Interview mit Laudi und Karl von Eisenwahn – Veranstalter

Das Eisenwahn Festival wird in diesem Jahr am 30. und 31. Juli – wie gewohnt im unterfränkischen Obersinn – in seine mittlerweile 7. Runde gehen. Wir haben uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und die beiden Veranstalter Karl und Laudi wieder zum Interview geladen. Was euch dieses Jahr auf dem „Eisenwahn an der Eisenbahn“ erwartet, wie es ist, ein Festival von aus Australien aus zu planen und was es sonst noch zu wissen gibt, erfahrt ihr hier.

Hi Karl, hi Laudi! Wie steht die Kunst bei euch?
Laudi: Moin moin, alles senkrecht! Und selbst?

Karl: Servus Dennis, gut gut wie immer ;-) Bei dem Wetter kanns einem ja gar nicht anders gehen!

Ende des Monats geht das Eisenwahn Festival in seine nächste und mittlerweile siebte Runde.. Mit welchen Vorbereitungen seid ihr derzeit beschäftigt? Und kommt nun langsam der richtig große Stress auf euch zu?
Laudi: Ich bin zur Zeit noch mit dem Zeitmanagement der Bands und diversen Promo-Sachen beschäftigt. Stress lass ich mir keinen mehr machen, langsam wird ja alles Routine, haha ;-)

Karl: Dem Stress lassen wir absolut keine Chance, obwohl er versucht sich immer irgendwo und irgendwie bemerkbar zu machen. Ist jetzt nicht mehr lange, stimmt…die theoretische Vorbereitungszeit geht so langsam in die praktische Phase über und alles Besprochene muss nun umgesetzt werden. Natürlich steht auch immer noch der Vorverkauf mit Ticketversand an, der einige Zeit in Anspruch nimmt. Die letzten Bandverträge durchforsten und versenden und dann geht es auch bald schon los mit dem Aufbau und Vorbereitungsarbeiten.

Karl, du warst jetzt für einige Monate in Australien, hast in dieser Zeit die Sonnenseite der Welt zu sehen bekommen – ums mal so auszudrücken. ;-) Wie war die Zeit dort für dich? Würdest du dich sofort wieder in den Flieger zurück setzen?
Karl: Australien war geil, absolut gigantisch. Überall nette Leute, Kängurus, Koalas, Pinguine, und einigermaßen ertragbares Bier. Vom Wetter und Strand ganz zu schweigen…. Hab übrigens immer an euch gedacht bei den -20 Grad im Schatten! ;-) Zurück gehen würde ich sofort, die Lässigkeit der Menschen ist einfach phantastisch und färbt sofort ab, wenn man dort nach ein paar Tagen einige Menschen kennt. Leider war die Zeit von vornherein vereinbart und länger zu bleiben war nun auch zwecks Eisenwahn schlecht… Aber man lebt noch länger und der Kontinent ist groß. Irgendwann heißts nochmal „ready for takeoff“ – so viel ist sicher. ;-)

Gleichzeitig war es natürlich auch keine leichte Situation, weil die Planung für das Eisenwahn Festival ja trotzdem noch laufen musste. Hat dir das down under so manch schlaflose Nacht bereitet oder warst du doch relativ entspannt, was das anbelangt?
Karl: Teils, teils. Einerseits wusste ich, dass ich mich auf meine Jungs absolut verlassen kann und jeder seinen Part wieder genauso gut erfüllen wird wie in den letzten Jahren. Eigentlich wollte ich mich für 2010 komplett zurück ziehen, was sich aber dann als schwierig erwiesen hatte, weil ich erstens mehr Zeit down under zur Verfügung hatte, als ich dachte und somit einfach nicht die Finger von lassen konnte da mit zu mischen und zweitens, weil manche Entscheidungen der Jungs sehr fragwürdig waren und einfach aus mehreren Dingen so nicht umsetzbar, weil denen auch einige Infos und Kenntnisse fehlten, die ich halt durch die ganzen Jahre als selbstverständlich empfand. Kann man ihnen keinen Vorwurf machen. Wie gesagt, ist nie immer einfach. Im Großen und Ganzen hats ja aber doch geklappt und ich bin stolz auf das Team, da das meiste dann auch ohne mich ging.

Letztes Jahr haben Cryptopsy und Napalm Death als Headliner eingeheizt – dieses Jahr ist mit den Apokalyptischen Reitern und Destruction als Headlinern, sowie Grave und Illdisposed als Co-Headlinern alles nochmal eine Nummer größer. Man darf guten Gewissens sagen, dass das Eisenwahn eine beachtliche Entwicklung durchmacht. Wundert es euch selbst manchmal, an welche großen Namen ihr mittlerweile kommt?
Laudi: Ich würde mich eher wundern, wenn ich nicht an die „Großen“ kommen würde, haha.Nein, Spaß beiseite. Sind ja auch alles nur Menschen und die meisten Bands sind auch nicht so abgehoben….Wobei ich sagen muss: bei den ersten Malen hätte ich nicht gedacht, dass zum Beispiel mal die Reiter oder Destruction bei uns zocken werden….

K: Das auf jeden Fall. Ich möchte nicht sagen, dass es mittlerweile normal ist solche Bands buchen zu können. Wenn mich aber vor sieben Jahren jemand angesprochen und behauptet hätte, Grave, Die Apokalyptischen Reiter, Destruction und Co. Würde mal bei uns spielen, hätte ich den erstmal gründlich auf Drogen untersucht und dann schnell was davon genommen. Die Entwicklung ist bandtechnisch auf jeden Fall erkennbar, wenn auch nur langsam, logistisch auch… Das einzige, worauf wir nun noch warten ist mal ein richtiger Schub in Sachen Festivalbesucher. Wobei die Zahl natürlich Jahr für Jahr steigt – für die Auswahl und Qualität des Billings ist es meiner Meinung nach aber noch zu wenig.

Es gab garantiert auch im vergangenen Jahr wieder eine oder mehrere Begebenheiten, die sich euch entweder wegen ihrer Lustigkeit oder sonstigem Unterhaltungswert ins Gedächtnis gebrannt haben. Lasst unsere Leser doch bitte daran teilhaben. :-)
Laudi: Naja, wir sind ja an einer Motocross Strecke. Letztes Jahr war da eine ziemlich große Pfütze, in der sich ein paar Leute rumgebalgt haben – war witzig anzusehen ;-) Mehr fällt mir gerade nicht ein, aber es gab bestimmt noch mehr!

Karl: Die meisten Sachen mit Unterhaltungswert sind meistens erst mit einem kleinen Schock und Stress verbunden, da das ja nicht immer die besten und positivsten Sachen sind. Solche Dinge sind leider bestimmt auch heuer wieder an der Tagesordnung… Nach einer Zeit kann man aber drüber lachen! Mir fällt gerade nur spontan ein, dass der Getränkelieferant des Bierwagens auf dem Campinggelände letztes Jahr die schmale Einfahrt etwas unterschätzt hat. Das Ding hat rechts und links nun mal einen Graben, über den auch ein 16-Tonner mit Hänger nicht schweben kann. Das rechte Vorderrad landete also im Graben, das linke hintere in der Luft – und der Fahrer des Lasters saß mit offenem Mund und aufgerissenen Augen hinterm Steuer. Zum Glück haben wir aber immer ein paar Schlepper vor Ort, so dass das nach einer halben Stunde auch wieder behoben war. Den Wagen haben wir dann allerdings selbst reingezogen. Lustig für alle Beteiligten, sogar für den Fahrer, als er nach einem Check festgestellt hat, dass am Fahrzeug alles heil geblieben ist. Weniger lustig wars am Donnerstagabend, als ein schon sehr angetrunkener Besucher meinte, er müsste die Dixiklos am Camping erklimmen, womit er natürlich die Plastikdächer total eingedrückt hat. Das meiste lies sich wieder beheben, ich wär dem Typ in dem Moment aber am liebsten an den Hals gegangen… So was muss nicht Donnerstagabends schon anfangen.

Wird es dieses Jahr wieder eine Beachbar samt Sangria-Ausschank geben? Oder eines von beiden?
Karl: Die Beachbar gabs letztes Jahr leider schon nicht mehr, da der damalige Betreiber seinen Laden dicht gemacht hatte – die Bar wurde also nie direkt von uns betrieben. Eine Chillerecke dieser Art wurde aber von allen super angenommen und es gab so viel geiles Feedback, dass wir wieder – und leider immer noch – auf der Suche nach etwas Vergleichbarem sind, sprich: einer Shisha-Bar oder ähnlichen. Wenn jemand was kennt kann er sich mal melden ;-)

Welche Neuerungen im Vergleich zum Vorjahr werden die Besucher dieses Jahr ansonsten erleben?
Laudi: Es wird eine Aftershow-Party mit zwei Gast-DJs geben – und Dennis von Metal1 macht einen Live-Strip auf der Bühne.

Karl: Davon abgesehen nicht so viel. Die Autogrammbude ist ja Dank euch seit letztem Jahr schon bekannt und wird glücklicherweise auch wieder weitergeführt. Organisatorisch müssen sich die Besucher auf strengere Kontrollen einstellen, gerade auf dem Campingplatz, den man seit diesem Jahr auch nur noch mit Ticket betreten darf – Kontrollen, ob Glasflaschen oder ähnliches mitgeführt werden, wird es natürlich auch wieder geben. Das soll die super familiäre Stimmung nicht beeinflussen, aber durch Vorfälle der letzten Jahre und ein paar Idioten, die Scheisse bauen mussten, müssen wir das heuer einfach machen.

Der Stress beim Veranstalten eines solchen Festivals ist enorm, der finanzielle Nutzen in dieser Größenordnung unverhältnismäßig gering – reich werden kann damit natürlich keiner. Geht ihr hauptsächlich mit ideologischen Motiven an die Sache oder müsst ihr auch mit einem gewissen kommerziellen Blick dabei sein, da das alles ansonsten gar nicht machbar wäre auf die Dauer?
Laudi: Support the Scene! Natürlich muss man auch aufs Geld achten, das ist keine Frage – Headliner spielen nicht für umme. Aber im Großen und Ganzen mach ichs für den Spaß!

Karl: Der kommerzielle Blick kann und darf auf keinen Fall ausbleiben bei Veranstaltungen dieser Art, auch wenn das manchmal scharf kritisiert und sehr unterschiedlich beurteilt wird. Aber wenn man nicht einen Hauch Kommerz mit rein bringt, macht man ein Fest und danach keins mehr. Wie du schon sagst: man wird dadurch auf keinen Fall reich und schaut jedes Jahr aufs Neue auf Ausgaben und Kosten – deshalb kann der wirtschaftliche und kommerzielle Faktor nicht ausbleiben. Das Festival an sich und die Einstellung mit der wir an die Arbeit gehen, ist natürlich ohne Zweifel das ideologische Motiv. Geile Bands, meist Underground, keine überteuerten Preise für Gerstensaft, Eintritt und den Rest. Ein Festival von Fans für Fans.

Bei allen Faktoren, die man als Organisator beachten muss und bei all den Dingen, bei denen man sein Bestes gibt, gibt es immer noch eine vollkommen unkontrollierbare Konstante: das Wetter. Gibt es Möglichkeiten, euch schon jetzt darauf einzustellen bzw. eventuell verschiedene Gegebenheiten entsprechend auszurichten oder anzupassen?
Laudi: Naja, ich hab schon ein paar Mal versucht mit Gott zu telefonieren, aber der hebt nie ab…Aber ernsthaft: Man weiß nie, was für ein Wetter kommt, wir lassen uns überraschen – Regen, Sonne – wo ist der Unterschied? Braucht man doch alles auf einem guten Festival. ;-)

Karl: Jaa, die ewige unbekannte Variable Wetter… was will man dazu sagen? Generell hatten wir immer sehr viel Schwein mit dem Wetter, da wir noch nie durchgängigen Regen hatten, sondern meistens einige Blitzgewitter und starke Winde, welche aber nicht von längerer Dauer waren. Wenn man sich mal das Wetter und den Sommer bisher anschaut, sollt es aber definitiv trocken und warm bleiben, zumindest im Spessart ;-) Wenn dann doch mal ein paar Tröpfchen runter fallen stehen wieder ein paar Unterstandsmöglichkeiten zur Verfügung. Ein Open Air ist nun mal ein Open Air, für Besucher und Veranstalter. Man kann sich nicht großartig drauf einstellen und auch nicht beeinflussen, somit muss einfach jeder mitspielen und das Beste draus machen….ich sehe dem Ganzen wie gesagt aber ziemlich gelassen entgegen.

Wenn ihr euch drei Bands für das nächste Eisenwahn aussuchen dürftet und Geld dabei keine Rolle spielen würde – welche würdet ihr nehmen?

Laudi:
Psycroptic – Meine absolute Lieblingsband
Origin – Live eine Macht
Hate Eternal

Karl: Puuh, echt nur drei?! ;-) Also Wunschheadliner war seit Jahren schon Kreator, die ich auf jeden Fall noch mit großem Interesse verfolge – vielleicht klappt das ja mal noch irgendwann. Cannibal Corpse müssen mit und nochwas für mich speziell: Metallica! Geld spielt ja keine Rolle… ;-)

Ihr kennt es ja bereits: Zum Abschluss unser traditionelles Metal1-Brainstorming. Was kommt euch zu folgenden Begriffen in den Sinn:

Laudi:
BP: Jo, die Buben dürfen sich ma was einfallen lassen für den Mist.
Käßmann: Ehehehe….don\’t drink and drive!
Fußball-WM: 4:0!!!
Mixa: Wer hätts gedacht….
Cider: Sagt mir nix
Metal1.info: Hallo!

Karl:
BP: Multikonzern ohne die Fähigkeit ein Loch zu stopfen, hoffentlich rächt sich Mutter Natur mal
Käßmann: Boah, das sind Fragen…
Fußball-WM: Schlaaaaand!! Wir werden Weltmeister!
Mixa: Der Bischofstyp, oder?
Cider: Hab ich mir noch nie den Kopf drüber zerbrochen
Metal1.info: Für uns nicht mehr wegzudenken!

Karl, Laudi – danke euch beiden für eure Zeit und das Beantworten der Fragen! Wir wünschen euch natürlich alles Gute fürs Eisenwahn dieses Jahr und nicht allzu viele schlaflose Nächte!
Joa, und vergiss deinen Livestrip nicht!
Stay brutal!

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