Interview mit P.H.O.B.O.S.

Hey, wie geht’s?
Alles super, danke.

So geschmacklos die Frage auch klingen mag, was denkst du ist die Bedeutung des Lebens?
Geschmacklose Antworten, such dir eine aus: "Life’s a beach" (Jon Bon Jovi) oder "Only death is real" (Tom G. Warrior).

Was liest du zur Zeit an Büchern und welche Musik habt ihr zuletzt eurem Ohr zugeführt?
Yeah, verschiedene Bücher zur Zeit. "Bardo Thodol (tibetanisches Buch der Toten)", "Se questo e un uomo" von Primo Levi, "White Line Fever" von Lemmy Kilmister (Motörhead) und auch "Die satanische Bibel" von Anton Szandor LaVey. Musik hören wir zur Zeit zum Beispiel die letzten Sachen von DeathSpell Omega, Hyatari, The Mars Volta, Om, Rad Sparowers, Mono, YOB, In Slaughter Natives, und andere.

Was hebt P.H.O.B.O.S. von anderen Bands heutzutage ab?
Das kann ich nicht wirklich sagen. Die Unterschiede sind nicht beabsichtigt. Was die Musikart angeht, so scheint der Durchschnitts-Metaller ein Problem damit zu haben, dass dies eine "Ein-Mann-Band" ist und diese Band zu speziell klingt, aber das stört mich nicht die Bohne. Ich persönlich musste mir Bathory, Tricky oder Burzum nie live vorstellen um die Kraft und die Visionen, die hinter ihrer Kunst stehen, zu begreifen. Musikalisch gesprochen denke ich, dass es einen Unterschied in der Ballance gibt, die ich zwischen Gitarre und Synthesizer sowie zwischen Ambient und dicken Riffs versuche zu erreichen. Ich will da gar keinen Musikstil bevorzugen oder vernachlässigen. Nur eine chaotische Dunkelheit zu erzeugen ist mein Ziel, mit welchen Mitteln und in welchem Formen auch immer.

Wie würdest du die Musik von P.H.O.B.O.S. beschreiben?
Das wäre eine schwere Aufgabe, ich könnte nur sagen, dass die Musik dunkel, schmutzig, unflätig, laut und verdammt heavy ist. Es gibt Gitarren, Synthesizer, abscheuliche Stimmen, stampfende Drums.. ich kann und will meiner Musik kein Etikett beifügen, denkt einfach an folgende Namen: Ministry, Godflesh, Skinny Puppy, Bathory, Scorn, Khanate, Teeth Of Lions Rule The Divine, et cetera. Wenn du eine dieser Bands magst (nicht nur einen Song) und wenn deine Ohren vor deinen Augen offen sind, kannst du sicherlich etwas mit P.H.O.B.O.S. anfangen.

Am 15.06.2003 gaben P.H.O.B.O.S. ein Konzert im "The Batcave" in Holland – wie reagierten die Fans auf diesen exklusiven Auftritt?
Ziemlich höfliche Reaktionen, keine Buh-Rufe aber es fiel auch niemand in Ekstase. Ich denke das Publikum dachte sich "Was zur Hölle geht hier denn ab?" in dieser Stunde. Die meisten der Leute da kannten P.H.O.B.O.S. nicht und es war nicht gerade der beste Platz um meine Musik kennenzulernen. Industrial oder dunkle Synthesizer Musik ist nun mal kein Rock’n’Roll oder Metal. Die Leute müssen sich konzentrieren, sie müssen die einzelnen Fragmente mehrmals hören und sie sollten auf jeden Fall das Image und die Schubladen vergessen bevor sie den Sinn von P.H.O.B.O.S. versuchen zu interpretieren. Ich hatte vor dem Konzert diesen Drang live aufzutreten und nach dem Konzert wurde mir klar, dass P.H.O.B.O.S. einfach keine Livemusik machen. Mein Projekt hat mit lauten Klängen und Rhythmen für unvoreingenommene Köpfe zu tun, der Rest kann mir gestohlen bleiben.

Welche Musiker und Bands respektierst du?
Tote wie lebende Musiker die eine reale und starke Vision haben/hatten die deinen Ohren sofort begreifen und die sich in ihrer Entwicklung immer truer bleiben/blieben. Um mal ein paar Namen zu nennen: Justin Broadrick, Les Claypool, Jimi Hendrix oder Bands wie Einstürzende Neubauten, Pink Floyd, Voivod, Meshuggah, Neurosis, Rammstein. Ich halte auch viel von Mick Harris oder Mike Patton, obwohl ich nicht für jedes Projekte empfänglich bin.

Hast du je mit Drogen experimentiert und wie ist deine Sicht der Dinge in Bezug auf Drogen?
Die Frage ist nicht musikalischen Ursprungs und zu persönlich um beantwortet zu werden.

Okay, und wie denkst du über Kulturen/Gesellschaften die fremde Traditionen, Religionen oder Praktiken anderer Kulturen sich aneignen?
Wieder nicht musikalisch, aber ich habe damit kein Problem. Ich benutze keine Begriffe wie Gesellschaft, Nation, Kollektiv oder was auch immer, lediglich Individualität zählt. "Every man’s got the right to decide his own destiny..” sagte Bob Marley einmal.

Wie denkst du über den heutigen Metal?
Bei über 90% der heutigen Veröffentlichungen ist es definitiv Musik von gestern. "Metal" oder "Hardcore" bedeutet einfach nichts mehr für mich, seitdem sich alle Genres verwässert haben und nur noch "Auto-Parodien" existieren. Ich denke die Spitze war um die 90iger erreicht, mit dem Aufstieg des Black Metals. Bei Metal geht’s um headbangen, Spaß, Hörner zeigen, Melodie und Soli. Ich hasse diese verdammten, kindischen Traditionen und Rituale. Obwohl einige Bands dem Genre frischen Wind einhauchen, wie zum Beispiel Meshuggah oder Dillinger Escape Plan. Oder andere Künstler die es wirklich versuchen Metal mit anderen Musikrichtungen in Verbindung zu bringen (zum Beispiel Jazz, Industrial, Tribal, Elektronische Musk, et cetera) wie Ephel Duath oder The Axis Of Perdition. Es gibt auch interessante Weiterentwicklungen im Doom Genre, aber für mich ist Doom kein Metal. Es ist einfach langsame und schwere Musik, manchmal ist es Metal, aber wirklich nicht oft.

Denkst du in Zeiten des internationalen Musikhandels können P.H.O.B.O.S. mehr Fans gewinnen?
Wenn du CDs brennen oder downloaden als "Musikhandel" deklarierst, dann ist das kein Problem der Konsumenten. Aber kommerziell gesehen ist das eine andere Sache, besonders für die Künstler. Ich weiß, dass meine Musik verdammt speziell ist und ich würde einen Fan-Zuwachs sehr schätzen, aber das ist nicht der Hauptzweck. Ich würde lieber meine Kunst mit anderen, gleichgesinnten Leuten tauschen und nicht damit die Masse füttern.

Was wäre dein idealer Tod?
Beim Lesen eines deutschen Metal Webzines zu sterben, argh argh..

Und nun lass uns unser kleines metal1.info "Was fällt dir ein zu.."-Spiel spielen:
Mischung aus Metal und anderen Musikstilen (z.B. Hip Hop): Unvermeidlich um interessant zu bleiben.
Devin Townsend: Sehr talentiet und produktiv, aber nicht meine Welt.
Ras Algethi: Wer?
Handy-Klingeltöne: Nichts, ich hab‘ keins.
Deutschland: Stärke.
14ter Juli: Feuerwerk.
Metal1.info: Kannte ich bisher noch nicht.

Das beantwortet all meine Fragen, danke für das Interview und verfüge nun frei über das letzte Wort. (-;
Danke für das Interesse.

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