CD-Review: Borknagar - The Archaic Course

Besetzung

ICS Vortex - Gesang, Keyboard
Øystein Garnes Brun - Gitarre
Jens F. Rydland - Gitarre
Kai K. Lie - Bass
Grim - Schlagzeug
Ivar Bjørnson - Keyboard

Tracklist

01. Oceans Rise
02. Universal
03. Witching Hour
04. The Black Token
05. Nocturnal Vision
06. Ad Noctum
07. Winter Millenium
08. Fields Of The Long Gone Presence


Schon erstaunlich, wie sich manche Bands in sehr kurzer Zeit weiterentwickeln. Nun sind die Norweger BORKNAGAR nicht gerade unbekannt für den steten Wandel, aber die zwei Jahre, die zwischen dem selbstbetitelten Debüt, welches noch recht rohen und simpel vorgetragenen nordischen Metal bot, und dem vorliegenden „The Archaic Course“ liegen, haben die Mannen um Bandkopf Øystein G. Brun extrem geprägt.

Schon „The Olden Domain“ zeigte BORKNAGAR von einer wesentlich progressiveren Seite und ebnete auf beinahe unschuldige Art und Weise den Weg für spätere Alben. „The Archaic Course“ versucht, diese Marschrichtung konsequent weiterzuführen, allerdings finden sich auch einige neue Punkte im Sound der Skandinavier wieder. Die cleanen Vocals wurden noch einmal ausgebaut, die Musik ist etwas langsamer, aber trotzdem irgendwie wieder roher als beim Vorgänger und die Songs sind insgesamt deutlich kürzer und kompakter gehalten. In einigen Fällen ist das auch eine gute Entscheidung gewesen, das zackige „Ad Noctum“, welches mit fiesem Geknurre und einer sehr coolen Gitarrenmelodie glänzt, läuft unter viereinhalb Minuten über die Ziellinie und hat in der Zeit auch alles gesagt, was es zu sagen gab.
Die epischeren Nummern wie „Ocean´s Rise“, welches mit seiner Abwechslung zwischen großen Melodien und sanften Akustikgitarren ein perfekter Opener ist, oder „The Black Token“ mit seinem majestätischen Refrain, der einen interessanten Kontrapunkt zu den harschen Strophen setzt, brauchen etwas mehr Raum, um sich zu entfalten. Trotzdem wird es hier nie langweilig, aber BORKNAGAR zeigten schließlich schon in der Vergangenheit, wie man die Spannung auch über beinahe acht Minuten hochhalten kann.
Etwas Aufsehen erregen die mitunter sehr gefälligen Leads der Gitarre, die Soli sind recht untypisch sehr harmonisch in den Gesamtsound eingebunden und wirken so kein bisschen störend, was bei Kollegen der härteren Gangart schon des öfteren der Fall ist, man höre sich da nur die teilweise etwas unausgegorenen Versuche auf Hypocrisys „Abducted“ an, welches nur zwei Jahre zuvor erschien.
Punkten können die Norweger ebenfalls mit dem lyrischen Konzept; so wikingerhaft die Musik teilweise klingt, so angenehm distanziert sind die Texte, in denen es um wissenschaftliche Themen, Natur und den Kosmos geht – auch wenn das Artwork nicht mit genreüblichen Elementen geizt.
Eigentlich hat „The Archaic Course“ nur einen Fehler: Man muss es einfach zu oft hören, um die vielen Kniffe zu entdecken, die die Jungs in die gerade einmal 37 Minuten eingebaut haben. Für die vergleichsweise kurze Spielzeit passiert also sehr viel. Vor fünfzehn Jahren haben sich die potentiellen Käufer vielleicht noch die Zeit genommen, aus heutiger Sicht dauert es aber teilweise doch etwas zu lange, bis der Funke überspringt. Die drei angesprochenen Songs einmal ausgeklammert, verlieren sich BORKNAGAR etwas zu sehr im Detail, etwas weniger Progressivität hätte dem Album gut getan, aber wer weiß schon, wie sich die Karriere dann weiterentwickelt hätte.

Leider fehlt „The Archaic Course“ also insgesamt die Eingängigkeit und über die Gesamtdistanz auch die Qualität, die den Vorgänger zum besten BORKNAGAR-Album macht. Dies soll die Platte aber nicht herabwürdigen, wer nordische Hymnen in ausgeschmückter Epik mag, wird hier ohne Frage fündig. Kein Genre-Highlight, aber ein gutes Album, zumal das letzte von Schlagzeuger Grim vor seinem Selbstmord im darauffolgenden Jahr.

Bewertung: 7.5 / 10

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