Interview mit Alex Stjernfeldt von Grand Cadaver

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Zwei Jahre nach ihrem zweiten Album bringen die Oldschool-Deather GRAND CADAVER mit „The Rot Beheath“ eine neue EP heraus. Warum sich die Schweden für dieses Format entschieden haben, weshalb die Texte politischer ausgefallen sind und was ihn bis heute so sehr an klassischem Death Metal fasziniert, verrät uns Gitarrist Alex Stjernfeldt im Interview.

Seit eurem letzten Album sind zwei Jahre vergangen – wie denkst du heute über „Deities Of Deathlike Sleep“? Bist du komplett zufrieden damit oder würdest du aus heutiger Sicht etwas anders machen?
Ich bin wirklich zufrieden mit „Deities“! Ich versuche nicht darüber nachzudenken, was wir hätten anders machen können – wir haben das Album damals genau so gemacht, wie wir es machen wollten. Natürlich möchte man sich immer weiterentwickeln, und in solchen Fällen schaut man vielleicht mal auf ein älteres Album zurück, um herauszufinden, wie man sich beim neuen weiterentwickeln will. Aber alles in allem denke ich, dass die Songs auf „Deities“ großartig sind und die Produktion wirklich cool klingt – und nach uns!

GRAND CADAVER Interview 2024
Alex Stjernfeldt (2024)

Mit „The Rot Beneath“ habt ihr nun eine neue EP am Start. Wann stand fest, dass es eine EP wird – schon bevor ihr die Songs geschrieben habt? Oder habt ihr das erst später entschieden, als vier fertige Songs da waren?
Das hat sich irgendwie natürlich ergeben. Wir hatten eine ganze Reihe von Songs und haben dann beschlossen, dass es eine Vier-Track-EP werden soll. Also haben wir die besten ausgesucht, um die intensivste und beste EP zu machen, die wir schaffen konnten. Wie bei vielem, was wir mit GRAND CADAVER machen: Wir machen es einfach – was passiert, passiert. Wir versuchen, nicht zu viel nachzudenken. Es soll spontan und direkt bleiben.

In Zeiten von Streaming sind EPs eigentlich komplett aus der Mode – sogar noch mehr als Alben. Was gefällt dir an diesem Format?
Ich mag das Format für uns, weil es uns erlaubt, spontan zu sein – wir können alles an einem Wochenende aufnehmen. Nur wir fünf und unser Produzent Per Stålberg, die die Songs raushauen. EPs mögen ein „totes“ Format sein – aber wir sind eine Death-Metal-Band, das passt also ganz gut (lacht). Das EP-Format hat diesmal einfach besser gepasst. Mal sehen, was bei der nächsten Aufnahmephase rauskommt. Wenn eine EP besser passt, wird’s eine EP. Wenn ein Album in unseren Zeitplan passt, wird’s ein Album.

GRAND CADAVER auf dem DARK EASTER METAL MEETING 2024Arbeitet ihr denn schon an einem neuen Album – und wenn ja: Gibt es schon einen Zeitplan?
Nicht wirklich. Wir haben ein paar Songs geschrieben, aber wir haben noch nicht darüber gesprochen, was unser nächster Schritt sein soll. Wir nehmen es, wie es kommt – aber hoffentlich können und werden wir 2026 neue Musik veröffentlichen! Mal sehen. Wie gesagt: GRAND CADAVER funktioniert am besten, wenn die Dinge einfach passieren.

Vor allem Mikael ist mit seinen Bands extrem beschäftigt – wie seid ihr diesmal beim Songwriting und den Aufnahmen vorgegangen?
Wir hatten das Gefühl, dass eine EP jetzt die richtige Wahl für uns ist. Wie du gesagt hast, ist Mikael ein viel beschäftigter Mensch und wir hatten nicht die Zeit, uns auf eine komplette Albumproduktion einzulassen. Also haben wir uns gesagt: Lasst es uns so machen wie bei „Madness Comes“!“ Nur wir fünf im Studio, alles an einem Wochenende aufnehmen. Was die Musik angeht, wollten wir das Format der EP nutzen, um das Ganze straffen: totale klangliche Vernichtung – vier Songs, die einfach reinhauen. Inhaltlich wollten wir politischer werden – wegen der Situation in der Welt. Mit „The Rot Beneath“ sind GRAND CADAVER noch fokussierter und wütender!

Das Cover wirkt ziemlich dystopisch – kannst du die Idee dahinter erklären?
Die Idee stammt von mir, Albin (Illusive) und Mikael – dasselbe Trio, das auch schon „Into The Maw Of Death“ entwickelt hat. Wir wollten die Idee erforschen, dass die Untoten vielleicht gar nicht die Bösen sind. Vielleicht ist die Hölle hier auf der Erde – und wir, die Menschen, sind die Fäule. Schau dir doch den Zustand der Welt an, schau dir bestimmte Anführer rund um den Globus an – sie steuern die Erde doch ganz offensichtlich in den Abgrund. Solange sie ihre korrupte Macht und ihr Geld haben, ist ihnen egal, dass Menschen leiden und die Welt brennt. Wie wir im Titeltrack singen: „What are we but the cause of the problem? What are we but the rot beneath“. Das ist auf dem Cover dargestellt.

Stilistisch bleibt ihr euch und dem schwedischen Old-School-Death-Metal treu: Die EP erinnert auch an Bands wie GRAVE oder ENTOMBED. Welche Bands würdet ihr als Einfluss für GRAND CADAVER nennen?
Danke! Wir alle lieben den schwedischen Death-Metal-Sound – wir waren dabei, als er entstanden ist, und einige von uns haben sogar dabei geholfen, ihn mitzuprägen. Natürlich ist der klassische Sunlight-Sound eine große Inspiration für uns, ebenso Bands wie die von dir genannten. Aber ich denke, dass wir auch viele Einflüsse aus anderen Genres und Bands mitbringen. Wir alle haben einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack, und das beeinflusst auch, wie wir für GRAND CADAVER schreiben. Ein Fuß steht fest im HM-2-Death-Metal, der andere in Genres wie Post-Rock, Classic Rock, Industrial, Pop usw. Das ergibt einen großartigen Stilmix.

GRAND CADAVER Interview 2024
Alex Stjernfeldt (2024)

Was fasziniert dich an diesem Genre – und was möchtet ihr mit GRAND CADAVER dem Genre vielleicht „hinzufügen“?
Das ist ein Genre, das uns schon begleitet, solange wir zurückdenken können – es ist in unserer DNA und wir scheinen einfach nicht davon loszukommen, wir kehren immer wieder zurück (lacht). Mich fasziniert daran vor allem die rohe Energie, die Schwere, die Vielfalt – und dass es immer mit einem Augenzwinkern daherkommt. Extreme und gleichzeitig spaßige Musik. Einfach ein paar Freunde, die ein Bier trinken und eine Wand aus Verzerrung schaffen, unterlegt mit Horrorfilm-Stimmung! Und mit GRAND CADAVER? Ich weiß nicht, ob wir dem Genre wirklich etwas „hinzufügen“ wollen. Wir wollen einfach Spaß haben und eingängige Songs schreiben! Vielleicht wollen wir diesmal etwas mehr sozialkritische und politische Themen einbauen – ein bisschen Protest-Death-Metal machen.

Aus Fansicht sind EPs oft wenig lohnenswert: Man zahlt fast so viel wie für ein Album – bekommt aber nur wenig Musik, in eurem Fall rund eine Viertelstunde. Lohnt sich das für euch als eher kleine Band mit wenigen Sammlern und Hardcore-Fans trotzdem?
Das ist vielleicht eine Frage für unser Label – ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber wenn ich für mich antworte: Ich finde, dass wir ein tolles physisches Produkt geschaffen haben – zusammen mit Majestic Mountain Records. Ein Gatefold-12”-Vinyl, UV-Print auf der B-Seite, großartiges Artwork von Illusive, und so weiter. Klar, es sind „nur“ vier Songs – aber es sind großartige Songs und sie sind genau so geschrieben worden, um als EP mit vier Songs gehört zu werden.

GRAND CADAVER auf dem DARK EASTER METAL MEETING 2024Die EP ist mitten im August erschienen – in einer Zeit, in der viele Fans auf Festivals sind – kein idealer Zeitpunkt für eine Veröffentlichung. War euch das egal oder warum habt ihr euch trotzdem für einen Sommer-Release entschieden?
Ursprünglich hatten wir einen Release im Frühjahr angepeilt, aber es hat sich auf August verschoben. Ich denke, das könnte trotzdem ein guter Zeitpunkt sein – die Leute kommen aus dem Urlaub zurück, sie machen sich bereit, wieder zu arbeiten oder zur Schule zu gehen. Und jetzt bekommen sie den perfekten Soundtrack für den Alltag zurück!

Euch hat man auf den Festivals aber nicht gesehen. Plant ihr eine Tour – oder lohnt sich das für euch nicht?
Wir haben derzeit keine Tour geplant – nur eine einzige Show steht an. Es ist schwer, alle Zeitpläne unter einen Hut zu bringen. Aber wenn und sobald sich alles fügt, gehen wir auf die Bühne – und es wird großartig!

Danke für eure Zeit und eure Antworten. Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming: LG Petrov: Absolute Legende!
Vinyl: Natürlich!
Iron Maiden: Nope!
Alkoholfreies Bier: Warum?
Ozzy Osbourne: Mega-Legende!
GRAND CADAVER in 10 Jahren: Im Ruhestand!

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Moritz Grütz

Publiziert am von

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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