CD-Review: P.H.O.B.O.S. - Anœdipal

Besetzung

Frederic Sacri - Alle Instrumente und Gesang

Tracklist

01. Unzen/To Disrupt The Cycle Of The Fæces
02. Hans & Horses/To Unbind Father And Son
03. Post Theophanies/To Unbind The Son And The Holy Ghost
04. Destrud Mortid/To Comply With The Cruel Contract
05. Algo Lagnia/To Embrace The Rites Of Masoch
06. Elitotems/Odimus Profanum Vulgus


Frankreich ist jetzt prinzipiell ja nicht so das Land, das man direkt mit extremeren Ausprägungen des Metals in Verbindung bringen würde, aber ich fand die Szene unserer westlichen Nachbarn schon immer ganz interessant. Mit Bands wie Anorexia Nervosa, Belenos, Angmar und Konsorten stammen einige Gruppen aus der Gegend, die ich mit der Zeit kennen und schätzen gelernt habe. P.H.O.B.O.S. kommen (oder kommt, ist immerhin mittlerweile ein Ein-Mann-Projekt) ebenfalls aus Frankreich, aus der Stadt der Liebe, Paris, um genau zu sein. Und Mastermind Frederic Sacri hat es sich zur Aufgabe gemacht mit der Band im Allgemeinen und mit seinem zweiten Album „Anœdipal“ im Speziellen die Grenzen des Wörtchens „Extrem“ auszuloten.

Als eine Mischung aus Black und Doom Metal, Industrial und Drone-Einflüssen sowie einer Priese Noise wurde der Nachfolger des 2005er-Outputs „Tectonics“ angepriesen, aber so ganz trifft es den Kern der Sache nicht. Noise finde ich auf dem Album zum Beispiel keinen. Klar, Sacri gestaltet seine sehr verstörende(/verstörte?) Musik mit vielen dissonanten Gitarrenakkorden, aber es bleibt doch immer im Rahmen dessen, was man noch tatsächlich als „Musik“ bezeichnen könnte. Auch Drone steckt hier nur in Ansätzen drin, dazu schlägt „Anœdipal“ ein zu hohes Tempo an und dazu ist das Gitarrenspiel zu präsent. Hier werden nur selten einzelne Töne bis zum Ebrechen ausgehalten (was ich persönlich gut finde, bin ich doch kein großer Drone-Freund).

Der Rest hingegen beschreibt die Sache ziemlich gut. Industriell wirkt die Musik durch das extrem getriggerte und heftig verhallte Schlagzeug, sowie die sehr maschinell wirkenden Harmonien. Black Metal findet sich auch, vor allem in den sehr krassen Vocals, die Sacri von sich gibt. Es sind keine wirklichen Schreie im klassischen Sinn, es ist… Man muss es gehört haben, um es erfassen zu können. Und Doom steckt hier wirklich in jeder Nuance drin, auch wenn die Musik wie gesagt eher im Midtempo unterwegs ist, aber einen relativ schleppenden Charakter kann sie nicht von sich weisen.

Rein technisch wäre die Musik damit relativ ausreichend beschrieben, aber trotzdem wage ich zu behaupten, dass niemand, der die letzten beiden Absätze gelesen hat, sich wirklich ein klares Bild von P.H.O.B.O.S. Schaffen machen kann. „Anœdipal“ spottet einfach jeder Beschreibung und ist etwas, was man gehört haben muss, um es zu glauben. Die Musik ist so monoton, dass jeder weniger begabte Mensch einen richtigen Langweiler aus dem Album hätte machen können, aber Sacri schafft diese enge Gratwanderung und packt den Hörer an der Kehle und lässt ihn von ersten bis zum letzten Song des Albums nicht mehr los. So dicht ist die Atmosphäre, dass kaum Raum zum Atmen bleibt.

Vergleiche anzustellen ist immer schwierig, vor allem wenn man so individuelle „Musik“ (falls man „Anœdipal“ überhaupt so nennen kann) vorliegen hat. Aber was mir am ehesten in den Sinn kommt, wenn ich das disharmonische Sägen der Gitarre höre ist vielleicht die „Monotheist“ von Celtic Frost, oder aber auch die CDs „The Ichneumon Method“ und „Deleted Scenes From The Transition Hospital“ von The Axis Of Perdition, nur ohne den großen Ambient-Anteil. P.H.O.B.O.S. Musik ist puristisch und bösartig, allerdings alles andere als altbacken. Wer Spaß an dem hat, was ich persönlich liebevoll „kranker Scheiß“ nenne, der ist bei „Anœdipal“ richtig aufgehoben. Alle anderen sollten lieber einen Bogen darum machen.

„Anœdipal“ kommt übrigens im schicken A5-Digipack ins Haus, das sich so richtig schön schlecht ins CD-Regal stellen lässt, dafür aber wie gesagt extrem edel ausschaut.

Bewertung: 9 / 10

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