Interview mit Richard West von Threshold

Threshold beglücken die Prog-Metal-Welt erst kürzlich mit ihrem Meisterwerk „Subsurface“. Richard West, seines Zeichens Keyboarder und einer der beiden Bandköpfe, spricht hier über das inzwischen siebte Album und anderes.

English original…

Zuerst möchte ich euch zu euerem fantastischen neuen Album „Subsurface“ gratulieren, welches hier bei Metal1.info 9,5 von 10 Punkten bekommen hat. Wie ich gesehen habe, waren die ersten Reaktionen ja alle sehr toll, unter anderem seid ihr dreimal zum Album des Monats in den drei größten deutschen Magazinen für euere Stilrichtung gewählt worden.
Danke, wir sind natürlich sehr zufrieden damit, wie das Album aufgenommen wird. Insgesamt ist es schon 11 mal Album des Monats geworden, also haben wir wohl etwas richtig gemacht.

Wie sind die Reaktionen in England im Vergleich zum Rest von Europa? Ich denke, es ist nach wie vor nicht einfach, mit euerer Musik in euerem Heimatland zu bestehen…
Wir haben tatsächlich schon ein paar klasse Reviews bekommen, anscheinend wacht England so langsam auf!

Kannst du mir etwas übers Songwriting und die Aufnahmen erzählen?
Das Schreiben an sich ist eine ziemlich private Sache. Wir sind nicht die Sorte Band, die zusammen jamt und Songs schreibt. Die Hälfte der Stücke hat unser Gitarrist Karl Groom zuhause geschrieben, die andere Hälfte schrieb ich ebenfalls zuhause. Karl hat mir dann seine Lieder gegeben, damit ich die Texte dazu schreiben kann, und dann wurden die fertigen Versionen mit ins Studio genommen und von der ganzen Band aufgenommen. Wir haben auch ein paar Riffs von unserem Gitarristen Nick Midson in einem Song verwendet, und der Bonustrack stammt komplett von unserem Drummer. Im Studio haben wir dann alle nacheinander aufgenommen, erst das Schlagzeug und zum Schluss den Gesang und die Solos. Wir arbeiten jetzt schon ziemlich lange auf diese Weise und es passt uns sehr gut.

Euer neuer Bassist Steve Anderson hat Erfahrung in vielen Musikstilen, unter anderem auch Jazz Fusion. Läuft die band Gefahr, in Zukunft in andere Genres abzudriften?
Keine Jazz Fusion, nein! Wir haben noch nicht großartig darüber nachgedacht, wie wir in Zukunft klingen werden, aber ich denke, ein bisschen was werden wir schon verändern, um die Sache interessant bleiben zu lassen.

Mit eueren neuen Alben erfindet ihr weder etwas grundlegend neues oder spielt, um euere Instrumente zu vergewaltigen, wie etwa Dream Theater. Was würdest du sagen, ist euere Formel, um über eine so lange Zeit erfolgreich zu sein und sich unter den Progressive Metal-Fans Respekt zu erarbeiten und zu halten?
Wir haben nicht wirklich eine Formel, wir machen einfach die Musik die wir lieben, ohne Kompromisse. Vielleicht ist das ja unsere Formel.

Der Bonustrack „What About Me?“ ist der erste, den Johanne James geschrienen hat. Wird er in Zukunft mehr ins Songschreiben eingebunden oder arbeitet er lieber im Hintergrund?
Ich erwarte nicht, dass er viel für Threshold schreiben wird. Sein Stil ist doch ziemlich anders und er hat andere Projekte für seine selbstgeschriebenen Sachen.

Warum habt ihr gerade „Pressure“ für den Videoclip ausgesucht? Wird’s da auch eine Single geben oder nur eben dieses Video?
Wir wollten ein gutes Uptempo-Stück, der sich gut als Single machen würde, und „Pressure“ war der offensichtlichste Kandidat dafür. Unser Label will aber keine Single von uns veröffentlichen.

Über welches Thema würdest du nie einen Text schreiben?
Drachen!

Wie wichtig ist es für dich, dass die Leute auch deine Texte lesen und darüber nachdenken und nicht nur die Musik an sich hören?
Die Lyrics auf „Subsurface“ sind nur meine eigenen Meinungen, sie sind keine großen literarischen Werke… Ich mag es, Texte zu schreiben, die die Leute zum nachdenken bewegen. Es scheint sinnlos, 1000 Worte auf einem Album zu haben, die es aber nicht wert sind, dass man ein Wort darüber verliert. Wir haben schon eine Menge Nachrichten von Fans bekommen, die sich damit identifizieren können, was ich auf „Subsurface“ sage, das ist schon wirklich cool. Aber auch wenn man nur die Musik mag, ist das cool.

Im September geht ihr auf Tour mit „Dead Soul Tribe, die mit „January Tree“ ebenfalls ein klasse neues Album am Start haben. Ihr spielt auch wieder ein paar Konzerte in Deutschland. Was denkst du über die deutschen Fans im Vergleich mit anderen?
Das ist eine interessante Frage! Ich denke, die Fans in Osteuropa sind die mit der größten Begeisterung, Länder wie Slowenien, wo man in den letzten zehn Jahren nicht gerade mit Bands überrant wurde. Aber die deutschen Fans sind auch großartig. Sie haben sich vermutlich schon an uns gewöhnt, aber sind nach wie vor enthusiastisch!

In nur elf Jahren habt ihr schon einen Backkatalog von sieben Alben, was recht ungewöhnlich für eine Prog-Band ist. Wie kommt es dazu?
Es wäre eine Schande, in einer Band wie Threshold zu spielen, und dann nicht viel Musik zu machen. Es gefällt uns einfach zu sehr, um lange Auszeiten zu nehmen!

Wenn du zurückdenkst… Bist du nach wie vor mit eueren alten Alben zufrieden oder gibt es da auch etwas, was du gar nicht mehr magst?
Ich war nie zufrieden mit dem Originalmix unseres zweiten Albums „Psychedelicatessen“, aber wir konnten es 2001 neu mischen, jetzt bin ich glücklich damit. Ich denke, wir werden mit jeder Veröffentlichung besser, aber ich bin immer noch zufrieden mit unseren früheren Arbeiten, wir haben immer das beste gemacht, was wir konnten.

Habt ihr momentan irgendwelche Nebenprojekte laufen?
Johanne hat eine andere Band, bei der er singt und Schlagzeug spielt, Mac nimmt ein Soloalbum auf, Steve spielt Jazzkonzerte, Karl produziert eine Menge anderer Bands und ich nehme ein Album mit meiner Frau Sarrah West auf. Im Moment sind wir also alle recht beschäftigt.

Wie sieht deine Meinung über MP3 und Onlinemagazine aus? Benutzt du das Internet oft?
Das Internet nutze ich hauptsächlich, um das Neueste über die Musik und Musiktechnologie zu erfahren und auf dem Laufenden zu bleiben. Manchmal bei Onlinemagazinen, manchmal auch in verschiedenen Foren. Ich höre mir kaum MP3s an, sie sind gut um Werbung für unsere Musik zu machen, aber die Qualität ist im Vergleich zur CD einfach nur schlecht.

Zum Schluss steht noch unser traditionelles Wortspiel an. Woran denkst du, wenn du die folgenden Begriffe liest…
MTV: Mostly Tedious Videos (Meistens langweilige Videos, Anm.).
New Metal: Lohnt sich wegen Linkin Park und Spineshank.
Black Metal: Ist nichts für mich.
Blind Guardian: Deutsche Bands sind in England recht unbekannt.
In Flames: Ich liebe ihre Textstelle “Frightened by your own smell” (beängstigt vom eigenen Geruch).
Bathory: Kenne ich nicht.
Liebe: Farrah West
Underground: Geringe Verkäufe.
Musik: Leben.
Metal1.info: Selbstverständlich die Nummer 1 für Metalinformationen.

Danke dir für deine Zeit. Ich wünsche euch viel Erfolg mit „Subsurface“ und eine ebenso erfolgreiche Tour. Wenn du den metal1.info-Lesern nun noch etwas sagen willst, dann tu das einfach jetzt…
Ich hoffe, wir sehen uns im September auf Tour!

(Bilder von thresh.net)

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