Interview mit Cruinh von Rimmersgard

Das erste Demo-Tape „A Venturer’s Mind“ (Auflage: 222 Stück) der Epic-/Melodic-Metal-Band RIMMERSGARD aus dem Erzgebirge wurde 1997 in Eigenregie in den eigenen vier Wänden daufgenommen, 2001 folgte das zweite Album „ErzHerz“ (Auflage: 522 Stück). 2017 wurde „A Venturer’s Mind“ überraschend neu herausgebracht. Grund genug, RIMMERSGARD-Sänger und -Mastermind Cruinh zum Interview zu bitten, um ein wenig in die Welt dieser Band einzutauchen, der die Musik wichtiger ist als die Vermarktung.

Ihr habt euer erstes Demo-Album „A Venturer’s Mind“ 2017 erneut mit zwei zusätzlichen Songs rausgebracht. Sind die beiden Stücke tatsächlich neu, oder waren sie bisher nur unveröffentlicht?
Die beiden Stücke auf dem Re-Release sind nicht neu. Bei „Legend´s Domain“ handelt es sich um die Neuaufnahme eines Liedes, welches auf unserer zweiten Veröffentlichung, „ErzHerz“, erschienen war. Die Idee, dieses Stück neu aufzunehmen, stammt aus dem Jahre 2005 und wurde auch da realisiert. Zu dieser Zeit gab es vonseiten eines Labels das Vorhaben, ein Re-Release des ersten Demos zu machen. Daraus wurde aber damals nichts. So musste die neu aufgenommene Version noch einige Jahre auf Veröffentlichung warten.

„Melancholy“ ist ein Instrumental, welches aus dem Jahre 1995 stammt und von Asmon am Klavier und mir auf Alt-Flöte gespielt war. Bis auf einige Kassetten mit Probeaufnahmen aus dieser Zeit, die einige Freunde von uns erhielten, ist dieses Stück noch nirgends vorher erschienen. Für die Neuaufnahme, welche ich 2016 einspielte, wählte ich statt des Klaviers ein synthetisches Instrument auf dem Keyboard.

Wie kam es zu der Entscheidung, das erste RIMMERSGARD-Demo erneut nachzudrucken, insbesondere in der alten Qualität? Warum gibt es keine Neuaufnahme in besserer Klangqualität? Hat der ursprüngliche „Garagenklang“ für dich eine nostalgische Bedeutung?
Die Idee, das Demo wiederzuveröffentlichen, ist nicht neu. Zuerst war es ein Label aus Lettland, welches mir 2000 oder 2001 eine Wiederauflage vorschlug. Das verlief im Sande. 2005 gab es erneut ein nicht in die Tat umgesetztes Vorhaben des Labels. Ansonsten gab es noch einige weniger seriöse Angebote. Im Jahre 2016 hatte ich eine weitere Mail erhalten, die das Vorhaben aufgriff. Dieses Mal trug es Frucht. Es war nicht unsere Entscheidung, sondern die Anfrage von Beverina Prod. und Casus Belli Musica.

Der „Garagenklang“ der Originalaufnahmen rührte daher, dass wir die Stücke quasi als Live-Sessions in unserem damaligen Proberaum mittels Geräten, die zum Teil noch aus der DDR stammten, aufgenommen hatten. Wenn ein Lied soweit fertig geschrieben war, haben wir beim Spielen eine Kassette mitlaufen lassen (nebst vielen unfertigen Aufnahmen). Die besten Versionen haben wir zusammengetragen. Es war dann auch die Idee von Marcel „Darkmoon“ Spaller, dem Betreiber des Labels „Sombre Records“, den wir bereits seit seinen Kindertagen kennen, die Aufnahmen als Demo zu veröffentlichen. Meine Entscheidung war es, die Originalaufnahmen zu verwenden. Neuaufnahmen waren nicht möglich, da wir zu dieser Zeit (und das seit 1999) über keinen Proberaum verfügten und die Mitmusiker Im Lande verstreut waren.

Für mich persönlich hat die Proberaumqualität durchaus nostalgische Bedeutung. In Zeiten, in denen das meiste digital geschieht und einzelne, wenngleich begabte Personen in der Lage sind, ganze Band-Arrangements allein abzuliefern, erinnere ich mich gern an die Tage von damals zurück. Wir haben noch zusammen gespielt und gesungen. Gemeinsames Musizieren ist eine spezielle Form der Kommunikation, vor allem das Improvisieren. Mich persönlich sprechen auch heute eher Aufnahmen an, bei denen man hört, dass sie authentisch sind, auf echten Instrumenten gespielt wurden. Oftmals bedeutet ein Mangel an perfekter Produktion im Gegenzug ein Mehr an Dynamik. Derlei Aufnahmen können sich organischer und romantischer anhören. Mir persönlich ist das lieber. Vorausgesetzt, es ist gute Musik.

Warum gibt es kein vollwertiges, neues RIMMERSGARD-Album? Oder darf man auf jenes zukünftig noch hoffen?
Das darf man. In den vergangenen 15 Jahren haben wir, wenn wir uns trafen, viele Sessions und Improvisationen geklimpert. Somit ist viel Material für weitere Veröffentlichungen vorhanden. Es muss natürlich geschliffen werden, also wirkliche Stücke daraus gemacht werden. Wo andere Bands zielstrebig arbeiten, herrschte bei uns eher Stillstand. Ich selbst konnte mir nicht vorstellen, mich in einem Proberaum wohlzufühlen, der in irgendwelchen Industriebrachen angemietet ist. Auch ein längerer Anfahrtsweg wäre für mich eher kontraproduktiv. Darüber hinaus bin ich ein lausiger Geschäftsmann. Mich selbst und unsere Musik zum Markte zu tragen, liegt mir überhaupt nicht. Ich bin in der Hinsicht eher bescheiden. Marketingstrategien anderer Bands (lebt als Einsiedler in einem abgelegenen Wald, schreiben ihre Texte mit dem eigenen Blut usw.) mögen abenteuerlich klingen, wenn man Teenager und Fan einer Band ist. Als erwachsener Mensch im mittleren Alter hat man das dann alles lange als Verkaufsstrategien entlarvt. Andererseits wäre eine Vertragsbindung an ein Label mir auch zuwider. Klingt vielleicht auch kauzig. Möglicherweise sollte ich das Kauzige irgendwie ausbauen und als meine Marketingstrategie nutzen…
Wie klingt das: er schreibt seine Texte, indem er sie beim wilden Tanz im Wald um Mitternacht in den Schnee pinkelt…?

Es hat oft an Motivation gefehlt. Ich habe (und tue es noch immer) RIMMERSGARD nie als konventionelle Band empfunden, sondern eher als Ensemble ohne Verpflichtungen. Natürlich muss bei dem Vorhaben einer Veröffentlichung ernsthaft gearbeitet werden. Aber bei uns findet viel mit Improvisation statt. So gibt es zum Beispiel unter den Aufnahmen des Stückes „Jarnauga“ aus dem Jahre 1997 etliche Versionen, von denen sich aber keine zwei gleichen, was Gesang und Schlagzeug betrifft. Kurzum, wir haben bereits begonnen, an einer weiteren Veröffentlichung zu arbeiten, da wir seit Ende 2017 wieder einen Proberaum haben.

Einer der „neuen“ Tracks heißt „Melancholy“ und ist ein gefühlvolles, trauriges Instrumentalstück. Gab es nicht doch mal einen Textentwurf dazu? Oder kann man wahre Melancholie nur durch Musik und nicht durch Worte ausdrücken?
Nein, einen Textentwurf gab es zu „Melancholy“ nie. Der Titel schien mir passend zur Melodie. Sicherlich gibt es viele Wege, Melancholie auszudrücken. Ein Maler malt sie, ein Dichter schreibt über sie und ein Musiker spielt oder singt von ihr. Es ist immer auch eine Frage des Empfängers. Wenn das Bild, das Gedicht, die Musik von jemandem nicht verstanden wird, dann wird sie höchstwahrscheinlich auch nicht empfunden.

Kannst du dich erinnern, wann und wieso du den ergreifenden Song „Loneliness My Friend“ geschrieben hast? Oder ist dies zu lange her? Was fühlst du heute, wenn du den Song hörst?
Das war im Frühjahr oder Sommer 1997 beim Spielen im Proberaum. Der Textentwurf stammt von einem Kumpel (derselbe übrigens, der später Front- und Backcovermotive von „ErzHerz“ gemalt hat). Er hatte mir Stichpunkte geliefert, quasi ein Bild im Geiste gezeichnet, was er sich vorstellt. Ich habe die Worte dann formuliert und gesungen und die Gitarre gespielt. Das Stück gefällt mir noch immer und ich habe in den Jahren nach dem Veröffentlichen festgestellt, daß es eines unserer beliebteren Stücke ist. Unser Hit sozusagen.

„Loneliness joins my pathes“ – ist das heute noch aktuell?
Nein. Diese Textzeile war Ausdruck der Gefühlswelt meines jüngeren Ichs damals.

Mein alter Wissensstand war, dass ihr nie wirklich geplant habt, live aufzutreten. Aber ich las irgendwo, dass es doch einen Live-Auftritt gab. War dies eine einmalige Sache? Oder würdet ihr kommen, wenn man euch zu einem Live-Gig einlädt?
Wir hatten in der Tat nie geplant, aufzutreten. Daran hat sich auch nichts geändert. Ein Grund dafür mag sein, dass ich zu soziophob oder sonstwas bin, um vor Menschen zu singen. (Hm, Marketingstrategie?) Im Herbst 1999 spielten Aluco und ich als Gitarrenduo auf der Galerieeröffnung von Asmons Vater, einem Maler, vor etwa 20 Leuten. Aber einen Rimmersgard-Auftritt kann man das nicht nennen. Im Laufe der Jahre gab es einige wenige Anfragen von Veranstaltern. Und vor einigen Tagen fragte mich ein Mitglied einer recht bekannten Paganmetal-Gruppe, ob wir live-fähig seien. Das musste ich verneinen. Auch, weil wir, wie bereits erwähnt, keine feste und zielstrebige Band sind.

Die Inspiration zu einigen Songs stammt aus dem „Drachenbeinthron“. Für die, die in dieser Richtung gar nicht belesen sind, möchte ich dich bitten, dies noch ein wenig auszuführen (warum es so faszinierend ist).
Das kann ich objektiv so eher weniger beantworten. Da ich mich bereits seit meiner Kindheit zum, sagen wir zusammenfassend, „Fantasy-Genre“ hingezogen fühle, fiel der Buchtip eines Bekannten auf fruchtbaren Boden. Es handelte sich um die „Saga von Osten Ard“, deren erster Band den Titel „Der Drachenbeinthron“ trägt. Oftmals wird der ganze Roman (bestehend aus vier Bänden) so bezeichnet. Ich war knapp zwanzig und tauchte ein in eine unglaublich komplexe Welt. Und da ich eben diesen Roman vor „Herr der Ringe“ gelesen hatte, galt auch meine Faszination zuerst jenem. Ein Buch zu erklären, ist müßig. Die Handlung spielt in einer Welt und Zeit, die in etwa dem reellen Mittelalter nachempfunden sind. Dieser Roman kam für mich irgendwie zur rechten Zeit. Eine sehr subjektive Angelegenheit eben.

Ihr habt/hattet ja zwei sehr bekannte Bandmitglieder, nämlich Briantanus und Asmon (Fabula Aetatis, Eminenz und Ex-Cultus Ferox). Inwieweit trefft ihr euch heutzutage überhaupt noch bzw. gibt es noch den musikalischen Verbund von früher?
Asmon ist Gründungsmitglied von Rimmersgard und wir sind seit der Kindheit befreundet. Bescheiden darf ich anmerken, dass Asmon (das Schulfach Musik ausgenommen) seine ersten ernsthaften Erfahrungen im gemeinsamen Musizieren mit uns gemacht hat, die wir uns dann einige Zeit später eben Rimmersgard nannten. In der Tat hat er im weiteren Verlauf seiner Karriere in verschiedenen Bands und Projekten mitgewirkt. Seit 2000 oder 2001 ist er festes Mitglied der professionellen Drum’n’Pipes-Truppe „Fabula“, dessen Gründer und Chef wiederum Briantanus ist. Beide sind wegen der Musik und den Auftritten aus der Nähe weggezogen. Seitdem habe ich selten Kontakt zu jedem der beiden, in den letzten Jahren noch weniger.

„ErzHerz“ wurde bei Briantanus zu Hause aufgenommen (die Schlagzeuglinien jedoch noch im Proberaum). In diesen Jahren hatte ich viel Kontakt zu ihm. Wir hatten damals auch zusammen musiziert. Es gibt noch Aufnahmen mit Flöte und Gitarre. Es ging dabei aber nicht immer direkt um Musik, wir waren befreundet und besuchten auch andere Leute, die ähnliche Lebenseinstellungen hatten. Aber die Jahre ziehen ins Land. Den musikalischen Verbund von früher gibt es nicht mehr. Eine verbindliche Zusammenarbeit mit Asmon am Schlagwerk ist derzeit auch nicht geplant.

Natürlich sollten wir vornehmlich über „A Venturer’s Mind“ reden, da dies ja nun neu aufgelegt wurde. Aber mich würden trotzdem noch ein paar Fakten zum zweiten Demo-Album „ErzHerz“ interessieren.
Im ersten Stück „Stanzenlandschaft“ hört man zu Beginn Schüsse, die offensichtlich Vögel aus dem Himmel schießen (?). Das ist ja ein recht ungewöhnlicher Beginn für ein Album, gleichzeitig aber natürlich ernüchternd und mahnend. Wie entstand die Idee hierzu? Gab es einen bestimmten auslösenden Moment?
Das ist ja eine interessante Interpretation von „Stanzenlandschaft“. Die Vögel, deren Rufe zu hören sind, sind Rabenkrähen. Das Krachen stellt eine arbeitende Stanze dar. Das Intro soll eines der Bilder, wie ich sie bereits als Kind vor meinem geistigen Auge hatte, wiedergeben. In diesem Falle eine herbstliche Landschaft nach der Ernte mit brachliegenden Feldern, auf denen Scharen von Krähen krächzen. Und überall verteilt in der Gegend stehen riesige, hundert Meter hohe Stanzen, die krachend stanzen. Dieses Arrangement ist sicherlich am wenigsten repräsentativ von allen Stücken auf der Scheibe. Gerade deswegen steht es als Intro.

Überhaupt, welches Anliegen bezüglich des Schutzes der Natur oder des Einflusses der Natur auf dich oder den Menschen im allgemein schlägt sich (evtl. subtil) in deinen Texten nieder?
Bezüglich des Schutzes der Natur findet sich wenig in meinen Texten. Was deren Einfluss auf mich betrifft, schon eher. Ich singe über die Natur mancherorts. Allem voran die Wälder. Hier im Erzgebirge gibt es noch zum Teil ausgedehnte Waldflächen, die jedoch mit den Ur-Wäldern dieser Gegend aus lange vergangenen Tagen kaum noch etwas gemein haben. Eine lateinische Bezeichnung dieser Gegend, bevor sie vor etwa 900 Jahren besiedelt wurde, lautet Miriquidi; dunkler, undurchdringlicher Wald. Das lässt bereits erahnen, welchen Eindruck das bewaldete Gebirge auf die Reisenden und ersten Siedler damals gemacht haben muss. Von dieser Wildheit und der innewohnenden Magie kann man auch heute noch Spuren entdecken. Wenn man ein Faible dafür hat, kann man in den Hochwäldern und Dickichten noch die uralten Wesen und Waldgeister wahrnehmen. Und wenn man still ist, hört man vielleicht noch die Zwerge in den Bergen mit ihren Eisen nach wertvollem Erz schürfen.

Der Bergbau ist das zentrale Thema hier im Erzgebirge, hat er doch zur Besiedelung geführt und Jahrhunderte das Leben hier bestimmt. Unsere Literatur ist voll von Überlieferungen aus magischeren Zeiten. Es ist die Vorstellung davon, die mich tief fasziniert, daß die Waldgeister in mondhellen Nächten auf tief im Wald verborgenen Lichtungen tanzen, und dass sich nur unter gewissen Umständen Pfade auftun, die seit Ewigkeiten kein Sterblicher mehr beschritten hat und die ins Herz des Waldes führen, um dort einen verborgenen Schatz heben zu können. Dieser ist, obwohl in der Literatur oftmals als aus Gold bezeichnet, viel mehr Wissen und Weisheit. Das stellt eine schamanische Suche dar. Also singe ich in unseren Liedern gewissermaßen von meinem inneren Wald.

Bei „ErzHerz“ (dessen Albumtitel natürlich Bezug dazu nimmt, wie sehr dein Herz der Heimat, dem Erzgebirge verbunden ist) stellt sich allerdings auch die Frage: warum ein deutschsprachiger Albumtitel und dann außer „Stanzenlandschaft“ nur englischsprachige Lyrics? Hast du nie versucht, einen Titel mit komplett deutschem Text zu schreiben? Mit Sicherheit fehlt dir das Talent dazu nicht…
So ungewöhnlich finde ich das nicht. Den Titel zu übersetzen hätte das Wortspiel, den Gleichklang der Silben zerstört. Es gibt Aufzeichnungen in meinen Notizblöcken, die Fragmente deutschsprachiger Texte darstellen. Aber sie zu veröffentlichen, habe ich nicht geplant. Es gibt zwei traditionelle Folklorelieder mit deutschen Texten, welche vielleicht von uns auf der nächsten Veröffentlichung interpretiert werden.

Wie ist denn die Resonanz aus dem Ausland? Habt ihr dort Fans?
In der Tat erreichten uns etliche Resonanzen vor bereits 20 Jahren eher aus anderen Ländern, innerhalb sowie ausserhalb Europas. Das mag sicher daran liegen, dass das Label die Kassetten und CDs in alle Welt verschickte. Ein Grossteil der Korrespondenz, die ich führte und führe in Bezug auf unsere Musik, ist tatsächlich mit Leuten ausserhalb Deutschlands. Vor einigen Wochen erreichte mich eine Anfrage einer ukrainischen Band bezüglich einer Zusammenarbeit bei einem Lied. Ein Mitglied war durch das Re-Release auf uns aufmerksam geworden. Aber dazu kann und möchte ich an dieser Stelle noch keine weiteren Äusserungen treffen.

Und apropos „ErzHerz“: was ist das Schönste oder das Besondere am Erzgebirge für dich? Nur das Heimatgefühl, oder ist die Gegend unabhängig davon auch etwas Besonderes?
Natürlich ist das Erzgebirge etwas Besonderes. Allein, weil es eine touristisch erschlossene Region ist. Aber dieser wirtschaftliche Aspekt geht mir eher ab, ich habe zu solchen Strukturen wenig Draht. Es ist auch hier meine eigene, innere Wahrnehmung und gleichsam der Zusammenhalt der Einwohner untereinander. Irgendwo habe ich mal gehört, dass die Erzgebirger als „kleines, zänkisches Bergvolk“ gelten. Der Erzgebirger ist zuerst grummelig und verschlossen. Eigenschaften, die in der heutigen Zeit durchaus nützlich sein können. Darüber hinaus glaube ich, dass man tiefe Heimatverbundenheit durchaus untermauern bzw. erklären kann mit dem „morphogenetischen Feld“ (nach Sheldrake) der Ahnen. Es ist noch eine besondere, geistige Zugehörigkeit, die eine tiefere Form des Heimatgefühls hervorruft. Man hat zu der Gegend, in der seine Altvorderen lebten, für gewöhnlich eine noch tiefere Bindung.

Was muss man als Besucher gesehen haben, wenn man eh in der Nähe ist?
Dazu geben bestimmt Prospekte und Internetauftritte Auskunft. Aber wenn man ins Erzgebirge fährt, sieht man bald die verschiedenen Berge dieses Mittelgebirges vor sich liegen. Alle sind mit dem Fahrzeug bequem zugänglich und so mancher bietet einen schönen Ausblick, geeignetes Wetter vorausgesetzt. Man sollte sich mit dem Bergbau einerseits und den Handwerkszweigen andererseits beschäftigen, allem voran dem Schnitzen und dem Klöppeln. Ich möchte aber hier nicht weiter in die Tiefe gehen. Apropos Tiefe, es gibt Ausstellungen und Schaubergwerke, die einen Besuch wert sind. Und natürlich sollte man einen Streifzug durch unsere Wälder planen und unterwegs in einer urigen Gastwirtschaft bei einem oder mehreren richtigen Bieren (ausserhalb von Sachsen und Bayern soll es ja in Deutschland nirgendwo richtiges Bier geben) Halt machen.

Beide Rimmersgard-Alben haben wunderschöne Cover, Gemälde, um genau zu sein. Wer traf die Auswahl und warum?
Die Auswahl der grafischen Gestaltung trafen wir zum Großteil gemeinsam. Das Motiv auf dem ersten Demo bzw. „A Venturer’s Mind“ ist „Snow Scene In The Black Forest“ von C.F.W. Trautschold. In einem Buch hatte ich es damals gesehen und war fasziniert von der Dastellung eines Sonnenunterganges hinter einem Wald mit verschneitem Wege. Das Bild spiegelte viel von meiner eigenen Wahrnehmung unserer Wälder wider. Die beiden Motive (Front- und Backcover) zu „ErzHerz“ sind Gemälde, die ein Freund gemalt hatte. Derselbe, der auch den Textentwurf zu „Loneliness My Friend“ schrieb. Auch hier besteht wieder ein Bezug auf das Erzgebirge, erzählen doch unsere Sagen noch immer von Zwergen, die unter Tage das Erz hüten.

Der Song „Legend’s Domain“ ist auf beiden Alben zu finden, bereits auf „ErzHerz“ und nun auf der Neuauflage von „A Venturer’s Mind“ in leicht abgewandelter Form. Was verbindet dich mit dem Song? Die neue Version scheint mir etwas selbstbewusster herausgeschmettert zu sein, die alte etwas romantischer. Was war der Beweggrund, gerade diesen Song in verschiedenen Versionen aufzunehmen?
Die ältere Version (erschienen auf „ErzHerz“) haben wir quasi, wie die anderen Lieder dieser Veröffentlichung auch, mit den zu dieser Zeit gerade aufkommenden, für Privatleute erschwinglichen, Mitteln und Programmen aufgenommen. Keiner von uns hatte zu dieser Zeit genügend technische Erfahrung was Aufnahme, Mastering und Mixing betraf. Und so klingt die CD eben so, wie sie klingt. Die Aufnahme wird der Komplexität der Lieder und Instrumentalisierungen leider nicht gerecht. Die neue Version hingegen hatten wir 2005 in einem Studio aufgenommen, welches zu der Zeit noch in den Kinderschuhen steckte, heute jedoch als renommiertes Tonstudio hier in der Gegend gilt. Für die bereits damals geplante (aber zu der Zeit nicht erfolgte) Wiederveröffentlichung schien uns dieses Stück als Bonustrack in einer neuen Aufnahme am geeignetsten. Es ist das Lied, welches für mich das Kernthema von „ErzHerz“ transportiert, meine Hingabe zu meiner Heimat, dem Reich der Legende, „Legend´s Domain“.

Würdest du dir wünschen, dass man deine Musik auch nach deinem Tod noch hört? Was möchtest du, das von dir bleibt nach deiner Zeit?
Natürlich möchte ich, dass meine und unsere Musik uns überdauert. Um die Wahrscheinlichkeit dessen zu erhöhen, müssten wir aber noch viel bekannter sein. Und noch etliche Lieder mehr schaffen. Von mir persönlich soll nicht so viel bleiben. Ich kann mich mit dem Gedanken nicht recht anfreunden, dass mal jemand meine Knochen findet oder meinen Schädel aufbewahrt. Gedanken, die nicht von ungefähr kommen und aus eigenen Erfahrungen resultieren. Falls es aber so kommt, dann möchte ich, dass es mir dann einerlei ist bzw. dass ich nicht mehr an die Überreste gebunden sein werde. Ich fühle mich ja zu der Theorie der Reinkarnation hingezogen. Mag sein, dass eines meiner zukünftigen Ichs in dreihundert Jahren irgendwo uralte Aufnahmen hören wird und sich darüber wundert, was es damals um die Jahrtausendwende für schräge Typen gegeben hat, die ihre Texte wild tanzend im Mondlicht in den Schnee gepullert haben…

Bei Metal1.info haben wir die Tradition des Brainstormings. Was fällt dir als erstes ein, wenn du diese Begriffe hörst?
Tee: Loser Tee ist dem Beuteltee vorzuziehen und man sollte ihn nicht in metallenen Teeeiern zubereiten, weil Metall die Geister vertreiben kann. Das führt zu der Voraussetzung, dass man Pflanzen in der Natur auch nicht mit Klingen aus Metall ernten sollte. Knochen- oder Obsidianklingen z.B. seien geeigneter.

Nussknacker: Hier im Erzgebirge in der Weihnachtszeit allgegenwärtig als Holzfiguren mit auf- und zuklappbarem Mund und einem Hebel am Rücken. Mit grimmigen Blicken und gefletschten Zähnen schauen sie im schummrigen Halbdunkel unserer kleinen Stuben vom Regal oder Schrank zu uns herüber, wenn draussen der eisige Winter herrscht und die Wilde Jagd über die finsteren Wälder fährt.

World Of Warcraft: Habe ich selbst längere Zeit gespielt. Die Flucht in eine Fantasiewelt. Zeiträuber. Eingeschworene Community. Dun Morogh, Eisenschmiede… Ein unglaubliches Konzept mit sehr vielen Anhängern. Aber am Ende raubt es doch die Zeit.

Facelifting: Wider die Natur, sofern keine medizinische Notwendigkeit vonnöten.

Eiche: Die Eigenschaften, die der Eiche zugeschrieben werden, brauche ich ja nicht zu erwähnen. Unweit von hier steht eine junge Eiche, an der mich mein Weg ab und an vorüber führt. Natürlich gibt es hier in unseren Wäldern auch Eichen ungezählt. Um die Jahrtausendwende hatte ich die Gelegenheit, in einem Waldgebiet in Hessen eine Gruppe Eichen zu besuchen, die etwa 500 Jahre alt sein sollen. Sehr beeindruckend.