CD-Review: Alice Cooper - Brutal Planet (Re-Release)

Besetzung

Alice Cooper - Gesang
Ryan Roxie - Gitarre
China - Gitarre
Phil X - Gitarre
Bob Marlette - Gitarre, Bass, Keyboard
Eric Singer - Schlagzeug

Tracklist

01. Brutal Planet
02. Wicked Young Man
03. Sanctuary
04. Blow Me A Kiss
05. Eat Some More
06. Pick Up The Bones
07. Pessi-Mystic
08. Gimme
09. It´s The Little Things
10. Take It Like A Woman
11. Cold Machines


Fast sechs Jahre nach „The Last Temptation“ veröffentlichte ALICE COOPER 2000 sein bis dato 21. Studioalbum „Brutal Planet“. Mit modernerem und zum Teil auch deutlich härterem Sound etablierte er sich damit als zeitgemäßer Künstler. Die alte Garage-Rock-Ära legte er mit der Veröffentlichung vorerst ad acta. Die Texte waren äußerst gesellschaftskritisch und drehten sich um Missstände wie Hass, die Gier nach Macht, häusliche Gewalt und die Massaker in Schulen. Hierzu passte auch die Albumbezeichung „Brutal Planet“.
Dieses Werk wird aktuell von Armoury Records re-released und dabei auch erstmals in der Mid-Price-Kategorie angeboten.

Die Vorwürfe, die ALICE COOPER wegen dieses Albums gemacht wurden, dass er so sehr Richtung Industrial tendiere und beispielsweise Marilyn Manson kopiere, kann ich nicht stehen lassen. „Brutal Planet“ ist zweifelsohne düsterer als alles, was er bis dahin komponiert hat. Und wenn auch manchmal ein Industrial- und auch leichter Gothic-Touch mitschwingt, habe ich vor allen Dingen den Eindruck, das Werk ist mehr Metal denn je.
Die ungewohnte Härte steht ALICE COOPER aber nicht schlecht zu Gesicht. Er versteht es sogar, seine charakteristische Stimme zuweilen dieser Atmosphäre anzupassen. Die Stücke „Brutal Planet“, „Blow Me A Kiss“ und „Eat Some More“ sind Aushängeschilder dieses durchaus modernen, düster angehauchten und sehr kraftvollen Coop-Sounds.
Noch eine Spur unheilvoller klingt „Pessi-Mystic“. Etwas treibender und rockiger, aber ohne die Härte zu missen, sind „Wicked Young Man“, „Pick Up The Bones“ oder das Albumhighlight „Sanctuary“. Aus dem düster-dynamischen Standard des Werkes fallen eigentlich nur das etwas Nu-Metal-like „Gimme“ und das emotionale „Take It Like A Woman“, die aber trotzdem genauso kritische Lyrics beinhalten.
Ungeachtet der unterschwelligen Düsternis des Albums beruhen aber fast alle Stücke auf einem guten und durchdachten Songwriting. Aus dem Level fällt nur „It’s The Little Things“ als einziger Schwachpunkt heraus. Man muss sich nur klar werden, dass man es hier nicht mit einem Mainstream-Werk wie „Trash“ zu tun hat, sondern mit dem genauen Gegenteil. Dennoch finde ich „Brutal Planet“ ebenso reizvoll, und es ist mit Sicherheit vielschichtiger ausgearbeitet.
Die gesangliche Leistung von Coop auf diesem Album ist besonders stark. Er überzeugt mit einer unglaublichen Variablität und kann sein Organ hervorragend der Atmosphäre anpassen. Und seine begleitende Instrumentaltruppe macht ihren Job ebenfalls prima.

Auch wenn ALICE COOPER mit „Brutal Planet“ neue Wege bestritt, ist es insgesamt ein gelungenes Werk der harten Rockmusik. Es dauert ein wenig, bis man sich an diese düstere Stimmung gewöhnt hat, doch wer nach mehreren Hördurchgängen erst einmal die vielfältigen Feinheiten der Songs entdeckt hat, wird auch die Qualität von „Brutal Planet“ erkennen.

Bewertung: 7.5 / 10

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