Interview mit Andreas Schmittfull von Omega Massif

Mit „Karpatia“ haben die deutschen Instrumental-Doomer OMEGA MASSIF unlängst ihr zweites Album veröffentlicht, und wussten damit nicht zuletzt in unserer Redaktion zu begeistern.
Anlass genug für ein ausführliches Gespräch mit Gitarrist Andreas Schmittfull über die Berg- und Gefühlswelten in der Musik seiner Band.

Sers. Schön, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wie gehts dir, und was gibt es aus dem Bandcamp vom OMEGA MASSIF derzeit so zu berichten?
Hallo, mir geht es ausgezeichnet! Wir bereiten uns momentan auf die bevorstehenden Shows vor. Da gibt es noch einiges zu tun…“schwitz“.

Euer neues Album, „Karpatia“ wird dieser Tage erscheinen. Drei Gefühle, die du spontan mit dem Album verbindest?
Freude, Freude, Freude.

Und welche Gefühle erhoffst du dir, mit eurer Musik beim Hörer auszulösen?
Jegliche Gefühle, die sie selbst erwarten, von unserer Musik zu bekommen. Ich kann nur von mir ausgehen, aber unsere Musik begleitet mich in allen Lebenslagen.

Szenario: Du stehst im Plattenladen selbstverliebt vor dem CD-Regal und hälst die neue OMEGA MASSIF in der Hand. Der Kunde neben dir schaut dir neugierig über die Schulter und fragt interessiert: „OMEGA MASSIF, nie gehört. Was isn das?“
Deine Antwort:

Die beste Instrumentalplatte, die es im Laden gibt. (*Hust*)

„Und warum sollte ich mir die kaufen?“
Weil so schöne Bilder drin sind!

Haha, gute Antwort… „Ok, überzeugt“ ;)
Lass uns nun etwas konkreter werden, fangen wir beim Bandkonzept an. Recht schnell merkt man euch eure Faszination für die unwirtliche Bergwelt oder Natur im Allgemeinen an. Woher rührt die Begeisterung für die Berge, wo man doch in Bayern von den Alpen kaum weiter weg sein könnte als in eurer Heimatstadt Würzburg?
Wenn du mit Bergwelt „Alpen“ assoziierst schon…
Sorry, das ist natürlich eine Unsitte von uns Münchnern… ;)
…aber es gibt ja auch noch die Mittelgebirge. Durch den Spessart fahre ich jeden Tag. Und wer im Herbst mal durch den Spessart gefahren ist, weiß, warum so viele Geistergeschichten mit ihm verbunden werden. Früh auf dem Weg zur Arbeit versüßt mir das den Arbeitstag. Na ja…und Urlaub haben wir ja auch ab und an. Auch haben meine Eltern mich oft in die Alpen, die Röhn, sonstwohin mitgenommen…das hat abgefärbt!

Euer neues Album heißt „Karpatia“, die Songtitel legen einen losen Zusammenhang nahe. Kann man bei Instrumentalalben von Konzeptalben sprechen, und wenn ja, ist „Karpatia“ ein solches?
Natürlich ist Karpatia irgendwie ein Konzeptalbum…wieso sollte man bei Instrumentalalben nicht von einem Konzeptalbum sprechen können? Gerade bei einem Instrumentalalbum ist es meines Erachtens wichtig, dass man dem Hörer etwas gibt, was die Phantasie ankurbelt… Die Musik lässt einen treiben, das Konzept gibt einen vagen Rahmen, um dem Hörer etwas Greifbares zu reichen.

Eure Songs haben allesamt recht spezielle Titel, sind dabei aber allesamt instrumental. Wie findet man für einen Instrumental-Song einen passenden Titel, beziehungsweise woran macht man fest, ob der Titel passt oder nicht?
Puh, keine Ahnung…wir denken uns ein Konzept aus, sprechen darüber, wir überlegen hin und her, sehen, wie Stimmungen passen…irgendwie funktioniert es und passt dann.

Wie viel Bedeutung messt ihr einem Songtitel bei? Glaubst du, dass der Titel eines Songs in seiner Bedeutung wächst oder verliert, wenn er keinem Text übergeordnet ist, sondern quasi alleine den Song beschreiben muss?
Auf jeden Fall! Wir brauchen keinen Text, der beschreibt, wie jemand von Wölfen gejagt wird…der Titel und die Musik machen das. Eigentlich reicht bei jedem einzelnen Song der Titel, um klar zu machen, was wir wollen. Gut, bei „Aura“ ist das etwas speziell, da ich dabei an den „Aura“-Begriff von Walter Benjamin gedacht habe…aber insgesamt erzählen Musik plus Titel eine Geschichte, das funktioniert, da sind wir auch ein bisschen stolz drauf!

Texte sind ja für viele Bands nicht nur Beiwerk, sondern ein weiterer, wichtiger Weg, ihrer Kreativität Ausdruck zu verleihen. Ihr verzichtet darauf bewusst komplett. Meint ihr nicht, dass auch eure Musik durch zumindest Stellenweisen Gesang noch an Vielschichtigkeit dazugewinnen könnte?
Nein.

Das Booklet beinhaltet dem entsprechend natürlich keine Texte, sondern lediglich Stimmungsbilder, wie du vorher schon scherzhaft angedeutet hast. Nach welchen Kriterien wurden die Bilder gewählt, und hat beispielsweise das Bild mit den Protesen als Wandschmuck eine Geschichte zu erzählen, oder dient es lediglich der Mystifizierung?
Wir vermitteln vage Stimmungen, vage Bilder. Oliver Hummel von www.hummelgrafik.de macht schon immer unser Artwork. Er ist einer meiner liebsten und besten Freunde und wir konnten uns immer auf ihn verlassen. So auch dieses Mal. So trägt er seinen Teil zum künstlerischen Gesamtwerk bei. Ebenso wie Role aus der Tonmeisterei Oldenburg, der uns unseren speziellen Sound mixt. Alles zusammen ist OMEGA MASSIF. Zu den einzelnen Bildern müsstest du jetzt Oliver befragen, der könnte da genauer Antwort geben. Wir schauen uns das an, hören die Musik, und überlegen, ob uns das Artwork in Kombination mit den Songs und den Songtiteln gefällt. So läuft das.

Eigentlich alles an eurem Konzept ist auf den ersten Blick schroff und unwirtlich – der Bandname, der Albumname, die Songtitel… und nicht zuletzt auch die Musik. In was für einer Stimmung muss man sein, um solche Songs zu schreiben?
Manchmal gut gelaunt, manchmal fertig von der Arbeit, manchmal in Vorfreude auf einen bevorstehenden Urlaub, manchmal auf einem Berg stehend…das ist ganz unterschiedlich und nicht genau zu fassen.

Und welche Stimmung soll euer Matieral im besten Fall beim Rezipienten erzeugen?
Die Frage wurde weiter oben schon mal gestellt…da hast du es „Gefühle“ genannt. Ich kann hier ein weiteres Beispiel geben…wenn ich durch die Stadt laufe, gibt es kaum eine bessere Musik für mich, als OMEGA MASSIF. Wenn mir der Trubel zu groß wird, schließe ich kurz die Augen, und bin mitten im Steinernen Meer. Das ist dann ein Gefühl von Ruhe und Zufriedenheit. Vielleicht so etwas in der Richtung.

Das perfekte Szenario, um „Karpatia“ zu genießen:
In 4000-8000 Metern Höhe.

Wie entsteht denn dabei der typische OMEGA MASSIF-Song? Beim Jammen oder im dunklen Kämmerlein in Einzelarbeit?
Das ist unterschiedlich. Teilweise kommen Ideen von zu Hause, an anderen Tagen schaffen wir viel im Proberaum. Im Endeffekt ist alles ein Zusammenspiel von vier Menschen im Proberaum, die ihre Ideen immer wieder überarbeiten, bis sie glücklich damit sind.

Musikalisch seid ihr relativ schwer zu fassen, passt aber, auf die eine oder andere Art doch auch in diese Ecke zwischen Bohren, Kodiak, dem Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, Sunn o))) und dergleichen mehr. Seht ihr euch als Teil einer „Szene“, und wenn ja, welche Bands würdet ihr dieser noch zurechnen?
Diese Szene-Frage kommt häufig. Ich kann sagen, dass es Bands gibt, die wir als Freunde betrachten. Tephra gehören sicher dazu. Und es gibt noch viele andere. Es ist immer schön, mit ihnen eine Bühne zu teilen. Das sind sehr gelungene Abende.

Das „Denovali Swingfest“ ist in diesem Sinne ja quasi sowas wie ein Familientreffen eben solcher Bands, oder wie seht ihr das? Eure Erfahrungen?
Das Denovali Swingfest spielen wir nun zum dritten Mal hintereinander. Es ist immer wieder schön und ja auch das Festival unserer Labelbosse Timo und Thomas, die sich immer sehr viel Mühe geben, dass es ein gelungener Abend wird. Ich kann dieses Festival nur allen wärmstens ans Herz legen!

Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass ein komplettes Festival mit Bands dieser Ausrichtung doch, bei aller Qualität jedes einzelnen, beteiligten Acts, etwas anstrengend ist. Seht ihr dieses Risiko auch?
Auf jeden Fall. Wenn dem so wäre. Aber die Bands, die auf diesem Festival spielen, sind doch sehr unterschiedlich. Das ist ein sehr abwechslungsreiches Festival. So etwas hat man selten! Nehmen wir Bohren und uns…außer, dass es sich meist (Bohren haben ja was mit M. Patton am Gesang gemacht) um Instumentalmusik handelt, haben wir grundsätzlich mal nichts gemein. Außer vielleicht eine teilweise etwas düster wirkende Grundstimmung. Im Endeffekt ist es aber was vollkommen anderes.

Ein dem entgegenwirkendes Projekt, quer durch alle Genres, könnte ich mir hingegen fast „unterhaltsamer“ vorstellen. Würde es euch reizen, eure Musik einmal in ganz anderem Kontext ausserhalb dieses elitären Szenebiotops, sagen wir, zwischen einer Ska und einer Rock-Band zu präsentieren?
Mit Bands anderer Genres zusammenzuspielen finden wir eigentlich immer sehr gut. Ich weiß nicht, ob es eine Ska-Band sein muss, da ich Ska nicht ausstehen kann, aber generell sind wir für so etwas auf jeden Fall zu haben!

Wie schaut es generell aus, plant ihr eine Tour oder zumindest Einzelgigs, um das Album zu promoten?
Ja, auf unserer Facebookseite kann man sich die neuesten Dates ansehen. Da ist von Würzburg über Berlin, Athen, Freiburg, etc. alles dabei. Eine längere Tour wird es leider nicht geben, da wir privat und beruflich dazu leider keine Zeit haben.

A.d.Red.: Die aktuellen Termine lesen sich wie folgt:
22.10.11 Bischofswerda
31.11.11 Mannheim
03.12.11 Monastic Doom Festival
29.01.12 Karlsruhe

Ok, das war dann auch schon meine letzte Frage, ich bedanke mich vielmals für die Zeit, die du für das Interview aufgewendet hast!
Wenn du noch etwas loswerden willst, hast du dazu jetzt die Gelegenheit:

Die liebsten Grüße gehen an meine Eltern, weil ihr mich als Kind hartnäckig auf viele Berge mitgeschleppt habt. Es hat sich gelohnt!

Gut, dann würde ich das Interview gerne an dieser Stelle mit dem traditionellen Metal1.Brainstorming beenden. Was fällt dir ein, wenn du folgende Begriffe hörst:

Mayhem: Black Metal – ich mach mir vor Lachen in die Hose.
Griechenland: Da spielen wir am 4.2. in Athen.
Metal1.info: Huhu.
Atomkraft: Speist teilweise unsere Amps mit Saft, vielleicht und hoffentlich kann man das in Zukunft endlich mal ändern.
Braunbär: Großartig.
OMEGA MASSIF in 10 Jahren: In nem anderen Proberaum.

Danke für das Interview!
Danke auch!!