CD-Review: Chronus - Idols

Besetzung

Sebastian "The Baron" Axelsson - Gesang, Rhythmusgitarre
Svante Furevi - Leadgitarre
Oliver Delander - Bass
Adam Kapusta - Schlagzeug

Tracklist

01. Mountains Of Madness
02. Heavy Is The Crown
03. Shepherd
04. My Heart Is Longing For You
05. Ghosts
06. Sun
07. Pharos
08. Black Water
09. Memories
10. Idols


Bereits 2012 gegründet, aber im Hinblick auf das Alter ihrer Mitglieder noch recht jung ist die südschwedische Band CHRONUS. Während das an sich noch keine Besonderheit ist, fällt das Quartett durch sein visuelles Auftreten auf. Frontmann Sebastian Axelsson, der sich den Künstlernamen „The Baron“ verpasst hat, trägt auffällige Schminke um die Augen und eine weiße Uniform am Körper, während seine drei Kollegen in das blutrote Pendant dazu geschlüpft sind. Doch Moment – ein Sänger mit Make-up-Verschleierung und uniform gekleidete Mitmusiker? Da klingelt doch was …

In der Tat hören die Parallelen nicht bei den äußerlichen Gemeinsamkeiten oder auch dem Heimatland auf: CHRONUS spielen auf ihrem nunmehr zweiten Longplayer „Idols“ eine Variante des Hard Rock mit Heavy-Metal-Schlagseite, der nicht selten an Ghost erinnert – ohne dabei jedoch eine ähnliche düstere Aura auszustrahlen. Dazu klingt schon Axelssons Stimme zu hell, dessen Performance in Ansätzen irgendwo zwischen Mastodons Brent Hinds, Ozzy und Volbeats Michael Poulsen zu verorten ist.

Auch sonst kann man CHRONUS nicht vorwerfen, dass sie sich musikalisch allzu sehr an Vorbildern orientieren oder gar bedienen. Das skandinavische Quartett spielt durchaus seinen eigenen Stil: In den Strophen hält sich die Gitarrenfront in der Hälfte der Tracks mit dezenter Palm-Mute-Begleitung zurück, um dem melodischen Gesang genug Raum zu geben, und jener sich schließlich im Refrain kräftig aufbäumt (z. B. in den ersten drei Tracks oder auch „Black Water“). Weicht die Band von diesem Schema ab, klingt das gerne mal wie eine entmetallisierte, rockige Variante des berühmten doublebassbegleiteten Maschinengewehr-Riffings aus Metallicas „One“ („Pharos“) oder nach verträumtem Saitengeplänkel im einzigen Lovesong des Albums, „My Heart Is Longing For You“, der mit einer wohldosierten Portion Schmalz, aber am Ende ohne Kitsch-Überdosis daherkommt.

Das Problem, das sich im Laufe von „Idols“ zu erkennen gibt, liegt zum einen darin, dass CHRONUS zwar mit ihren hymnischen Refrains inklusive gedoppelter Gesangsspuren schon zu einem gewissen Grad eingängig bis hin zur Radiotauglichkeit klingen, doch nach Verstummen des Rausschmeißer-Songs letztlich so gut wie nichts hängenbleibt. Zum anderen wohnt dieser radiotauglichen Oberflächlichkeit inne, dass man als Hörer zuweilen den Eindruck hat, CHRONUS rocken größtenteils mit angezogener Handbremse, anstatt das Monster von der Kette zu lassen.

Dass sie es können, beweisen sie etwa in der zweiten Hälfte von „Memories“, einer so zumindest semi-kraftvollen Metal-Nummer mit energetischer Drum-Arbeit und tonnenschwerem Stampf-Part. Auch der Titeltrack an finaler Position startet zunächst erhaben mit Trommelwirbel und flottem, an Iron Maiden erinnerndem Alternate-Picking, um dann in das generische Strophenschema zurückzufallen, von dem man an dieser Stelle angekommen schon genug hatte. Ferner zeigen die jungen Männer mit „Sun“ durchaus Potential, wenn sie ein schleppendes Doom-Riff in bester Black-Sabbath-Manier zelebrieren, es dann aber bei einem ca. 80-sekündigen Instrumental belassen, das den zweiten Teil von „Idols“ einleitet. Hätten sie aus diesem Interlude einen vollwertigen Song gebastelt, wäre auch die etwas dürftige Albumspielzeit von knapp 36 Minuten großzügiger ausgefallen.

Hier soll nicht der Eindruck entstehen, dass CHRONUS eine großartige Hard-Rock-Band wären, wenn sie nur mehr Metal spielen würden. Tatsächlich bieten die Schweden mit „Idols“ neun ohne unnötige Längen auskommende und somit auf die Essenz reduzierte Rocksongs, die zudem genau so produziert sind, wie ein Album dieses Genres 2020 klingen sollte. Darüber hinaus muss man betonen, wie außerordentlich gut die Musiker ihre Instrumente beherrschen, wie unglaublich tight sie „Idols“ eingespielt haben. Und doch: Selbst wenn man es drauf anlegt, diese Platte toll zu finden und ihr mehr als nur ein paar Durchläufe gönnt, so bleibt die Entwicklung von einem dahinplätschernden Etwas zu einem ganz passablen Rock-Album das höchste der Gefühle. Mehr Verspieltheit, mehr ungezügelte Energie und mehr Mut beim Songwriting ist der Band zu wünschen. Stand jetzt bleibt „Idols“ jedoch ein lauwarmer Tipp für Fans von Ghost, neueren Volbeat oder auch Audrey Horne.

Bewertung: 6.5 / 10

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