Review Arabrot – Norwegian Gothic

Kjetil Nernes und Karin Park alias ARABROT sind schon ein wenig schräge Persönlichkeiten: Das Ehepaar lebt mit Kind und Kegel in einer ehemaligen schwedischen Kirche, die gleichzeitig der Mittelpunkt des kreativen Schaffens der beiden ist. Mit „Norwegian Gothic“ steht nun ein weiterer Longplayer in den Startlöchern – und man darf gespannt sein, was das Duo diesmal aus dem Ärmel geschüttelt hat.

Ihren Status als „musikalische Wundertüte“ bauen ARABROT konsequent weiter aus: Auch „Norwegian Gothic“ bietet eine coole Mischung aus Noise-Rock, Alternative und sogar Sludge-Einflüssen – allerdings noch ein gutes Stück ausgefeilter als auf dem bereits sehr guten Vorgänger „Who Do You Love?“. Für Nernes selbst ist das neue Album eine Art Bestandsaufnahme – quasi die Summe aus allem, was ARABROT in den letzten zehn Jahren musikalisch erschaffen haben. Dass die Songs dabei noch ausgesprochen eingängig daherkommen ist ebenfalls keine Selbstverständlichkeit: Man darf von Ohrwurmcharakter oder sogar Hits sprechen.

Gleich der Opener „Carnival Of Love“ lässt die musikalische Vielfalt der folgenden knappen Stunde erahnen: schmissige Riffs, ein grooviges Rhythmusfundament, wunderbar akzentuierte elektronische Elemente und ein catchy Chorus. Zumindest solange man mit Nernes‘ Gesang klar kommt – denn das leicht quäkige Timbre seiner Stimme dürfte nicht jedermanns Sache sein. Zumindest ist der Wiedererkennungswert extrem hoch – irgendwie einzigartig klingt der Frontmann und Gitarrist durchaus.

Auf der kompositorischen Seite fällt auf, dass jedes Arrangement absolut on point ist. Keine Passage, kein Song wirkt zu lang oder zu kurz, die Kompositionen bleiben durchwegs spannend – was „Norwegian Gothic“ zum bis dato ausgereiftesten ARABROT-Longplayer macht. Technisch durchaus anspruchsvoll, was aber nicht verhindert, dass die Refrains von zum Beispiel „Feel It On“ oder „The Lie“ hartnäckig im Ohr kleben bleiben.

Neben der ziemlich fähigen Rhythmusgruppe bestehend aus Drummer Joakim A. Johansen und Bassist A. P. Macarte tummeln sich außerdem allerlei Gastmusiker auf „Norwegian Gothic“. So steuert Jo Quail auf verschiedenen Songs Streicher bei, während Sängerin Jolina Näs Karin Park am Mikrofon unterstützt – was das ruhige „Hallucinational“ zu einem Highlight auf dem neuesten ARABROT-Output macht. In diese Kategorie gehört auch das morbide anmutende „The Moon Is Dead“: Film-Noir-Atmosphäre pur, nicht zuletzt durch das von Lars Horntveth eingespielte Saxophon.

Produktion und Sounddesign machen ebenfalls Spaß: „Hailstones For Rain“ hat durch seine markanten Keyboardsounds ein bisschen was von Faith No More in den Neunzigern, die zweite Hälfte von „Deadlock“ bietet überraschend dreckige Sludge-Gitarrenbretter. Obwohl die Bandbreite an unterschiedlichen Sounds recht groß ist, sorgt die tontechnische Umsetzung von Jamie Gomez Arrelano (der auch schon für Paradise Lost, die Black Eyed Peas und Hexvessel tätig war) für ein homogenes Ganzes, welches jederzeit druckvoll und transparent aus den Boxen tönt.

ARABROT sind so etwas wie die Tim-Burton-Version von den Melvins, gewürzt mit einer gehörigen Prise Swans. Wer diesen beiden Bands etwas abgewinnen kann, sollte also dringend ein Ohr riskieren, denn „Norwegian Gothic“ ist definitiv ein frühes Highlight des noch jungen Jahres – sollte aber aufgrund seines Abwechslungsreichtums für einen hohen Langzeitspaßfaktor sorgen.

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Wertung: 9 / 10

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