Interview mit Nag von Tsjuder

„Legion Helvete“ polarisiert in der Black Metal-Hörerschaft – Haben TSJUDER das unnötigste Comeback-Album der Schwarzwurzel-Geschichte aufgenommen, oder doch ein weiteres True Black Metal-Brett? Sänger und Bassist Nag interessiert sich für solche Dinge weniger, er gibt im Interview lieber Auskunft über neu gefundene Motivation und Inspiration, bisher unbekannte Methoden des Songwritings, und, natürlich: Satan.

Hi Jungs! Wie geht’s euch so?
Gut. Aber ein bisschen müde nach der Italien-Show. Kein Schlaf…

“Legion Helvete” erscheint diese Woche. Kannst du schon etwas zum Presse-Feedback sagen?
Da ich ein nicht der Schnellste bin, was das Beantworten von Interviews angeht, ist das Album jetzt ja schon ein paar Wochen lang draußen. Das Feedback war gut. Entweder 8-9/10 oder total kacke.

Gratuliere zum Album, ich mag es ziemlich gerne. Wann habt ihr damit angefangen, Songs dafür zu schreiben?
Danke. Wir haben wieder angefangen Musik zu machen, als wir 2009 zurückgekehrt sind.

Wie funktioniert Songwriting bei Tsjuder generell? Beschreibe bitte die Entstehung eines Songs von Anfang bis Ende.
Es waren schon immer Draugluin und ich für die Musik veranwortlich. Normalerweise haben wir beide einen Packen Riffs, die wir jeweils selber machen. Dann treffen wir uns bei ihm oder mir und setzen uns zusammen, um aus den Riffs einen Song zu machen. Auf „Legion Helvete“ wurden glaube ich so 40-50% der Riffs kreiert, während wir zusammensaßen, was für uns etwas ziemlich Neues war. Aber ich glaube, es war eine großartige Art, Musik zu machen.

Hat die fünfjährige Pause das Songwriting irgendwie beeinflusst?
Nein, nicht wirklich. Es hat uns neue Motivation und Inspiration gegeben, aber musikalisch schlägt es in die selbe Kerbe.

Könntest du uns kurz über das textliche Konzept von „Legion Helvete“ aufklären und den Inhalt der Texte zusammenfassen?
Also als erstes mal, der Titel „Legion Helvete“ ist etwas, worüber wir schon sehr lange reden. Irgendwann in den späten 90ern haben wir ein T-Shirt designed, wo „Legion Helvete“ draufstand. Das Shirt wurde nie gedruckt, aber wir haben uns entschieden, den Titel für dieses Album zu verwenden. Was die Texte betrifft, so habe ich einen Ordner mit allen unseren Songs von 1993-1996 gefunden, da waren auch noch ein paar Songs und Texte drin, die wir noch nicht verwendet hatten. Da haben wir uns entschieden, die Texte (und nur die Texte) aus diesem Ordner jetzt zu verwenden, was heißt, dass alle Lyrics auf diesem Album aus der Zeitspanne von ’93 bis ’95 stammen, geschrieben von Draugluin oder mir.

Müsstest du „Legion Helvete“ in einem einzigen Satz zusammenfassen, wie würde er lauten?
Black Metal.

Wie viel Wert legt ihr auf Form und Aussage der Texte? Sind sie für euch ein wichtiges Instrument, euch auszudrücken, oder muss mehr oder weniger nur etwas da sein, was gesungen werden kann?
Die Texte sind wichtig, da sie unsere persönliche Meinung zu bestimmten Dingen darstellen. Es gibt Höhen und Tiefen, wenn es um das Texte schreiben geht. Du brauchst etwas, was du ausdrücken willst – Und dann brauchst du die richtige Inspiration, um das auf’s Papier zu bringen.

Wollt ihr die Hörer mit den Texten erreichen und sie dazu bewegen, darüber nachzudenken? Oder findet ihr es auch okay, wenn man das Hirn abschaltet, wenn man „Legion Helvete“ hört?
Wir haben nie Texte mit besonders tiefgründer Aussage geschrieben, wir kommen da relativ zügig auf den Punkt. Der Hörer kann sich selbst überlegen, ob er oder sie über unsere Texte nachdenken will oder nicht. So richtig interessiert mich das nicht.

Nach dem 2006er Release „Norwegian Apocalypse“ habt ihr euch aufgelöst. Was waren die Gründe für den Split damals?
Wir hatten seit 13 Jahren zusammengespielt, da war es nur natürlich, mal eine Pause zu nehmen. Wir brauchten ein bisschen Zeit, um neue Inspiration und Motivation zu finden.

Und was waren dann die Gründe für die Rückkehr jetzt?
Tsjuder hat eine große Rolle in unseren Leben gespielt und wir wollten die Band einfach nicht auf diese Weise begraben. Es gibt immer noch Dinge, die wir erreichen wollen und wir haben es vermisst, als Tsjuder zusammenzuspielen.

Glaubt ihr, dass ihr nach dem Comeback genau da weitermachen könnt, wo ihr 2006 aufgehört habt? Oder müsst ihr euch erst wieder in das Bewusstsein der Leute zurückarbeiten?
Ich glaube, wir können da weitermachen, wo wir aufgehört haben. Wär schon ein kleiner Rückschlag, wenn wir ganz von Neuem anfangen müssten.

Wie hat die Black Metal-Szene ausgesehen, als ihr sie 2006 verlassen habt und was hat sich den fünf Jahren geändert, in welchen ihr nicht da ward?
Obwohl Tsjuder nicht aktiv waren, haben wir die Black Metal-Szene nie verlassen. Sie hat sich schon ein wenig verändert. Ich finde, dass heute mehr Bands rauen und brutalen Black Metal spielen und die Unterscheidung zwischen „echtem“ Black Metal und Pussy-Scheiße ist schärfer geworden.

Viele Bands, die im Black Metal oder zumindest im Extreme Metal angesiedelt sind, versuchen heutzutage neue Wege zu finden, sich auszudrücken. Die Norweger Shining kombinieren zum Beispiel ziemlich finsteren Metal mit Jazz. Was denkt ihr über solche Genre-Experimente und könntet ihr euch vorstellen, so etwas auch eines Tages zu tun?
Manche Bands packen diesen Übergang und manche nicht. Auch das interessiert mich nicht sonderlich. Tsjuder werden immer heftigen Black Metal spielen, Punkt! Sollte ich jemals Lust haben, experimentelle Musik zu machen, bräuchte ich dafür eine andere Band. Ich bezweifle aber sehr, dass das mal der Fall sein wird…

Tsjuder existieren nun seit 18 Jahren, wenn wir die Unterbrechung mal ignorieren. Die Texte handeln immer noch von Krieg, Tod und Satan. Habt ihr euch je überlegt, hier neue Elemente einzuflechten? Steht ihr immer noch voll hinter diesem Hass- und Töten-Zeug?
Black Metal ist dafür da, von Dunkelheit, dem Teuflischem, dem Tod und Satan etc. zu handeln, also nein, ich wüsste nicht, was wir da noch hinzufügen sollten. Ja, natürlich stehe ich da voll dahinter!

Wenn ihr immer noch so voller Hass auf die Christenheit seid, denkt ihr nicht, ihr solltet mal riskieren zu überlegen, ob ihr vielleicht einen anderen Weg finden solltet, mit euren Gefühlen fertig zu werden? Habt ihr euch an anderen Methoden versucht?
Ja, ich bin generell absolut gegen Religion. Ich weiß, dass Black Metal selbst nicht viel Wirkung auf die Religion haben wird, aber es ist eine Möglichkeit, seine Wut herauszulassen. Es gibt so einige Wege, sich der Religion zu entledigen, aber ich glaube, die einzige seriöse Option wäre, in die Welt der Politik einzutreten. Es ist ein weiter Weg zu gehen…

Sind Tsjuder jetzt als Vollzeit-Band zurück? Könnt ihr euch vorstellen, so wie jetzt nochmal 18 Jahre weiterzumachen und 2029 immer noch Black Metal-Alben zu machen? Oder habt ihr manchmal sowas wie ein Burnout?
Tsjuder ist mit Sicherheit Vollzeit! Wir haben nicht vor, anzuhalten, und ja, ich denke, wir können nochmal 18 Jahre weitermachen. Wir haben nie viel getourt und nie zugelassen, dass wir gepusht werden, deshalb haben wir auch kein Burnout. Und wenn wir so weitermachen, passiert das auch nicht.

Gibt es Pläne, eine Europatour zu machen? Mit welchen Bands würdest du am liebsten touren?
Nein, es gibt keine Tourpläne. Aktuell sind es nur einzelne Gigs hier und da. 6-7 sind glaube ich für 2012 geplant. Ich finde, Carpathian Forest ist der perfekte Tourpartner für Tsjuder. Wir kennen uns gut und es ist musikalisch eine großartige Kombination. Ansonsten wären da 1349, Mayhem, Urgehal…

Wir sind fast fertig, danke dir sehr für das Interview! Lass uns mit einem kleinen Brainstorming aufhören. Woran denkst du, wenn du folgendes hörst:
Roland Emmerich: 007
Steve Jobs: War ein großer Geschäftsmann, der extrem gute Produkte gemacht hat.
Beer: Yummy
Leopard 2 Panzer: Krieg
Hawaii: Surfen, Hitze, Strände…
Becks Green Lemon: Für Mädchen, schätze ich.
metal1.info: Ein langes Interview

Danke dir nochmal! Wenn du was sagen willst, tu es bitte hier:
Danke für das Interview. Hört euch „Legion Helvete“ an. Hoffentlich kommen wir mal nach Deutschland zurück, um ein bisschen Verwüstung zu stiften.

Publiziert am von Marius Mutz

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