uns sind. Für uns als Band ist es cool zu wissen, dass alle Kids, die diese Spiele kaufen, früher oder später einen unserer Songs hören werden. Dazu kommt noch, dass jemand, der uns auf diese Weise hört, gleich etwas mit AIRBOURNE verbindet und so schnell einen engeren Bezug zu uns entwickelt als jemand, der uns nebenbei irgendwie im Radio hört. Das finden wir wirklich faszinierend und wenn wir solche Angebote bekommen, nehmen wir sie natürlich auch gerne an. Ganz klar.

Innerhalb der vergangenen zwei Jahren habt ihr verdammt viele Shows und Touren gespielt – welche Veränderungen bemerkt ihr denn im Vergleich von euren ersten Gigs und Touren zu den heutigen?
Die Gigs an sich wachsen natürlich. Das Publikum ist über die Jahre bemerkenswerterweise wilder geworden und immer mehr Besucher können beinahe unsere gesamte Scheibe mitsingen. Wir selbst sind immer noch genau so hungrig wie am ersten Tag und lieben es, auf der Bühne zu stehen. Egal, wie groß oder klein die ist.

Mit der Vielzahl an Touren die ihr bisher hinter euch habt, erlebt man natürlich auch eine Menge – und läuft auch einiges schief. Was fällt dir da spontan ein?
Oh Mann, da fragst du mich was… Solche Geschichten passieren meistens, wenn einer von uns total stramm ist und da fällt es im Nachhinein natürlich schwer, sich noch daran zu erinnern. (lacht) Ich kann mich aber entsinnen, dass Justin bei einem Konzert total verkatert war – und auf der Bühne eine wirklich unglaubliche Menge an Kabeln verteilt war. Wir mussten also alle höllisch aufpassen, dass wir nicht stolperten. Wir spielten „Stand Up For Rock ‚N‘ Roll“ und hüpften wie gewohnt dazu. Irgendwann hat Justin das Gleichgewicht verloren und hat sich der Länge nach auf den Boden gelenkt – wie ein Sack Reis, kein Scherz. Damit hatten wir echt lange unseren Spaß. (lacht)

Gab es denn damals überhaupt eine Entscheidung „Band vs. normaler Beruf“ oder bestand nie ein Zweifel daran, welchen Weg ihr einschlagen würdet?
Von Tag eins an, als Joel und ich anfingen Musik zu machen, war uns klar, dass das den Rest unseres Lebens ausfüllen würde. Wir dachten gar nicht darüber nach, ob das richtig oder falsch war – wir ließen uns einfach treiben. Wir haben nie eine bewusste Entscheidung für oder gegen etwas getroffen, sondern es einfach gemacht. Seitdem arbeiten wir daran, die Band immer weiter voran zu bringen.

Was würdest du jetzt machen, wenn du keine Musik spielen und um die ganze Welt touren würdest?
Ich wäre wohl Cricket-Spieler.

Cricket-Spieler? Ehrlich?
Naja, vielleicht würde ich auch eine Kneipe eröffnen… Wobei das wohl keine gute Idee ist, weil ich da mit Sicherheit selbst jede Nacht total betrunken wäre. Ja, doch – ich wäre bestimmt Cricket-Spieler. Ganz sicher.

Ihr habt schon mit unglaublich vielen großen Bands die Bühne geteilt. Mit welcher Band wollt ihr in Zukunft aber unbedingt mal auf Tour gehen?
Die Band nennt sich „The Poor“. Wir haben die selbst mal bei einer Show gesehen und waren total begeistert von ihrer Energie auf der Bühne und ihrer straighten Musik. Die Band war einige Zeit auf Eis gelegt und ist erst seit einer Weile wieder unterwegs. Das wäre irgendwann echt mal cool.

Wie schon beim letzten Mal schließen wir auch dieses Interview wieder mit einem kleinen Brainstorming ab. Was fällt dir zu den folgenden Begriffen ein:

Obama: Guter Mann
Wacken: Hitze
Piraten: Fiese Typen
Club Gemini, Melbourne: Was ist das denn?

Das ist ein Strip-Club in Melbourne. Mach mir jetzt nicht weiß, du hättest noch nie davon gehört! (lacht)
Ah, jetzt – na klar! Ein guter Platz zum Trinken und die Frauen sind auch schön.

Metal1.info: Beim zweiten Mal weniger verkatert

Wunderbar. Danke dir für deine Zeit, Ryan! Man sieht sich in Stuttgart, viel Spaß bis dorthin.
Danke dir, Mann! Bis dann, pass auf dich auf.

Geschrieben am von Metal1.info

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