Interview mit Kobi Farhi von Orphaned Land

Bald 20 Jahre gibt es die israelischen ORPHANED LAND nun in der europäischen Metallandschaft – und wegdenken mag sie sich keiner. Mit Frontmann Kobi Farhi konnten wir am Telefon über das neue Album, Völkerverständigung im Nahen Osten und provokative Fotoshootings plaudern.

Shalom Kobi!
Shalom! Wie geht’s dir heute?

Ausgezeichnet, danke dir. Wie stehen die Aktien im Century Media-Hauptquartier?
Haha, ziemlich gut, wie ich glaube!

Zuerst muss ich euch zu eurem neuen Album “The Never Ending Way Of ORwarriOR” beglückwünschen. Da habt ihr ein wahres Meisterwerk erschaffen.
Danke dir! Freut mich zu hören, dass es dir gefällt. Hast du denn die Lyrics dazu auch schon gesehen?

Leider noch nicht, nein.
Das musst du unbedingt noch nachholen!

Versprochen. Dafür darfst du mir aber zum Anfang eben erklären, was es mit den beiden großen Buchstaben am Anfang und Ende von “ORwarriOR” auf sich hat.
Nun, wir haben schon immer gerne mit Worten, deren Bedeutung und der Macht weniger Buchstaben gespielt. Die Kraft eines Wortes ist immens – Leben und Tod können einzig von ein paar Worten abhängen. Auf der einen Seite kannst du deinen Gebeten mit Worten Ausdruck verleihen, oder Leuten beweisen, wie sehr du sie liebst. Auf der anderen Seite kannst du Menschen töten, indem du nur ein paar Worte aneinanderreihst.

Die Politik beweist uns das tagein, tagaus… Deswegen verwundert euer Coverartwork auch ein wenig. Das setzt sich, soweit ich es beurteilen kann, aus arabischer und hebräischer Kalligraphie zusammen.
Ganz genau! Du kannst arabische und hebräische Wort-Kalligraphien darauf erkennen. Israelis und Araber bekämpfen sich die ganze Zeit über, weswegen wir zumindest zwischen den Worten, ja sogar den Buchstaben, Frieden schaffen wollten. Deshalb haben wir die beiden Kalligraphien kombiniert. Um also zur Frage zurückzukehren: „OR“ bedeutet im Hebräischen „Licht“. Deshalb ist „ORwarriOR“ in gewisser Weise ein Krieger des Lichts. Dabei werden Wortteile aus dem Hebräischen mit englischen Verbunden. „OR“ am Anfang und „OR“ am Ende ist außerdem der Ort, von dem wir kommen und zu dem wir letzten Endes wieder zurückkehren werden.

Das viel umschriebene Licht?
Erfasst. In der Mitte hast du dann den Wortteil „war“. Deswegen bedeutet es so viel wie „Krieger des Lichts“, der in den Krieg zieht um für das Licht zu kämpfen. Es ist wie ein Spiel um die Welt. Es ist ein niemals endender Weg. Wir werden uns unser Leben lang auf dieser Reise befinden, nach dem Licht, dem Frieden, einer Lösung suchen, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Davon mal abgesehen kann man den Titel auch auf das Album selbst übertragen. Das Album ist selbst fast ein niemals endendes, ich meine: wir haben 80 Minuten Spielzeit zusammenbekommen!

Der Song „Vayehi Or“ bedeutet so viel wie „Es werde Licht!“ und ist natürlich ein berühmter Satz aus der Bibel. Euer Album ist ein Konzept über einen jungen Helden, den Krieger des Lichts. Das macht auf den ersten Blick einen ziemlich fantastischen Eindruck, scheint aber Realitätsbezug zu haben.
Den hat es, weil der Hörer des Albums selbst der Held ist. Du bist der Held. Ich bin der Held. Jeder, der sich dazu entscheidet, die Scheibe anzuhören. Jeder ist sein eigener Messias, sein eigener Erlöser und wir sollten den Krieger in uns einfach zum Leben erwecken. Nehmen wir zum Beispiel mal die arabischen ORPHANED LAND-Hörer: sie hören die Band, obwohl sie wissen, dass wir Israelis sind. Obwohl ihnen schon in der Schule beigebracht wurde, dass Juden und Israelis der Teufel sind, dass sie uns hassen müssen und töten sollen. Diejenigen, die ORPHANED LAND trotzdem lieben, sind ebenfalls Krieger des Lichts. Ich kenne ein Video von einem drei Jahre alten arabischen Kind, das voller Inbrunst sagt, dass Juden sterben müssen. Wenn solche Leute aufwachen und begreifen, dass wir alle Eins sind, unserer Band trotz aller Schwierigkeiten und Gefahren folgen… Tja, dann sind sie die Krieger des Lichts – die Leute, die wissen, dass alles Eins ist und dass man eine Kultur nicht teilen kann. Menschen, die um den Frieden ringen, für Freundschaft, Hoffnung und Glauben kämpfen.
Darum geht es beim Album, darum geht es beim Licht. Wenn du die Reise bis zum Licht beendest, wirst zu erkennen, dass wir alle gleich sind. Solange wir in der Dunkelheit sind, schauen wir alle anders aus, denn: im spirituellen Aspekt befinden wir uns in einem Holocaust der Dunkelheit. Deshalb haben wir so viele Fragen, sehen und verstehen nicht, dass wir uns in der Dunkelheit befinden. Weil wir im Dunkeln sind stellen wir nicht die richtigen Fragen, verstehen die Dinge falsch. Wenn du im Licht bist, siehst du die Dinge wie sie sind. Du wirst die Wahrheit erkennen, eine Botschaft des Friedens finden und verstehen, dass dieser Kreislauf des Blutvergießens und die Kriege, die wir seit Ewigkeiten führen, umsonst sind.

Für dieses Verständnis zwischen den Völkern kämpft ihr mit ORPHANED LAND schon seit 18 Jahren. Wie wir den Albumtitel aber gerade auch schon interpretiert haben, scheint sich in fast zwei Jahrzehnten aber nicht allzu viel zum Guten geändert zu haben…
Auf der einen Seite hast du damit wohl recht. Wir singen seit 18 Jahren mehr oder weniger über die gleichen Dinge. Unsere Songtexte können leicht mit denen unserer Anfangszeit verglichen werden. Auf der anderen Seite siehst du aber auch, dass wir am Anfang kaum Fans hatten und mittlerweile Tausende Hörer haben – und ich meine damit auch arabische Fans! Jeder kennt sich ein wenig mit der Geschichte des Nahen Ostens aus; aber du musst hier leben, um sie zu verstehen. Du musst hier leben um zu begreifen, wie bizarr es ist, dass tausende Araber eine israelische Band verehren. Das ist unglaublich, grenzt praktisch an ein Wunder. Und das passierte keiner Jazz-Band, keiner New Age-Gruppe, keiner Rock-Band oder dergleichen – das passierte einer Metal-Band! Ich glaube, dass die Metalheads den Menschen ein perfekt Beispiel sind, wie die Welt zu einer friedlichen Gemeinschaft zusammenwachsen könnte, in der alle Menschen gleich viel wert sind, egal welche kulturellen Hintergründe sie haben. Das ist etwas, das wir wirklich begreifen müssen.
Du musst außerdem bedenken, dass viele unserer arabischen Fans aus Ländern kommen, in denen kaum Demokratie herrscht – sehr viele sogar aus Diktaturen. Die können nicht einfach so mit einem Morbid Angel-Shirt, langen Haaren und tätowierten Armen über die Straße laufen. Jedenfalls nicht ohne dafür bestraft oder wie Teufelsanbeter behandelt zu werden. Für mich sind diese Leute die mutigsten Metalheads, die ich je kennen lernen durfte – ich verneige mich vor so viel Mut.
In dieser Hinsicht gibt es also durchaus Erfolge zu verbuchen. Wir haben es geschafft, tausende Freundschaften zu schaffen, tausenden Menschen Hoffnung zu bringen. Führt man sich die weltlichen Ausmaße vor Augen, kann man natürlich sagen, dass diese Zahlen gar nichts sind. Aber ich finde, es ist ein bisschen mehr als Nichts. Wenn es heute Tausend sind, rufe ich meinen Krautesser Dennis und anderen Magazinen an, damit es am nächsten Tag doppelt so viele sind. Das nächste Jahr sind es Hunderttausend mehr. DIESE Menschen werden den Unterschied machen, weil sie ihren Kindern beibringen können, dass alle Menschen gleich sind. Sie werden Freundschaften mit Metalheads von der ganzen Welt pflegen – auch mit Israelis. Das ist einfach großartig.

Das ist teilweise auch die Aussage des Films „Global Metal“, für den euch der Macher Sam Dunn vor die Kamera geholt hat. Was bedeutet es euch, Teil dieses Films zu sein?
In erster Linie war es einfach großartig, dass ein Film über dieses Thema gemacht wurde und wir auch noch ein Teil davon sein durften. Wir haben das Gefühl, dass die Metalwelt durstig nach etwas Neuem ist. Wir alle kennen den norwegischen Black Metal, den schwedischen Death Metal, den Folk aus Finnland, deutsche Power Metal-Truppen und die female fronted-Bands. Aber wir brauchen jetzt etwas Neues. Deshalb ist „Global Metal“ auch so toll: den Metalheads werden auch Bands aus unkonventionellen Ländern, die nicht für ihren Metal bekannt sind, nahe gebracht.Ich habe Sam Dunn auf dem Wacken Open Air 2006 getroffen, als wir mit ORPHANED LAND dort gespielt haben. Er hat unsere Musik und unseren Stil bewundert und noch dazu verstanden, worum es uns bei unserer Musik geht. Für den Film hat mich die Crew mit nach Jerusalem genommen und mich dort gefilmt. Ich war zu der Zeit zwar ziemlich krank, aber es war eine einmalige Erfahrung. Ich habe all das wirklich sehr genossen.

Dieser Wacken-Auftritt ist natürlich vielen in Erinnerung geblieben. Beeindruckend war aber auch eure Performance auf dem Brutal Assault 2009 in Tschechien. Vor allem zu sehen, dass Metalheads aus Dubai und Ägypten zusammen mit angereisten ORPHANED LAND-Fans aus Israel Party machen und eure Musik genießen konnten.
Wir haben dort ja schon darüber gesprochen – es war einfach unglaublich. Als wir dort auf der Bühne standen, haben wir uns gefühlt, als wären wir die Mitte dieser Leute. Klar, wir sind Israelis, sind Juden – aber als ORPHANED LAND haben wir keine eigene Nationalität. Wir transportieren alle anwesenden Nationalitäten und repräsentieren diese. Die ägyptischen Fans vor Bühne mit uns singen gesehen zu haben, war unbeschreiblich. Es bedeutet mir sehr viel zu sehen, dass sie die Botschaft von uns verstehen. Wie du schon sagtest: Juden aus Israel standen neben Arabern aus Ägypten und Dubai, daneben wart ihr Europäer und ihr konntet alle zusammen Spaß haben – es hat uns glücklich gemacht, das zu sehen. Nur darum geht es uns, weswegen solche Auftritte auch die größten Erfolge sind, die wir haben können.
Es wäre natürlich toll, nach Dubai gehen und auf dem Desert Rock Festival spielen zu können. Ich würde mir wirklich wünschen, dort vor unseren Fans spielen zu können. Eines Tages vielleicht…

Oft genug probiert habt ihr es ja bestimmt schon, oder?
Klar, natürlich. Aber die politische Situation ist einfach beschissen. Warum sollten sie uns dort spielen lassen? Das würde eine Menge Kritik seitens der fundamentalistischen Araber bedeuten. Die Zeit wird kommen, dass wir einmal dort auftreten – daran glaube ich wirklich. Aber noch ist sie nicht gekommen.

Allgemein werden euch von verschiedenen Regierungen genug Steine in den Weg gelegt. Aufgrund der bloßen Tatsache, dass ihr Israelis seid, dürft ihr praktisch in keine arabischen Länder einreisen.
Genau so ist es leider. Wir sind eine der wenigen Bands, die nicht für all ihre Fans spielen können. Es ist frustrierend, weil du deine Hörer erreichen, für sie spielen und dich mit ihnen treffen willst. Wir wollen zusammen feiern. Trotzdem…

… oder gerade deswegen?
(lacht) Ja, auch das. Es ist auf jeden Fall umso schöner zu wissen, dass man Fans aus diesen Länder hat. Ich weiß von arabischen Fans, die ORPHANED LAND-Tattoos haben. Ich weiß von Leuten die ins Gefängnis gesteckt wurden, weil sie sich unsere Musik anhörten. Das ist traurig, natürlich. Aber es ist gleichzeitig faszinierend die Kraft der Musik zu sehen, beobachten zu können, was Musik dort erreicht, wo die Politiker längst versagt haben.
Ich werde ORPHANED LAND niemals aufgeben, auch wenn du mir anbietest, Millionen in der Industrie zu verdienen. Ich würde die Band niemals aufgeben, weil wir eine wichtige Mission haben, den Leuten mit unserem Metal Hoffnung spenden müssen. Die Band wurde Ende der ’90er, Anfang des neuen Jahrzehnts sechs Jahre lang auf Eis gelegt. Ich saß daheim und bekam eine E-Mail von einem Kerl aus Jordanien, obwohl von meiner Band schon einige Zeit nichts mehr zu hören war. Der Mail war eine Video-Datei angehängt. Als ich sie geöffnet habe, hörte ich unsere Musik im Hintergrund, während im Vordergrund ein Kerl sein T-Shirt auszog und ich auf seinen Schultern ein ORPHANED LAND-Tattoo erkennen konnte. Da habe ich begriffen: meine Band ist tot und da schickt mir dieser Kerl aus Jordanien, einem Eck, in dem ORPHANED LAND noch nie waren und eigentlich auch keine Bekanntheit haben, eine E-Mail. Das war ein Weckruf!

Es ist doch ziemlich paradox, wenn man bedenkt, dass ein Israeli von einem Araber erweckt wurde, oder nicht?
Allerdings! (lacht) Es war ein Zeichen. Und seit diesem Weckruf kann ich ohne die Band nicht mehr leben und würde sie auch nicht aufgeben, wenn ich dafür in den Gassen für Brot betteln müsste.

Solange ihr weiterhin so fotogen bleibt, wie ihr auf den aktuellen Promo-Fotos zu „The Never Ending Way Of ORwarriOR“ bewiesen habt, stehen euch ja noch andere Einnahmequellen offen.
Haha, danke für die Blumen! (lacht)

Wie kamt ihr eigentlich auf die Idee, euch als Vertreter des Christentums, des Judentums und Islams zu verkleiden? Was war eure Intention dahinter?
Die Intention hinter der ganzen Sache ist eigentlich sehr simpel. Aber zuerst muss ich sehr klar und deutlich eines sagen: wir sind keine White Metal-Band, auch wenn es manche Leute gerne so hindrehen. Wir sagen den Leuten nicht, dass Religionen toll sind und man an einen Gott glauben sollte. Darum geht es bei ORPHANED LAND nicht und es ist wichtig, das klarzustellen.Das Foto haben wir gemacht, weil es gut zu unserer Musik passt. Wir nehmen unterschiedliche Kulturen in unsere Musik auf, schaffen Synergie und Harmonie zwischen ihnen. Weil wir aus dem Nahen Osten kommen, geben wir den drei abrahamitischen Religionen natürlich viel Aufmerksamkeit. Wir finden es einfach abartig, dass sich die Menschen verschiedener Religionen gegenseitig töten, obwohl sie eigentlich an den selben Gott glauben.
Einige Araber sollen sich auch schon darüber beschwert haben, dass das Foto zu weit geht. Aber hier denke ich: wenn jemand findet, dass dieses Foto zu weit geht – was kannst du dann dazu sagen, dass sich tausende Menschen gegenseitig scheinbar im Namen ihres Gottes umbringen, obwohl sie eigentlich an den gleichen glauben? Wie lächerlich kann denn DAS sein? Wir haben deshalb versucht, unsere Musik über dieses Foto auch visuell zu reflektieren. Dadurch, dass wir alle verschiedenen Einflüsse, die Gegensätze, die Gesänge in verschiedenen Sprachen, die unterschiedlichen traditionellen Instrumente und all das in ein Konzept packen, erschaffen wir definitiv eine Utopie. Davon handelt auch das Bild. Es zeigt eine Utopie. Du siehst die jüdischen Männer, wie sie wie Muslime beten. Du siehst die arabischen Männer, die ein jüdisches Gebetsbuch in ihren Händen halten und wie Juden beten. Und in der Mitte ist Jesus mit Maria Magdalena. Es wird also eine Utopie dargestellt. Was wir also damit sagen wollen ist: „Ja, eine Utopie ist unmöglich. Aber das ist ORPHANED LAND. Und ORPHANED LAND ist möglich. Das alles kann also möglich sein, wenn du unsere Musik hörst.“

Und in der Realität? Wie siehst du die derzeitigen politischen Entwicklungen in Israel und ihm Nahen Osten allgemein?
Ich weiß nicht so recht. Ich lasse mich nicht politisieren – wenn du dich zu sehr damit beschäftigst, ergreifst du Partei. Wir befassen uns natürlich mit den politischen Problemen, aber sehen das alles niemals persönlich. Es gab so viele Versuche, Friedensverhandlungen ins Laufen zu bringen – und sie sind so viele Male gescheitert. Ich weiß also nicht so recht, was ich dir darüber erzählen soll. Ich hoffe einfach, dass all diese Leute ihren Geist öffnen können und wir eines Tages Frieden haben, wenn sie begreifen, dass wir alle gleich sind.

Du hast es schon angesprochen: es stecken unglaublich viele Details und verschiedene Einflüsse in eurem neuen Album – ihr habt keine Mühen und Arbeiten geschont. Ihr habt allein 600 Stunden im Studio verbracht, mit dem Arabischen Orchester von Nazareth zusammengearbeitet, habt Gesang auf Hebräisch, Arabisch, Englisch und sogar auf Jemenitisch. Warst du letzten Endes selbst ein wenig erstaunt oder sogar erschrocken, wie groß und umfassend all das geworden ist?
Oh ja, da sprichst du mir von der Zunge. Aber am meisten hat mir zu denken gegeben, wie tief und voll von Informationen das Album ist. Wenn du es dir nicht mindestens 5-10 Mal anhörst, verstehst du es nicht und kommst nicht in die Materie. Davor fürchte ich mich ein wenig. Wenn man ORPHANED LAND hörte, war es aber immer schon wichtig, tief in die Musik einzudringen. Ich würde den Leuten einfach empfehlen, es immer und immer wieder zu hören. Selbst nach dem 20. Mal wirst du immer weiter neue Details erkennen. Es ist so reich an Informationen, Farben und Klängen. Steven Wilson (Produzent; arbeitete erfolgreich mit Opeth, ist Mastermind von Porcupine Tree – Anm. d. Verf.) sagte, er habe noch nie zuvor ein komplexeres Album gemixt.

Wo du gerade von ihm sprichst: Steven hat außerdem die Keyboards auf der neuen Scheibe gespielt. Habt ihr die Suche nach einem dauerhaften Keyboarder denn beendet?
Nein, eigentlich nicht. Aber wir nutzen so viele Instrumente auf unserem Album, weißt du. Warum also nicht erst die nutzen, bevor wir uns einen neuen Keyboarder holen? Das Keyboard ist ein tolles Instrument, aber für uns nur ein weiteres, auf das wir nicht angewiesen sind, solange wir das Schlagzeug, den Gesang, die Gitarren und den Bass haben. Im Moment suchen wir also nach keinem festen Keyboarder, weil wir so eine Vielfalt anderer Instrumente haben. Wenn wir auf der Bühne stehen, können die Keyboard-Parts auch vom PC kommen. Würden wir alle Instrumente immer live dabei haben, wären wir gut 20 Leute auf der Bühne – das geht natürlich nicht. Steven hat wirklich einen erstklassigen Job mit den Keyboard-Passagen hingelegt. Es macht uns sehr glücklich, dass wir das Privileg hatten, ihn um uns herum zu haben und mit ihm arbeiten zu können.

Für das Rock Hard Festival im Mai und Summer Breeze im August wurdet ihr schon bestätigt. Wie stehen denn die Chancen, dass eine Tour daraus wird?
Daran arbeiten wir gerade eifrig. Wie du weißt, spreche ich gerade vom Century Media-Hauptquartier mit dir. Nachher wird noch ein Booker von ICS vorbeikommen und wir werden uns beraten, wie wir mehr Tourdaten zusammenbekommen können. Ich rufe also dich und dein Magazin, zahlreiche Promoter und Booker an und hoffe, dass sie uns auf einer ihrer Bühnen sehen wollen. Wir wollen 2010 mit so vielen Konzerten wie möglich füllen!

Wird dann auch Shlomit Levi, die mit ihrem Gesang wieder einen großartigen Job auf der Scheibe machte, mit von der Partie sein? Zumindest für ein paar ausgewählte Termine?
Das ist einzig eine Frage des Budgets. Wenn es niedrig ist, müssen wir ohne sie kommen. Aber wenn die Promoter etwas mehr Geld zur Verfügung stellen – für extra Flüge und Essen – bringen wir sie definitiv mit, ja!

In Mark Levins Buch „Heavy Metal Islam“ werdet ihr als einflussreichster Metal-Act des Nahen Ostens gehandelt. Das würde ich zwar sofort so unterschreiben, interessiere mich aber doch dafür, wie ihr selbst euren Einfluss dort wahrnehmt.
Angesichts der Tatsache, dass die Band nun schon seit 18 Jahren besteht: wir waren die erste Gruppe, die Elemente dieser Region mit dieser Art von Musik kombiniert hat. Wir nahmen die traditionellen Instrumente, verknüpften sie mit unserer Musik. Wir nahmen die verschiedenen Sprachen, wie das Hebräische und Arabische und verknüpften sie mit unserer Musik – das alles geschah in einem sehr langen Prozess. Wir waren die ersten, die so etwas versuchten. Heute gibt es viele Band, die es uns nachmachen. Einige aus den arabischen Ländern haben es dabei natürlich deutlich schwerer als wir. Für uns war es relativ einfach, weil Israel eine Demokratie ist und sich dem Westen relativ früh öffnete. Viele andere Bands hatten dieses Glück nicht. Trotzdem gelten wir wohl als Flaggschiff des Metals in dieser Region.

Kobi, was hältst du davon, wenn wir das Interview mit einem kleinen Brainstorming ausklingen lassen?
Klar, gerne!

Sehr gut. Was fällt dir also zu den folgenden Begriffen ein:

Slayer: Auschwitz, the meaning of pain! (lacht)
Brutal Assault: heftiges Festival
Jerusalem: eine Synergie von drei Religionen mit einer großen Mauer in der Mitte
Kreplach (tradit. Gericht der jüd. Küche – Anm. d. Verf.): Etwas, das ich nicht esse

Sag bloß, du magst es nicht?
Nein, ich hasse es! (lacht)

Metal1.info: Tolles Magazin mit interessanten Interview-Fragen

Kobi, toda raba! Machs gut und halt die Ohren steif!
Thank you very much, dankeschön! Prost! Wir sehen uns – pass auf dich auf!