Interview mit A. von Meilenwald von The Ruins Of Beverast

The Ruins of Beverast sind eine der derzeitig unkonventionellsten und auch besten Black-Metal-Bands. Der Stil von A. von Meilenwald ist faszinierend und ungewöhnlich, die Musik geht tiefer als bei vielen anderen Bands. Dies wurde auch durch das zuletzt erschienene Album „Rain Upon the Impure“ unter Beweis gestellt. Grund genug für ein Interview.

Grüß dich, Alexander! Erst einmal gratuliere ich zu der Vielzahl an hervorragenden Rezensionen. Wie mir Sveinn schrieb, rechnete er zumindest nicht mit einem solchen Feedback, da „Rain Upon the Impure“ kein gängiges Black Metal-Werk ist. Wie bewertest du diesen Erfolg, vor allem im Zusammenhang mit dieser Aussage von Sveinn?
Die Aussage war durchaus auch meine. „Rain Upon The Impure“ ist ein enorm häßliches Stück Musik und nur zu geringen Teilen am aktuell populären Black Metal orientiert. Ich war mir ziemlich sicher daß gerade die Überlänge der Stücke, die ausufernden schleppenden Passagen, die tiefen Gitarren und natürlich der Sound zu einem Unwetter an Ablehnung führen würden, aber es gibt anscheinend doch Menschen die damit gut klarkommen. Bisher stieß nur der dumpfe Sound auf anhaltende Kritik.

Du hast bisher nicht gerade viele Interviews gegeben, ich las nun aber just, dass du dich etwas wundertest, dass dein Name immer neben dem Schlagzeugpart bei Wod-Ván-Projekten steht. Nun gut, du bist wohl auch einer breiteren Masse bekannt, wenn man das mal so formulieren möchte, vor allem eben durch dein Mitwirken bei Nagelfar. Wurzelt dieser Umstand darin oder ist das bloß eine Mischung aus Unwissenheit und Ist-mir-egal-Haltung seitens mancher Leute? Oder können sie vielleicht einfach nicht zwischen Ratatyske und deinem vormaligen Pseudonym Rykthius unterscheiden?
Das weiß ich nicht, im Prinzip ist mir die Sache auch nicht so wichtig. Seit Black Metal im Internet ein öffentliches Forum gefunden hat, ist auch der Personenkult nochmals um ein Vielfaches gestiegen, und dadurch werden natürlich auch Missverständnisse und Halbwahrheiten wie Laubfeuer verbreitet. Es ist eben ein sonderbares Gefühl, Anekdoten über sich zu lesen, die schlichtweg gelogen sind und jeglicher Grundlage entbehren. Manchmal ist es aber auch ziemlich witzig.

So, fassen wir aber mal zusammen, wo du wirklich den Schlagzeugpart eingespielt hast: Abusus, so steht es ja im Beiheft, und Kermania ebenfalls?
Abusus ist ja das Projekt von Vangard, Kermania von Weigand, also hilfst du prinzipiell nur als Trommler aus und steuerst keine eigenen Ideen bei? (falls du den Part bei Kermania überhaupt übernimmst)

Es ist grundsätzlich so, daß The Ruins Of Beverast das absolut einzige Projekt ist, dem ich mich kreativ widme. Erstens bin ich alles andere als ein Freund von 324 Nebenprojekten, zweitens ist TROB in jeder Hinsicht so aufwendig, dass mir für weitere Projekte kein Atem bleibt. Alles, was ich nebenbei noch an Musik mache, reduziert sich auf Aushilfsjobs, so genannte „Sessions“, und deren Zahl ist doch sehr übersichtlich. Vangard möchte bei den Abusus-Werken nicht auf einen beschissenen Trommel-Computer zurückgreifen und hat mich deshalb um Hilfe gebeten, das ist alles. Sämtliche Ideen zu den Liedern stammen von ihm, und wir haben auch so gut wie gar nicht geprobt. Ich habe schlicht seine Ideen versucht umzusetzen und wir haben es relativ spontan aufgenommen. Bei Truppensturm werde ich live die Trommeln übernehmen, weil Vangard zweifellos nicht alles gleichzeitig spielen kann. An mehr Aktivitäten bin ich nicht beteiligt.
Es stimmt auch nicht, daß ich jemals bei Graupel gespielt habe. Zingultus, Sveinn und ich wollten zwar mal zusammen was starten, dazu kam es aber nicht und Graupel hieß es auch nicht.

Nachdem wir das geklärt hätten und die Punkte stimmig sind, wie sieht es denn grundsätzlich mit diesen beiden Bands aus? Was lassen Vangard und Weigand folgen? Gibt es sonst Neuigkeiten von Wod-Ván bezüglich neuen Materials?
Derzeit sind sämtliche Bands aktiv. Vangard hat neues Material fertiggestellt, Kermania sind dabei, und Graupel arbeiten ohnehin permanent. Das neue Verdunkeln-Album steht in den Startlöchern. Ich habe es selbst noch nicht gehört, aber die beiden sind sehr zufrieden. Abgesehen davon proben Truppensturm wie gesagt derzeit mit einem Live-Line-Up und es gibt sogar schon neue Ruins-Of-Beverast-Ideen.

Ebenso las ich, dass du keinen Wert auf eine Erhöhung des Bekanntheitsgrades legst, wieso lehnst du solche Dinge ab? Zu marginal?
Ach nein, ich find‘ es albern sich in einer sogenannten „Underground-Szene“ als Rockstar feiern zu lassen und ich fördere das nicht. Ich verschwende 100% meiner Energie für Musik und das ist es auch was mich am Leben erhält. Ich bin nicht dafür geschaffen, mich permanent durch prollige Aussagen im Internet zu präsentieren oder sonstwo durch die Reihen zu marschieren und mir auf die Schulter klopfen zu lassen. Durch die anhaltenden Diskussionen über gewisse Personen in Internetforen werden die betreffenden oft auch automatisch zu Kultfiguren erhoben, ohne daß sie dafür jemals einen Finger gerührt haben. Das ist irgendwie alles nicht meine Welt. Jede Minute, die ich Zeit hätte um im Internet zu surfen, nutze ich lieber um Musik zu machen.

Ich muss gestehen, „Unlock the Shrine“ ist „eingängiger“ als „Rain Upon the Impure“, soll heissen, man findet leichter Zugang zur Musik. Natürlich wird das auch an den längeren Klangescollagen liegen, „Unlock the Shrine“ wurde ja auch durch die Interludien in dieser Hinsicht vielleicht aufgelockert, doch was ist deiner Meinung nach viel eher der Grund dafür? Falls du das überhaupt so siehst.
Natürlich sehe ich das so, es geschah ja mit voller Absicht. „Unlock The Shrine“ war viel eher ein BM-Album im klassischen Sinne, und hatte mit „Between Bronze Walls“ sogar so eine Art Aufhänger, der sehr stark an Burzum orientiert war. Auf „Rain…“ gibt es keine Orientierungspunkte, das Album ist ein surreales, graubraunes Niemandsland, das nirgendwo anfängt und nirgendwo aufhört. Es gelten hier keine Regeln von Riffs oder Songstrukturen, wie es auf dem wesentlich musikalischeren Vorgänger der Fall war.
Das macht den Zugang und die Beschäftigung natürlich erheblich schwieriger und anstrengender.

Nun hörte ich auch Meinungen, dass der Sound deines neuen Albums zu mager sei, was würdest du dieser Kritik entgegenhalten?
Nichts. Der Sound orientiert sich nicht an gängigen BM-Produktionen, sondern ist sehr mitten- und tiefenlastig, weil ich das so wollte und es auch wesentlich adäquater für diese Art von Musik ist. Wie jeder einzelne den Sound wahrnimmt hängt vom eigenen Ermessen und möglicherweise auch den Equalizer-Einstellungen ab. Wenn man die Bässe rausdreht, ist der Sound mager, und da liegt für mich auch der Hund begraben… ich kann das durchaus nachvollziehen, aber es war so beabsichtigt.
Ungleich amüsanter finde ich die Aussagen, das Album sei zu leise. Da „Unlock The Shrine“ an einigen Stellen übersteuert war, habe ich mich diesmal beim Mastern zurückgehalten, vielleicht etwas zu sehr. Aber ich habe einen Lautstärkeregler an meiner Anlage, und der ist sogar beweglich, insofern habe ich mit leiseren Alben keine Probleme. Im übrigen habe ich kürzlich festgestellt, daß „Persecution Mania“ genauso leise ist wie „Rain Upon The Impure“, insofern bin ich ja in prominenter Gesellschaft.

Wie kam es dazu, dass du keine Sequenzen aus Filmen o.ä., wie das ja bei „Unlock the Shrine“ der Fall war, auf „Rain Upon the Impure“ nutztest?
Ich habe auch auf „Rain Upon The Impure“ solche Sequenzen benutzt, insbesondere bei „Soil Of The Incestuous“ und dem Titelstück. Ich nutze sie immer wenn sie passen.

Woher stammen diese Interludien eigentlich?
Aus Hörspielen, Filmen, von alten LPs, Sample-CDs, meinem Synthesizer und von mir selbst.

Ein weiterer interessanter Punkt, den ich las, ist, dass das Artwork der „Unlock the Shrine“ schlicht auf die Schnelle zusammengeschustert worden ist. Das Cover von „Rain Upon the Impure“ steht da aber doch recht gegensätzlich dazu, da – wie mir Sveinn berichtete – ihr erhebliche Probleme mit dem Druck hattet, da das Presswerk, bei dem ihr den Druck in Auftrag gegeben habt, die richtige Farbabmischung nicht hinbekommen hat. Was für Gedanken kommen einem bei dieser Sache – wenn man diese irgendwie Kuriosität mal gegenüberstellt – denn so?
Naja, es gab Probleme beim Druck seitens des Presswerks, die aber nicht auf die graphische Filigranität des Covers zurückzuführen sind sondern eher technischer Natur waren. Insgesamt ist das Cover auch etwas dunkler geworden als es eigentlich geplant war. Das hatte auch drucktechnische Gründe, ist aber auch nicht so tragisch.
Das Cover von „Unlock The Shrine“ wurde ja für die LP-Version überarbeitet, aber da das Album ursprünglicherweise nur eine CD-R gewesen ist, die dann spontan doch veröffentlicht wurde, fehlte mir leider die Zeit, ein angemessenes Artwork auf die Beine zu stellen. Ich bin alles andere als versiert in Graphikprogrammen, aber ich werde mich hüten die Covergestaltung aus der Hand zu geben, insofern muß ich jetzt damit leben.
Es war demnach allerdings von vornherein klar, daß dem Artwork von „Rain…“ angemessene Arbeit zuteil wird, wobei ich es eben auch nicht übertreiben will. Man muß sich schon darüber im Klaren sein, wieviel Aufwand für eine Undergroundproduktion tragbar und sinnvoll ist.

Nun unterscheidet sich die grafische Darstellung deiner beiden Alben doch erheblich von denen der Nagelfar-Werke. Hast du die Bilder selbst zusammengestellt oder von wem stammen sie?
Es sind alles Collagen, die ich aus Einzelbildern zusammengesetzt habe. Diese Bilder sind zum größten Teil Photographien, die ich selbst oder Freunde gemacht haben, die anderen sind aus Büchern.

Die Bilder sind allgemein karg, finster und vor allem der Vergänglichkeit verhaftet, welche Gedanken stecken hinter der Wahl solcher Motive?
Die visuelle Seite eines Albums ist eine nicht zu unterschätzende Intensivierung der musikalischen Atmosphäre, und deshalb habe ich alles Optische natürlich dem Musikalischen angepaßt. Die Bilder sprechen die Sprache des jeweiligen Liedes, im Prinzip sind alle zentralen Aussagen oder Topoi der einzelnen Stücke in den Bildern widergespiegelt. Ich finde das insgesamt stilvoller als die üblichen Klischeebilder, zumal diese im Zusammenwirken mit der Musik wohl auch eher unglaubwürdig erscheinen würden.

Du nutzt ausschließlich englische Texte, begründest dies unter anderem damit, dass du im Deutschen nicht so wortmächtig bist wie zum Beispiel Sveinn früher bei Nagelfar. Ist dies der einzige Grund?
Die Art von Metaphern, Bildern und Formulierungen, die die Texte von TROB ausmachen, lassen sich für mich im Deutschen kaum formulieren, sie klängen pathetisch, aufgesetzt und unbeholfen. Das ist schwer zu erklären. Ich habe das Gefühl, daß es auch für mich selbst wichtig ist, eine sprachliche Distanz wahren zu können und meine eigenen Texte quasi durch eine Art Filter wahrzunehmen und zu begreifen, abstrakter und verschwommener als sie mir auf deutsch erscheinen würden. Das fügt sich wesentlich besser in das bizarre, unpersönliche und surreale Konzept von The Ruins Of Beverast ein als ein Text, den ich auch meiner Mutter vorlesen könnte, um sie zu schockieren.

Zahlreiche Bands nutzen vermehrt deutsche Lyrik, oftmals darf man da aber an dem Sinn zweifeln. So klingen die Texte zwar hier und da schöner, doch bei genauerem Hinhören werden abenteuerliche Sätze zusammengeschustert, die auch gerne mal grammatikalisch schlicht falsch sind. Hast du dies schon selber beobachtet und was sind deine Gedanken über dieses Phänomen?
Sicher, das entspricht ja auch in etwa dem, was ich gerade erwähnte. Ich meine, es ist natürlich lächerlich mit dem Rotstift in BM-Texten rumzumalen, denn Liedtexte insgesamt gehorchen wohl kaum grammatikalischen Gesetzen, und das wäre auch schlimm. Aber ich beobachte es halt des öfteren, daß deutsche Black-Metal-Texte krampfhaft auf ein poetisches Niveau gehievt werden, und das geht meiner Ansicht nach meistens schief, ist manchmal sogar unfreiwillig komisch. Die Verschmelzung von düsterer, aggressiver Musik und entsprechendem Gesang mit dieser Art von Lyrik ist enorm schwierig. Ich versuche es deshalb unter allen Umständen zu verhindern.

Kommen wir noch einmal zu Abusus: „Helle, junge Seele, sing“ erinnert mich an The Ruins of Beverast, da es diesen Stil der stummen Erdrückung besitzt, wenn man das mal so lapidar nennen kann. Wurde da wer vom anderen inspiriert?
Nee, bestimmt nicht. Vangard hat eine vollkommen andere Herangehensweise an Musik als ich. Ich glaube auch nicht, daß er daran interessiert ist, sich von TROB inspirieren zu lassen. Mich erinnert das Lied auch eher an seine früheren Ideen mit Heemat, bei denen er ja auch für die Kompositionen zuständig war.

Es ist ja erstaunlich, dass man, egal wer was veröffentlicht, jedes Mal die Arbeit von Wod-Ván schätzt und als sehr gut empfindet. Liegt das am freundschaftlichen Zusammenarbeiten untereinander oder seid ihr mit Musen gesegnet, um mal ohne Umschweife zu fragen?
Oh, es gibt auch Leute, die das alles ganz schön katastrophal finden. Aber wie auch immer es ist: ob das mit dem Siegel des „Wód-Ván“ zusammenhängt wage ich mal zu bezweifeln, denn wir alle haben bereits Musik gemacht bevor er gegründet wurde und auch bevor wir uns kannten. Ich denke eher, daß es zufälligerweise recht viele ambitionierte Musiker in diesen Breitengraden gibt. Wir haben uns zwangsläufig dann auch irgendwann mal kennengelernt. Grundsätzlich glaube ich nicht wirklich, daß sich musikalische Qualität an Gruppierungen oder Regionalitäten festmachen läßt.

Nun mal eine etwas trivialere Frage, die ich mir aber doch einige Male stellte? Was ist „Beverast“ und was bedeutet dann der Name deines Musikprojektes?
Beverast ist eine halb althochdeutsche und halb selbst komponierte Ableitung von „Bifröst“, der Brücke zwischen Himmel und Erde im mythischen Glauben der heidnischen Germanen (bzw. besser gesagt in der mittelalterlichen Literatur über selbige). Es steht geschrieben, daß sie zum Weltende einstürzt, und insofern ist die zertrümmerte Brücke also ein Sinnbild für den fortgeschrittenen Prozess des Weltuntergangs. Die Thematik der Ragnarök, der Apokalypse oder wie immer man sie benennen und betrachten will steht permanent Pate für das musikalische und lyrische Konzept von TROB.

Wir sind am Ende und ich möchte mich für die Beantwortung dieser Fragen bedanken. Weiterhin alles Gute, auch im Hinblick auf den weiteren musikalischen Werdegang natürlich!
Keine Ursache und vielen Dank.

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