Interview mit Maurice Swinkels von Legion Of The Damned

Sie sind ohne Zweifel eine der Thrash Metal-Bands der Stunde: LEGION OF THE DAMNED. Mit ihrem neuen Langspieler „Descent Into Chaos“ haben die Niederländer einen neuen Meilenstein in ihrer eigenen Bandgeschichte gesetzt und legen die Messlatte für alles, was 2011 noch kommen mag, verdammt hoch. Wir baten Bandkopf Maurice Swinkels zum Interview.

Hey Maurice! Wie gehts dir zur Zeit?
Gut! Müde, aber gespannt!

Glückwunsch natürlich auch zu eurem neuen Album – ist wirklich euer bestes bisher, wenn du mich fragst!
Heiliger Strohsack, danke! Es überrascht mich wirklich, all diese guten Reaktionen zu bekommen und zu hören, dass die Leute es für unser bisher bestes Album halten. Wir selbst sind natürlich auch vollkommen mit diesem Album zufrieden. Der Hammer!

„Descent Into Chaos“ ist das erste Album, das ihr nicht mit Andy Classen aufgenommen habt. Stattdessen seid ihr zu Peter Tägtgren in dessen Abyss Studio gegangen. Wann kam euch dazu die Idee?
Es klingt ein wenig hart zu sagen, dass wir aufgehört haben, mit Andy zu arbeiten – das ist auch gar nicht der Fall. Wir dachten nur, dass es gut für uns wäre, auch mal eine neue Erfahrung in diesem Bereich zu machen. Mich persönlich trieb auch einfach die Neugier zu erfahren, was ein anderer Produzent aus einem LEGION OF THE DAMNED-Album machen würde. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir nie wieder mit Andy arbeiten werden – die Zeit wird es uns zeigen.

Was waren die größten Unterschiede zwischen den Aufnahmen mit Andy und denen mit Peter? Ich schätze, ihr wart die ganze Zeit über bei ihm in Schweden?
Ja, das waren wir. Es war sehr entspannt und gemütlich, weil es ringsherum einfach nichts anderes gab. So konnten wir die meiste Zeit am Album arbeiten und weil der Internetzugang total am Arsch war, stand es auch nur zur Debatte, etwas anderes arbeiten zu können. Ansonsten gab es keine großen Unterschiede.

Habt ihr seit den Aufnahmen bei Peter mit Andy gesprochen? Hat er das neue Album vielleicht schon zu hören bekommen?
Nein, wir haben seit Monaten nichts mehr von Andy gehört. Das erinnert mich gerade daran, mich mal wieder bei ihm zu melden…

Bei den Arbeiten zu „Descent Into Chaos“ hattet ihr wesentlich mehr Zeit fürs Songwriting und den Abschluss der Tracks. Klingt die Scheibe vielleicht deshalb so ausgewogen und energiegeladen?
Vielleicht, wer weiß! Wir hatten wirklich mehr Zeit für dieses Album, aber wir schreiben nie Musik mit einer bestimmten Absicht oder mit einem bestimmten Ziel. Es kommt alles aus unserem Inneren, entsteht beim Jammen – das war noch auf keinem Album anders. Dieses Mal hatten wir lediglich mehr Zeit sie aufzunehmen und anschließend nochmal anzuhören und etwas daran zu ändern, wenn wir nicht zufrieden damit waren. Hier und dort mal ein Riff neu arrangieren, was cool klingt bleibt, was Scheisse ist fliegt. Während der Entstehungsphase anderer Alben waren wir immer auf Tour, habe hier und da mal eine Show gespielt und konnten nur nebenher Songs schreiben. Dieses Mal konnten wir uns voll auf das neue Album konzentrieren, zumal wir 2010 auch nicht sonderlich viele Shows gespielt haben.

Die Scheibe hört auf den Namen „Descent Into Chaos“. Was steckt hinter diesem Titel?
Das Konzept von „Descent Into Chaos“ fußt lose auf Terror und Gewalt, sowohl in kultureller Mystik als auch in der Realität. Von der historischen Vorliebe der Menschheit für Gewalt hin zu Lovecraft’schen Horrorszenarien, die die den Mensch in den Mittelpunkt stellende Weltsicht untergraben ist alles vertreten. Lyrische Themen der letzten Alben werden fortgeführt oder geschehen noch ein Mal – allerdings mit einem etwas stärkeren Fokus auf Gewalt, während antichristliche Themen weniger prominent vertreten sind.

Darf der Song „Holy Blood, Holy War“ dann auch genau so verstanden werden, wie er vielleicht verstanden werden möchte? Als Anspielung auf (Selbstmord)-Attentäter oder dergleichen?
„Holy Blood, Holy War“ handelt von den Kreuzzügen und dessen Abscheulichkeiten. Ein Schwert hielt sie am Leben, gleichzeitig starben sie aber auch durch das sichelförmige Schwert.

Was ist der größte musikalische Unterschied zwischen „Descent Into Chaos“ und seinen Vorgängern?
Ich denke, die Songs sind insgesamt langsamer und grooven mehr.

Mit „Descent Into Chaos“ erfüllt ihr euren Vertrag bei Massacre Records. Schon eine Ahnung, wohin es danach geht?
Puh, keine Ahnung… Um sich darüber Gedanken zu machen, ist es noch zu früh – jetzt muss die Scheibe erstmal veröffentlicht werden!

Als du noch mit Occult (dem LEGION OF THE DAMNED-Vorgänger – Anm. d. Verf.) aktiv warst, hast du wichtige Prüfungen in der Schule sausen lassen, um mit Immortal und Marduk auf Tour gehen zu können. Was glaubst du, wäre aus dir geworden, wenn du die Prüfungen abgelegt und dich nicht auf die Band konzentriert hättest?
Hahaha, gute Frage! Musik und die Band haben mir alles bedeutet und ich habe es niemals bereut, dass ich die Schule und Prüfungen geschmissen habe. Klar: Letzten Endes stand ich ohne Arbeitserlaubnis da – aber dafür konnte ich 1994 mit Immortal und Marduk touren, verdammt nochmal! :-)

Heute hat jeder von LEGION OF THE DAMNED seinen eigenen Job, ist nicht auf die Band als Geldeinnahmequelle angewiesen. Das bringt einige Vorteile mit sich, oder nicht?
Der größte Vorteil ist, dass wir das verdiente Geld wieder in die Band stecken können – das ist auch der Grund, weswegen wir unseren Fans auf Tour und bei Autogrammstunden kleine Geschenke machen können. Der Nachteil ist natürlich, dass wir nur eine große Tour pro Jahr fahren können.

Ich habe gehört, ihr versucht euch auf Tour so gesund wie möglich zu ernähren und auf Fastfood zu verzichten. Da brennt mir natürlich eine Frage auf der Zunge: Wo gabs die besten Restaurants in all den Jahren, die ihr jetzt schon unterwegs seid?
Ah, schöne Frage! :-) Wir lieben Essen und reden übrigens auch oft über solche Dinge innerhalb der Band. In Tschechien gibt es im Zentrum von Prag ein sehr gutes Steakhouse, das auch einen Wettbewerb ausgetragen hat. Wer ein 1kg-Steak, das ungefähr 60€ gekostet hat, innerhalb von 30 Minuten essen konnte, bekam das Geld zurück! Wir haben das allerdings nicht riskiert, hehe… In München gab es auch ein sehr gutes Steakhouse. In Paris gibt es einen Buffalo Grill, in dem wir normalerweise rumhängen. Ich möchte aber trotzdem mal in dieses Restaurant in Belgien nahe der französischen Grenze geben, in dem sie 2,5kg-Steaks servieren…! :-)

Würdest du also sagen, dass LEGION OF THE DAMNED im Großen und Ganzen ein Hobby für dich ist?
Auf jeden Fall! Die Band war und ist ein Hobby für uns alle, was auch der Grund ist, warum wir so viel Spaß damit haben. Nichts muss gemacht werden, alles was gemacht wird, ist okay. Es gibt keinen Druck von irgendeiner Seite!

Eure Lyrics werden von einem Kerl namens „Tony“ geschrieben – der nicht ins Rampenlicht treten möchte. Woher kennt ihr ihn denn und wie kam es, dass er irgendwann alle LOTD-Songtexte schrieb?
Das ist eine lange Geschichte, also um sie kurz zu halten: Mit Tony bin ich befreundet, seit ich zwei oder drei Jahre alt war. Wir sind zusammen aufgewachsen und sind beide zum Metal gekommen und er spielte auch Bass bei Bestial Summoning.
An einem gewissen Punkt als wir „Elegy For The Weak“ mit Occult aufnahmen habe ich außerdem meine eigene Firma für Videoproduktionen gegründet und fand dadurch einfach nicht mehr die Zeit, mich neben allem anderen auch noch um die Lyrics zu kümmern. Ich fragte ihn, ob er versuchen könnten, für die neuen Songs ein paar Texte zu schreiben – einfach nur um zu sehen, ob das funktionieren würde, weißt du. Das war wohl unsere beste Wahl überhaupt, denn Tony hat uns niemals im Stich gelassen und schreibt noch heute unsere Lyrics. Tony ist also das fünfte Bandmitglied… oder genauer gesagt das sechste, weil unser Manager Mitglieder Nummer fünf ist. ;-)

Im Januar und Februar werdet ihr im Rahmen der Neckbreakers Ball Tour mit Kataklysm, Equilibrium und Milking The Goatmachine auf Tour sein. Equilibrium wirken in diesem Line-Up auf den ersten Blick ein wenig deplatziert, findest du nicht auch?
Wir bringen sie dazu, nach einigen Tagen Thrash Metal zu spielen… aber erzähls nicht weiter! ;-)

Was sind deine fünf wichtigsten Regeln für das Zusammenleben auf Tour und speziell auch im Tourbus?
Nicht scheissen, nicht rauchen, du darfst nicht scheissen, nicht pfurzen… oh, und fünften: Kein großes Geschäft auf der Toilette!

Damit wären wir auch schon fast am Ende – es fehlt nur noch unser traditionelles Metal1.Brainstorming. Was fällt dir zu den folgenden Begriffen ein:

Eis: Sehr lecker, obwohl Harold der Eiskönig ist!
Laura Dekker: Dieses Segel-Mädchen? Die hätten so einem jungen Mädchen niemals erlauben dürfen, allein über den Ozean zu segeln – ihre Eltern sind krank!
Bayern München: Ich interessiere mich nicht sonderlich für Fußball, das wäre eine gute Frage für unseren Schlagzeuger Erik!
Onslaught: Die Band? Ich liebe ihr erstes Album, aber mit dem Rest bin ich nicht vertraut, sorry
Metal1.info: Ein Magazin mit guten, originellen Fragen… Und wenn die ums Essen gehen, ist das immer gut!

Danke, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast, Maurice! Man sieht sich auf Tour, alles Gute für die neue Scheibe!
Danke für die coolen Fragen! Manche brachten mich zum Grinsen – das habe ich heute gebraucht, weil ich ziemlich launisch war und Kopfweh hatte.

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