Interview mit Steve "Zetro" Souza von Hatriot

Steve „Zetro“ Souza ist ein alter Hase in der Thrash-Szene und in erster Linie als ehemaliger Sänger der Bay-Area-Institution Exodus bekannt. Mit HATRIOT hat er nun seit einiger Zeit eine neue Gruppe am Start, in der auch seine beiden Söhne Nick und Cody spielen. Während die vielversprechende Demo der Band schon länger im Web verfügbar ist, kam dieses Jahr das Debütalbum „Heroes Of Origin“ auf den Markt. Ob die Scheibe an die alten Heldentaten von Zetro anknüpft, wie es sich anfühlt, mit dem eigenen Nachwuchs auf der Bühne zu stehen und vieles mehr erfahrt ihr im HATRIOT-Interview.

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Hi Steve! Wie geht’s? Was sind die neuesten Nachrichten aus dem HATRIOT-Lager?
Mir geht’s großartig. Im HATRIOT-Lager ist ordentlich was los. Wir arbeiten fleißig daran, unser neues Album „Heroes Of Origin“ zu promoten und schreiben sogar schon neues Material für die zweite Platte. Wir hoffen, im Herbst ins Studio gehen zu können und die nächste Scheibe dann Anfang des nächsten Jahres veröffentlicht zu haben.

Ihr sitzt schon am zweiten Album? Ist HATRIOT also als längerfristige Band gedacht?
Definitiv. Mit dieser Band möchte ich bis zum Ende meiner Karriere spielen. Genau genommen haben wir für die nächste Scheibe, was das Songwriting angeht, schon fünf Songs fertig. Sie ist zur Hälfte geschrieben! Ich denke, wie werden im September dieses Jahres das Studio entern, sodass der zweite Silberling im Januar 2014 in den Läden steht. Wir haben eine starke Arbeitsmoral und sind bereit, HATRIOT zu einem bekannten Namen in der Thrash-Szene zu machen.

Die folgende Frage hörst du bestimmt oft, deshalb bringen wir sie gleich am Anfang hinter uns: Was steckt hinter dem Namen, was ist deiner Ansicht nach ein HATRIOT?
Ein HATRIOT ist eine Person, die ihr Land liebt, aber nicht unbedingt damit einverstanden ist, wie die Regierung ihre Aufgaben erledigt. Die amerikanische Regierung ist ziemlich dubios und macht Sachen, die keinen Sinn ergeben, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht trotzdem unser Land lieben. Das ist die Philosophie eines HATRIOTen.

Reden wir mal über das neue Album, „Heroes Of Origin“ ist ein sehr starkes Debüt geworden! Mittlerweile wurde es schon vor einer Weile veröffentlicht, was kannst du uns also über das Feedback von Presse und Fans sagen?
Ja, die Platte ist nun seit einigen Monaten draußen und die Resonanz ist toll. Ich habe bis jetzt ungelogen noch keine schlechte Kritik gesehen. Viele Medienleute gehen davon aus, dass sie in ihren Top 10 des Jahres Platz finden wird und das ist ein unglaubliches Gefühl. Die Rückmeldungen der Fans sind mir allerdings wichtiger, denn sie sind diejenigen, die die Scheibe kaufen und Geld bezahlen, um zu den Shows zu kommen. Sie sind sozusagen diejenigen, denen wir antworten. Die Fans scheinen das Album zu lieben und für mich ist es ein Comeback, wie man es von mir kennt. Ich gebe ihnen, was sie erwarten und soweit ich das beurteilen kann, haben sie „Heroes Of Origin“ alle angenommen. Es ist ein großartiges Gefühl.

Wie wichtig sind dir Kritiken und die Meinungen anderer zu deiner Musik?
Ehrlich gesagt schenke ich dem nicht viel Aufmerksamkeit. An diesem Punkt meiner Karriere weiß ich, wie man einen guten Thrash-Song schreibt und das ist es auch, was du von mir bekommst. Ich erfinde mich nicht neu oder mache irgendwelches verrücktes Zeug, um zu versuchen, in der Szene besonders aktuell rüberzukommen. Ich mache das, was ich mache und das erwarten die Leute auch. Von daher dürften die Kritiken und Meinungen recht vorhersehbar sein. Wenn du eine Slayer-Platte kaufst, hast du eine Ahnung davon, was du bekommen wirst, bevor du überhaupt reingehört hast. Mit mir ist es nicht anders. Wenn dir meine Musik mit Exodus gefällt, wirst du HATRIOT lieben. So einfach ist das.

Hatriot-Zetro1Nervt es dich, dass HATRIOT oft mit Exodus verglichen werden oder hast du ohnehin darauf abgezielt, dass sich eure Sounds ähneln?
Nein, es stört mich nicht, wenn Leute diese Band mit Exodus vergleichen. Meine Stimme war ein großer Teil des Exodus-Sounds und jedes Mal, wenn ich zu einem metallischen Riff singe, klingt das auch ein bisschen nach Exodus. So ist es eben. Ich habe es nicht auf Ähnlichkeiten angelegt, aber aufgrund meiner charakteristischen Stimme gibt es definitiv welche.

Kannst du uns etwas zum Konzept hinter dem Album verraten? Wer sind zum Beispiel die „Heroes Of Origin“?
Das ist ein Titel, den ich schon seit Jahren im Kopf hatte. Er stammt aus einem alten Comic-Strip namens „Heroes Of Origin“, denn ich als Kind hatte. Ich dachte, dass es ein toller Titel für ein Album wäre und er passt einfach zum Vibe von HATRIOT. Wir sind die Helden. Wir sind die Rebellen, die die Flagge des Thrash Metals hochhalten. Eine Menge Thrash-Fans sehen mich als einen der Erfinder dieses Stils an, der Titel steht also dafür, dass ich immer noch da bin und diese Musik spiele.

Wenn man sich mit den Songs etwas näher beschäftigt, fällt auf, dass dir gut durchdachte Texte offenbar recht wichtig sind. Kannst du kurz zusammenfassen, was die Songs thematisieren?
Ich liebe dunkle und verbogene Texte. Je krankhafter, desto besser für mich. „Heroes Of Origin“ deckt eine Menge Themen ab, angefangen bei Amokläufen an Schulen über Selbstmordanschläge bis hin zu Vampiren und Horrorfilmen. Wenn mich etwas interessiert, dann schreibe ich darüber, aber es muss finster und unheilvoll sein. Schwacher Scheiß ist nicht drin!

Wie läuft das Songwriting bei HATRIOT ab? Wer schreibt die Texte, wer komponiert die Musik?
Mein Gitarrist, Kosta Varvatakis, schreibt und arrangiert sämtliche Musik für HATRIOT. In dieser Hinsicht ist er wirklich ein erstaunlicher Komponist, denn er hört komplette Lieder in seinem Kopf und kann sie zum Leben erwecken. Er kommt zur Probe und zeigt dem Rest der Band sein Material, und von da an geben die anderen ihm ihren eigenen Dreh und drücken ihm ihren persönlichen Stempel auf. Die Jam-Session nehmen wir auf und ich nehme die Aufnahme dann mit nach Hause und schreibe die Texte dazu. Es ist wie ein Heavy-Metal-Fließband!

Die Songs entstehen also noch ganz traditionell und ohne allzu moderne Technologie und hin und hergeschickte MP3s?
Ja, das meiste HATRIOT-Material entsteht hier im Jam-Room. Als ich mit Dublin Death Patrol geschrieben habe, war es das genaue Gegenteil. Wir haben alles erledigt, indem wir uns gegenseitig Dateien zugemailt haben. Bei HATRIOT machen wir’s auf die altmodische Weise und arbeiten die Songs bis in die Nacht im Jam-Room aus.

Du hast gerade schon Dublin Death Patrol erwähnt – in den vergangenen Jahren warst du in mehrere Projekte involviert, u. a. auch Tenet. Bist du da noch aktiv oder ist das Geschichte?
Beides ist zum aktuellen Zeitpunkt mehr oder weniger aus und vorbei. Tenet war ein Nebenprojekt von Jed Simon von Strapping Young Lad. Ich wurde gebeten, auf der Platte zu singen und es war eine coole Erfahrung, aber als ich das anging, wusste ich, dass es nur ein Projekt und eigentlich keine Band war. Falls Jed noch ein Album macht und es mein Terminplan zulässt, würde ich versuchen, wieder mitzumachen, aber so wie es aussieht, dürfte es nicht mehr dazu kommen. Mit Dublin Death Patrol ist es wahrscheinlich auch vorbei. Wir haben ein paar coole Alben gemacht, aber bei dieser Band muss man so viele Terminpläne berücksichtigen, dass es beinahe unmöglich wird, zu touren oder wirklich als richtige Band zusammen zu proben. Es ist definitiv nur ein Projekt und ich denke, dass auch das Geschichte ist. Chuck (Billy, Sänger – mf) ist mit Testament viel zu beschäftigt und ich konzentriere gerade all meine Energie auf HATRIOT.

Hatriot-CoverIhr konntet „Heroes Of Origin“ über das Label Massacre Records herausbringen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und wie läuft sie bisher?
Wir ließen unsere Demo-CD einige Monate lang verschiedenen Labels zukommen, von denen mehrere Interesse bekundeten, aber Massacre schien das Label zu sein, das unser Material sofort auf den Markt bringen wollte. Das entsprach auch unseren Erwartungen. Einer unserer Manager, Ace Cook, arbeitet auch für Lääz Rockit, deren Back-Katalog bei Massacre erschienen ist, wir hatten an der Stelle also schon eine Verbindung zu dem Label. Er ging auf Massacre zu und sie willigten ein. So einfach war das. Wir haben realistische Erwartungen und übernehmen einen großen Teil der Arbeit selbst, es ist in dieser Hinsicht also tatsächlich eine Zusammenarbeit. Soweit sind wir zufrieden.

Mir ist aufgefallen, dass ihr eine gut aufgestellte Band-Webseite habt. Wie wichtig ist deiner Meinung nach so eine traditionelle Webseite in Zeiten von Social Media?
Ich bin mir nicht sicher, wie wichtig sie ist. Wir haben einfach gerne alle Grundlagen abgedeckt und das bedeutet eine Internetpräsenz bei allen sozialen Netzwerken und zusätzlich unsere eigene offizielle Webseite. Ich weiß gar nicht, ob die offizielle Seite von so vielen Leuten besucht wird. Über die Google-Suche bekommst du eigentlich so ziemlich alle Informationen zu HATRIOT, die du brauchst, aber die offizielle Seite ist sozusagen die zentrale Stelle für all die anderen Seiten. Ich denke auch, dass es eine Band professioneller aussehen lässt, wenn sie ihre eigene Domain hat, aber das ist auch schon alles.

Für HATRIOT hast du deine beiden Söhne in die Rhythmusabteilung aufgenommen. Wie fühlt es sich an, mit den eigenen Söhnen in einer Band zu spielen?
Es fühlt sich absolut großartig an. Meine Söhne beherrschen ihre Instrumente beide ausgezeichnet und sie sind im Rahmen des Musikgeschäfts aufgewachsen. Es ist also toll, dass sie in meine Fußstapfen treten, aber dass sie auch noch in meiner Band spielen, fühlt sich einfach großartig an. Ich musste Exodus im Jahre 2004 verlassen, um mit für sie zu sorgen und jetzt hat sich der Kreis geschlossen. Das ist nicht irgendeine Marketingstrategie. Diese Jungs sind ernstzunehmende Musiker. Ihre Name lautet nur zufällig Souza.

Wie fühlt es sich denn für sie an, mit ihrem Vater in einer Band zu spielen?
Was das Geschäft angeht, sehen sie mich als ihren Lehrer an. Wie ich schon erwähnte, sind sie im Musikgeschäft aufgewachsen und haben dessen gute und schlechte Seiten mit eigenen Augen gesehen. Sie haben sie mit mir durchlebt, als sie noch Kinder waren. Ich denke also, dass sie viel Respekt vor meiner Vergangenheit haben und dass sie die Herausforderungen kennen, die mit der Aktivität in dieser Band einhergehen. Hasser werden sich wünschen, dass sie es nicht draufhaben. Hasser setzen nur darauf, diese Jungs zu verreißen. Aber das wird nicht passieren! Nick und Cody spielen beide schon seit über zehn Jahren und sind eigenständig zu reifen Musikern geworden. Auf diesem Album machen beide keine verdammten Gefangenen. Außerdem sind sie als Menschen schon sehr erwachsen. Nur selten muss ich bei ihnen den Vater raushängen lassen. Sie sind wie meine besten Freunde.

Hatriot-Zetro2Wie nimmst du als alteingesessener Szene-Veteran die Evolution der Metal-Szene während der letzten Jahrzehnte wahr? Kannst du uns eine Einsicht in deine Anschauung gewähren?
Nun, mittlerweile ist es eine ganz andere Welt. In den frühen Tagen war alles neu und frisch und es war wirklich aufregend zu beobachten, wie sich die Szene über den ganzen Globus entfaltete. Inzwischen wurden viele Sachen bereits total ausgelutscht und sind in vielerlei Hinsicht nicht mehr so bedeutsam. Alles ist so übersättigt. Es gibt Metal-Bands in Garagen in jeder Stadt dieses Planeten. Ein Vorteil ist, dass uns der technologische Fortschritt erlaubt, unsere Karriere selbst in die Hand zu nehmen, z. B. mit Home-Recording und den Social Media. Das ist echt aufregend und befreiend. Die Labels haben nicht mehr die Kontrolle und die Torwächter-Funktion, die sie früher innehatten. Der größte Nachteil an der Entwicklung ist allerdings, dass man mit Musik keine Karriere mehr machen kann, wie es einst möglich war. Sie hat nicht mehr denselben Wert, den sie früher hatte.

Wie aufregend ist das Touren und die Mitgliedschaft in einer Band für dich nach so einer langen Zeit noch?
Mir macht es immer noch Spaß. Als wir früher mit Exodus tourten, war es neu und aufregender, ganz klar, außerdem war die Band sehr berühmt, wir wurden also gut behandelt. Die Zeiten haben sich geändert und mit HATRIOT kehren wir wieder ein bisschen zum Wesentlichen zurück, aber ich bin sehr dankbar, dass ich immer noch in der Lage bin, für die Fans zu spielen. Es ist wirklich cool, nach all den Jahren die Die-hard-Fans zu treffen, insbesondere diejenigen, die schon von Anfang an dabei sind. Ich bin aufgeregt, der Welt HATRIOT live vorzustellen und den Leuten zu zeigen, was für eine starke Band wir sind. Ich denke, das ist die beste Band, mit der ich jemals zusammengearbeitet habe, und hinsichtlich  meiner Vergangenheit im Geschäft bedeuten diese Worte sehr viel.

Ein schönes Schlusswort! Wir sind auch schon fast am Ende. An dieser Stelle vielen Dank für deine Antworten! Abschließen würde ich das Interview gerne mit unserem traditionellen Metal1.info-Brainstorming – ich nenne dir einfach ein paar Begriffe und du sagst, was dir zuerst dazu einfällt!
Waffenkontrolle: Die Regierung kann das ebenso gut aufgeben, denn es wird nie funktionieren.
Der Papst: Religion spielt in meinem Leben keine Rolle, deshalb hat das für mich eigentlich keinerlei Bedeutung.
New Wave Of Thrash Metal: Ich liebe die neue Szene. Es ist eine Ehre, einer der Gründungsväter des Thrash zu sein und es macht mich glücklich zu sehen, wie wir eine neue Welle von Bands beeinflusst haben.
Deutschland: Ich liebe Deutschland: Einige der besten Fans der Welt kommen aus Deutschland und ich habe dort viele tolle Konzerte gespielt. Ich freue mich darauf, mit HATRIOT zurückzukehren.
Metal1.info: Killer-Heavy-Metal-Seite. Danke, dass ihr den Heavy Metal fördert!

Nochmals danke für deine Zeit! Wenn du noch was an unsere Leser loswerden willst, das letzte Wort gehört dir:
Danke für das Interview. Es sind Webzines wie dieses, die diese Musik mit am Leben erhalten, wir wissen eure Leistung zu schätzen! Danke an alle Fans, die mir über all die Jahre treu geblieben sind. Ich hoffe, dass ich euch alle treffe, wenn wir nach Deutschland kommen. Bitte geht in den Laden und kauft euch „Heroes Of Origin“. Wir schaffen es nicht ohne eure Unterstützung. Keep thrashing!

Hatriot-Band