CD-Review: Bhleg - Äril (EP)

Besetzung

Ludvig Andersson – Gesang, Bass
Simon Johansson – Gesang, Gitarre, Keyboard, Perkussion

Tracklist

01. Vittra Och Dö
02. Från Eld Till Aska
03. Skördetid


Während viele junge Bands in ihrem anfänglichen Tatendrang in kürzester Zeit ein Album nach dem anderen herausschleudern, war BHLEG offenbar von Anfang an klar, dass gut Ding Weile haben will: Nach ihrem Debüt „Draumr Ást“ (2014) ließen sich die schwedischen Folk-Black-Metaller vier Jahre Zeit, um Songs für eine weitere Platte zusammenzutragen. Mit einer Gesamtlaufzeit von beinahe 100 Minuten war „Solarmegin“ (2018) dann aber doch zu viel des Guten – oder besser gesagt: des Mittelmäßigen. Für ein solches Mammutprojekt fehlte es dem Duo offensichtlich an ausreichend spannendem Liedgut. Zumindest das Problem mit der Menge sollte sich bei ihrer halbstündigen EP „Äril“ eigentlich nicht mehr stellen.

Drei zwischen 6 und 14 Minuten lange Tracks umfasst das Kurzalbum, das rein stilistisch gewiss einiges zu bieten hat. Dass garstige Screams, trübsinnige Tremolo-Riffs, ungestüme Schlagzeugrhythmen und herbstliche Folk-Einsprengsel, wie sie BHLEG hier aufeinandertreffen lassen, an sich gut zusammenpassen und – sofern gekonnt in Szene gesetzt – eine einnehmende Stimmung zu erzeugen imstande sind, haben schließlich schon viele Bands vor den Schweden unter Beweis gestellt. BHLEG scheinen sich damit jedoch selbst in einem kleineren Rahmen schwerzutun.

Abgesehen von einer Handvoll einigermaßen mitreißender Melodien findet sich auf „Äril“ nämlich nicht viel Hörenswertes. In nahezu sämtlichen Bereichen hat die zweiköpfige Band dringenden Verbesserungsbedarf: Die Songstrukturen wirken vielfach beliebig und verstreut, die Tonqualität ist selbst für eine Black-Metal-Aufnahme nach heutigen Maßstäben unterdurchschnittlich und auch an ihrer Performance hätten BHLEG noch mehr feilen können.

So klingt das Gitarrenspiel durchwegs spröde wie Sandpapier, das Schlagzeug macht selbst in den wilderen Momenten einen eher behäbigen Eindruck und weder die rudimentären Keyboards noch der unscheinbare, quasi-hymnische Hintergrundgesang reißen den Hörer aus der früher oder später unweigerlich eintretenden Ernüchterung. Was die ziellos dahinrauschenden Tracks an geringfügiger Spannung in sich bergen, wird zudem nicht selten durch den viel zu unausgewogenen Sound zunichtegemacht, aufgrund dessen immer wieder einzelne Instrumente die übrigen überschatten.

Wie es scheint, resultierte die Mittelmäßigkeit von „Solarmegin“ nicht bloß aus einem Übermaß an nicht gezielt genug ausgewähltem Material. Besieht man sich die Schwächen, die BHLEG auf dem nicht einmal halb so langen „Äril“ in allen Teilgebieten vom Songwriting über die Darbietung bis hin zur Produktion an den Tag legen, kommt man zu dem Schluss, dass es offenbar keinen Unterschied macht, ob die Schweden ein opulentes Doppelalbum oder lediglich eine kompakte EP aufzuziehen versuchen. Letzten Endes machen BHLEG einfach nichts besser oder auch nur eigenständiger als Dutzende in die gleiche stilistische Kerbe schlagende Bands. Um mit Vorzeige-Folk-Black-Metal-Gruppen wie Agalloch oder Falls Of Rauros mithalten zu können, fehlt BHLEG einseitig noch das nötige Fingerspitzengefühl.

Keine Wertung

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