Interview mit Mike Martin von All That Remains

Seit 2002 veröffentlichen sie alle zwei Jahre einen neuen Langspieler, zu den Größen im Metalcore gehören sie längst: ALL THAT REMAINS. Jetzt hat das Quintett aus dem US-amerikanischen Springfield mit „For We Are Many“ den nächsten Silberling auf den Weg gebracht. Gitarrist Mike Martin stand uns im Interview Rede und Antwort.


Aloha Mike! Wie steht die Kunst? Glückwunsch auch zu eurem neuen Album „For We Are Many“!
Alles in letzter Zeit läuft einfach atemberaubend – danke der Nachfrage und für die Glückwünsche.

Das Coverartwork wurde erneut von Travis Smith angefertigt. Was ist denn die Aussage des Artworks – vor allem auch in Verbindung mit dem Titel des Albums?
Ich weiß, dass der Titel und das Artwork eng miteinander verbunden sind. Den genauen Sinn kenne ich allerdings auch nicht, weil das das Gebiet von Phil (Labonte; Gesang – Anm. d. Verf.) ist.

„For We Are Many“ wurde wieder mit Adam von Killswitch Engage produziert. Was war der Grund dafür, von Jason Suecof wieder zu Adam zu wechseln?
Im Grunde genommen sind wir zurück zu Adam, weil er wieder verfügbar war. Normalerweise ist er ja unsere erste Wahl, weswegen wir auch gerne mit ihm arbeiten, wenn er die Zeit dazu hat. Deswegen haben wir für „Overcome“ auch mit Jason gearbeitet. Adam war nicht die ganze Zeit über verfügbar und da uns die Arbeit von Jason schon immer sehr gefallen hat, war er die nächst logische Wahl.

Die ersten zwei Songs auf dem neuen Langspieler sind ziemlich heavy. War es geplant, die beiden Nackenbrecher dort zu platzieren. Immerhin prägen die ersten beiden Höreindrücke ja schon die Vorstellung vom Rest der Scheibe…
Das geschah im Grunde genommen unbewusst. Wir mochten einfach, wie das Intro in den Titeltrack überging, fühlten, dass es einfach ziemlich flüssig ist und sich toll anhört. Wir versuchen nicht, irgendetwas zu erzwingen.

Das Video zu „Hold On“ ist sehr sehenswert geworden! Worum geht’s denn storytechnisch?
Ich habe ehrlich gesagt nicht die leiseste Ahnung, worum es geht, haha. Ich bin dort aufgetaucht, habe für die Kamera so getan, als würde ich spielen – und das war es. So läuft es für mich persönlich bei einem Videodreh – tut mir leid, dass ich dir nichts Näheres darüber erzählen kann.

„Hold On“ war außerdem der erste Song des neuen Outputs, der über die Radiosender in Umlauf gebracht wurde – wahrscheinlich, weil er einer der ruhigsten Songs des Albums ist. Wie wichtig ist es heute für eine Band wie euch, mindestens einen radiotauglichen Song zu haben?
Wir sind auch ohne radiotaugliche Stücke immer super zurechtgekommen, aber es besteht natürlich kein Zweifel daran, dass es hilfreich ist, wenn man auf Sendern über das ganze Land verteilt zu hören ist. Außerdem bringt es viele Leute in Berührung mit härterer Musik, die sie ohne diese Radiosender sicherlich nicht gehört hätten. Und da die Albumverkäufe ohnehin überall zurückgehen, ist man über jede Hilfe froh.

Wer von euch ist denn verantwortlich für die Lyrics? Steuert jeder etwas bei oder werden alle Texte von Phil geschrieben?
Phil ist allein verantwortlich dafür, aber er erklärt deren Aussage oder Bedeutung für die Songs nie genauer. Es ist normalerweise besser, den Hörer die eigenen Schlüsse und Verbindungen zu seinem eigenen Leben ziehen zu lassen – dadurch ergibt sich außerdem, dass die Texte für eine größere Anzahl von Leuten etwas bedeuten können, da sie sich nicht explizit auf ein Thema beziehen.

Es war interessant zu sehen, dass mit jedem Album der Anteil klaren Gesangs gestiegen ist. Geschah das vielleicht aus einer Art Herausforderung für Phil, da der Klargesang ja erstmal ein wenig anspruchsvoller ist?
Mit den Jahren ist Phil klar ein besserer Sänger geworden und zudem haben wir immer schon Tonnen von Melodie in unserer Musik gehabt. Allein diese Kombination ist es wert, ein wenig mit dem Gesang zu experimentieren. Mir ist bewusst, dass die elitären Death Metal-Kids darüber abkotzen, aber das könnte mich nicht weniger interessieren. Wenn wir etwas mögen, bringen wir es auch auf einem Album.

Wo siehst du persönlich die größten Unterschiede vom letzten Album „Overcome“ und dem aktuellen „For We Are Many“?
Ich denke, die Titel auf „For We Are Many“ sind generell erwachsener und wirken weniger gehetzt, da wir mehr Zeit dafür hatten. „Overcome“ hatte viel Zeugs, dass – meiner Meinung nach – besser sein könnte, wenn wir mehr Zeit dafür gehabt hätten. Damals waren wir in der Entstehungsphase sehr gehetzt, dieses Mal hatten wir viel mehr Zeit, um auch öfters über den einen oder anderen Part nachzudenken.

Mit all den Touren, auf denen ihr unterwegs seid – wie viel Zeit habt ihr mit dem Songwriting selbst und den anschließenden Aufnahmen verbringen können?
Wenn wir von einer Tour nach Hause kommen, findet das Songwriting innerhalb von sechs bis 12 Wochen statt – je nachdem, wie viel Zeit wir haben. Normalerweise verbringen wir für die Aufnahmen nicht mehr als einen Monat im Studio. Das Mixing und Mastering dauert ein wenig länger, aber die Aufnahmen an sich sind meistens in ungefähr vier Wochen erledigt.

Schreibt ihr denn auch auf Tour selbst schon an neuem Material?
Oli spielt um die 10 Stunden Gitarre am Tag, er schreibt also ständig neue Parts, wenn wir unterwegs sind. Er ist eine Maschine!

Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen wird heutzutage immer kürzer. Was ist also das Wichtigste für eine Band der heutigen Zeit?
Am wichtigsten überhaupt ist es, ständig neue Songs zu schreiben, die den Leuten im Gedächtnis bleiben und so viel zu touren wie möglich, vor so vielen Leuten wie nur irgend möglich aufzutreten.

„For We Are Many“ ist das erste ALL THAT REMAINS-Album, das im selben LineUp aufgenommen wurde wie sein Vorgänger. Wie hat sich das auf den Entstehungsprozess und vielleicht auch die Musik selbst ausgewirkt?
Es ist einfach cool, die selben Leute um dich herum zu haben. Man bekommt ein besseres Gefühl dafür, wie die Leute arbeiten und es ist natürlich auch nicht schlecht, nicht jedem die alten Songs beibringen zu müssen. Das haben wir schon zu viele Male machen müssen!

Es wurde vorhergesagt, dass die neue Scheibe in ihrer ersten Verkaufswoche zwischen 25.000 und 30.000 Exemplare verkaufen würde. Wie viele wurden nun tatsächlich verkauft?
Es waren tatsächlich 30.000 Exemplare in der ersten Woche – allein in den USA. Die Platte stieg auf Platz 10 der Billboard Charts ein, was wirklich großartig ist. Ich dachte nie, dass das mit dieser Art von Musik möglich sein würde. „For We Are Many“ ist damit zwar besser platziert als „Overcome“ auf Platz 18, aber das ist nichts, worüber wir uns Gedanken machen oder sorgen. Dass die Leute weiterhin zu unseren Shows kommen und ihren Spaß haben ist das Wichtigste.

Damit wären wir auch schon fast am Ende – es fehlt nur noch das obligatorische Metal1.Brainstorming:

Angels: Baseball
Robbie Williams: Könnte mich nicht weniger interessieren
Toilettenmangel: Schlimmster Albtraum!
Wall Street: Interessiert mich sogar noch weniger als Robbie Williams
Metal1.info: Brilliant!

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