Konzertbericht: AC/DC w/ Vintage Trouble

21.05.2015 München, Olympiastadion

Acdc_logo_band.svgSeit dem letzten Gastspiel von AC/DC in München hat sich zwar der Stil der Rocklegenden auch nach 12 Alben nicht verändert, doch die Vorzeichen sind anno 2015 dennoch andere: Demenz zwang Malcolm Young zum Ausstieg, während Drummer Phil Rudd seine Heimat Neuseeland aufgrund von Drogenbesitz und Anstiftung zum Mord derzeit nicht verlassen darf. Keine guten Voraussetzungen für das doppelte Comeback im Herzen Bayerns. Doch Angus und Co. trotzen nicht nur diesen Widrigkeiten.
Zwar gießt es beim zweiten Gastspiel im Olympiastadion binnen weniger Tage nicht mehr aus Kübeln, die klimatischen Bedingungen sind für Mai dennoch suboptimal. Dafür ist das Stadion sehr gut gefüllt, sowohl auf den Rängen als auch unten in der Arena. Bei etwas genauerer Analyse der Menge scheint das Quartett auf seiner möglicherweise letzten Tour allerdings auch eine Menge „Event-Publikum“ anzuziehen. Sehen und gesehen werden. Gemäß dem Motto: Wer weiß, ob sie jemals wiederkommen…

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Den relativ undankbaren Platz als Support übernehmen VINTAGE TROUBLE. Wer sich an King’s X in den 90er Jahren erinnert, weiß wie schwer es die Einpeitscher vor den Rocklegenden haben können. Zwar passt die musikalische Ausrichtung der Soul-Rocktruppe ebensowenig zu AC/DC wie King’s X, doch immerhin verzichtet die Menge im Gegensatz zu damals auf den Real-Life-Shitstorm. Dafür ist die Qualität auf der Bühne wohl doch zu prägnant: Besonders Frontmann Ty Taylor überzeugt mit weit mehr als seinen Koteletten und mit zunehmender Spieldauer entwickelt sich sogar etwas Stimmung im weiten Rund, der nach 45 kurzweiligen Minuten in mehr als Höflichkeitsapplaus kulminiert. In kleineren Hallen dürften VINTAGE TROUBLE noch deutlich überzeugender wirken als vor rund 75.000 Leuten, die gefühlt beinahe einzeln abgeholt werden müssen.

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Rund 30 Minuten dauert es im Anschluss, bis ein launiges Introvideo in „Rock Or Bust“ – dem Titelsong der aktuellen AC/DC-Platte – mündet. Gleichzeitig gleicht der Song einer passenden Überschrift für den folgenden Konzertabend. Knackig und laut dröhnt der Sound durch das Stadion. Lediglich Sänger Brian Johnson geht ab und an im Gitarren- und Schlagzeuggewitter ein wenig unter. Doch bereits zu Beginn versprühen AC/DC eine unbeschreiblich intensive Atmosphäre wie man sie in München letztes Jahr z.B. bei Black Sabbath erlebt hat. Wer kein Fan ist, kann dies bereits in den ersten Minuten auch ganz ohne Welthits oder ausgeprägten Bezug zum härteren Rock werden. Wer bereits eine Schwäche dafür hat, dem treibt es leicht das Pipi in die Augen.

urlEin Knackpunkt dafür ist sicher Angus Young, der mit inzwischen 60 Lenzen seinen x-ten Frühling erlebt und unermüdlich wie ein junger Hüpfer über die Bühne duckwalkt. Trotz aller Show trifft er jeden Ton und mutiert insgeheim zum Showact des Abends, wobei sich auch Brian Johnson mit seinen 67 Jahren nicht vor jüngeren Frontmännern verstecken muss. Dass Schlagzeuger Chris Slade talentiert ist, hat sich nicht nur in Szenekreisen bereits vor seinem Engagement bei AC/DC herumgesprochen. Lediglich ein bisschen unterfordert wirkt der Gute auf Dauer bei All-Time-Klassikern wie „TNT“, „Thunderstruck“ und „You Shook Me All Night Long“. So hält er ultrapräzise von seiner Schießbude aus den Laden vor ihm zusammen, ohne wie Tommy Clufetos bei Black Sabbath in einem eigenen Solo zu glänzen. Dieses bleibt Angus und seiner Gitarre vorbehalten. Malcolm Youngs Neffe Stevie wirkt dagegen beinahe unauffällig und agiert mit seinem Instrument weitgehend im Hintergrund. Nur einige Backing Vocals locken ihn ab und an nach vorne. Eine weitere Rampensau haben AC/DC aber auch nicht nötig.

Die Songauswahl gestaltet sich indes erwartungsgemäß: Zum anfänglichen „Rock Or Bust“ gesellen sich noch „Play Ball“ und „Baptism By Fire“ von der neuen Langrille. Der Rest der rund zweistündigen Setliste speist sich aus Klassikern, die mit entsprechenden Gimmicks inszeniert werden. So darf bei „Whole Lotta Rosie“ die aufgeblasene Puppe ebensowenig fehlen wie die Glocke zu „Hell’s Bells“. Bei der bereits erwähnten One-Man-Show von Angus regnet es Konfetti, als er sich auf einem kleinen Podest nach oben bewegt. Ebenfalls ein bekanntes Ritual, wobei seine Hose dieses Mal oben bleibt.

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Einzig die Pausen zwischen den einzelnen Songs geraten manchmal etwas lang. Das sei den Altstars aber verziehen. Die Show nebst bombastischem Bühnenlicht entschädigt für die kurzen Wartezeiten. Dazu präsentierten sich die Musiker allesamt in Topform. Etwas, das man bei 100 Euro Eintrittspreis zwar erwarten darf, aber nie verlangen kann. Dafür gibt es bei AC/DC auf ihrer aktuellen Tour noch eine Menge Rockgeschichte oben drauf. Und eine Lehrstunde für alle YouTube-Eintagsfliegen, gehypte Plastikprodukte und all diejenigen, die heutzutage nicht mehr in der Lage sind, ihrer Zeit einen derartigen Stempel aufzudrücken. For whose about to rock we salute you – indeed, my friends, indeed!

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Ein Kommentar zu “AC/DC w/ Vintage Trouble

  1. Soweit ich mich entsinnen kann, ist Stevie Young nicht der Sohn, sondern der – fast gleichalte _ Neffe von Angus und Malcolm Jung, der Sohn ihres deutlich älteren Bruders. Und der gute Mann spielt auch Gitarre und nicht Bass, den dürfte immer noch Cliff Williams umhängen haben.

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