Review Cradle Of Filth – Damnation And A Day

Ach ja, das ist immer ein Spektakel wenn die Mannen rund um Frontkreischer Dani Filth einen neuen Tonträger auf den Markt schmeißen. Bei gestandenen Blackies werden schon bei der bloßen Ankündigung „Ausverkauf!“-Rufe laut, die imaginäre Krone wurde dem ganzen dann wohl letztes Jahr durch die Unterzeichnung bei Sony Music aufgesetzt, nachdem die Zeit beim Indy-Label Music for Nations mit dem Best Of-Sampler „Lovecraft & Witch Hearts“ abgeschlossen wurde.
Doch werfen wir nicht mit Steinen, wenn wir im Glashaus sitzen. Ich bin zwar nicht wirklich dass, was man als gestandenen Düstermetaller bezeichnen könnte, jedoch großer Fan der Gruppe, und auch ich hatte gewisse Ängste, dass man mehr oder weniger freiwillig andere Wege einschlägt. Warum diese Ängste allerdings absolut unbegründet waren und Cradle of Filth eher wieder eine härtere Gangart einschlagen als auf der 2000er-Bombe „Midian“ werde ich nun im folgenden Review darlegen.

Vorher aber ein wenig zum Album im allgemeinen. Wie es bei den Engländern recht beliebt zu sein scheint besitzt auch „Damnation and a Day“ ein Konzept, beziehungsweise sogar eine komplette Storyline. Wer könnte diese besser zusammenfassen als Meister Filth himself:

„Das Album dreht sich um einen Charakter der grob an Luzifer angelehnt ist. Einige Songs drehen sich um die Entstehung der Welt, um heidnische Mythologie und entwickeln sich schließlich mehr zu dem Thema eines Krieges mit Gott und der Verbannung aus dem Himmel. Der erste Teil des Albums erzählt eher, während der zweite die Geschichte aus der Sicht des Protagonisten zeigt. Er sieht, dass die Menschheit sozusagen nicht mehr zu retten ist und versucht dabei auch, sein eigenes Schicksal zu bekämpfen. Natürlich versagt er und sieht letztendlich ein, dass alles was passiert sowieso vorherbestimmt ist, also fügt er sich in sein Schicksal und erkennt, dass er dazu bestimmt ist, die Welt zu vernichten und den Untergang zu initiieren, womit das Album endet.“

Um diesem komplexen Thema gerecht zu werden hat man – mit der nun etwas größeren finanziellen Unterstützung im Rücken – das Budapest Film Orchestra und den Budapest Film Choir unter der Leitung von Lazslo Zadori engagiert.

I: Fantasia Down

Typisch beginnt das Album mit einem Intro, welches auf den Namen „A Bruise upon the Silent Moon“ getauft worden ist. Nach Blitz und Donner kommt das besagte Orchester dann zum Einsatz, unterstützt vom sowohl männlich als auch weiblich besetzten Chor. Dave McEwen, den manche eventuell aus dem „Her Ghost in the Fog“-Video oder auch in der Rolle des Kemper aus dem kultigen Horrorstreifen „Cradle of Fear“ kennen sorgt für eine düster gesprochene Einleitung, die den Hörer in die Handlung des Albums einführen soll.
„The Promise of Fever“ zerschlägt dann direkt jeden Zweifel über eine kommerzielle Ausrichtung der Band. Adrian bearbeitet sein Schlagzeug wie ein Berzerker und knallhartem Double Bass-Bleifuß, kein langes Vorgeplänkel, Dani legt aggressiv und heftig wie eh und je vor, die Saiteninstrumente ziehen kräftig mit und machen aus dem ersten Song einen absoluten Kracher, dessen gnadenloses Geknüppel gegen Ende auch noch in einen interessanten, da irgendwie psychidelischen Orchester-Part ausufert. Nach einem weiteren markerschütternden Schrei geht es kurz heftig weiter, bevor für wenige Sekunden Stille zu hören ist.
Diese Stille geht dann in „Hurt and Virtue“ über, welches etwas gemäßigter und eher Riff-orientiert beginnt. Keyboard und Schlagzeug kommen ebenso gut zur Geltung, nach etwa einer Minute geht es in einen Mid-Tempo-Part über, den man noch öfters zu hören bekommen soll. Scheinbar elektronisch verzerrte Gitarren begleiten einen weiteren eher langsamen Part im Mittelteil des Songs, nach jenem es größtenteils mit dem Anfangstakt weitergeht.
Mit dem aus dem ersten Song bekannten Gebolze knallt „An Enemy led the Tempest“ aus den Boxen, dass Adrian einmal mehr alles abverlangen zu scheint – aber er bringt’s auch wirklich! Das ganze Stück über verdrischt er sein Drumset energisch, die Up-Tempo-Passagen überwiegen hier klar, für einige Sekunden wird das Tempo gemäßigt, wohl aber nur um danach wieder voll durchstarten zu können. Nach etwa drei Minuten Spielzeit wird dem Orchester mehr Bedeutung zugemessen, eine Zeit lang verläuft der Song langsam und mit sehr tiefem Gesang. Zum Ende nach etwa 6 Minuten hin wird’s nochmal heftig.

II: Paradise Lost

„Damned in any Language (A Plague on Words)“ heißt das Intro zum zweiten Kapitel des Songs und gleicht dem ersten Intro vom Aufbau her stark. Infernaler Chor, Orchester, Dave McEwen erzählt.
Das ganze geht ohne Verzug in „Better to reign in Hell“ über, dass mit einem knalligen Riff loslegt und in eine langsamere, atmosphärische Phase übergeht, bevor für den Refrain wieder das Markenzeichen, nämlich Dani’s Gekreische, hervorgeholt wird. Man baut im Refrain auf den Opening-Riff auf, dann geht der erwähnte gemäßigtere Part erneut los. Später setzt es einige Verzerrungseffekte bei Stimme und Gitarre, die kurze Abwechselung bringen. Nachdem ein weitesgehend instrumentaler Teil durchgelaufen ist, neigt sich dieses Lied nach einem weiteren Refrain dem Ende zu.
Track Nummero 7 hört auf den Namen „Serpent Tongue“ und beginnt mit einer einzelnen, hohen Gitarre, die bald von hämmernden Drums unterstützt wird und in eine tiefe Gothic-Phase mit wunderschön tiefem Gesang übergeht. Daraufhin geht es plötzlich Up-Tempo-mäßig weiter, bis zum Refrain, indem die elektronische Verzerrung einmal mehr zum Einsatz kommt und Dani’s Titelschrei noch ein wenig heftiger erscheinen lässt. Die sehr guten Anfangs-Arrangements tauchen wieder auf, um wieder in die etwas härtere Gangart umzuschlagen. Der Song fetzt wirklich, vielleicht hätte hier zum sehr düsteren Intro aber etwas weniger Geknüppel und etwas mehr Mid-Tempo gut getan.Wow. „Carrion“, der nachfolgende Track, beginnt mit absolut bedrohlichem Drumming, einer ebenso wirkenden Gitarre und Bläsern, die man sonst nur aus Filmen mit mittelalterlichen Schlachten kennt. Eine wahnsinnige Atmosphäre wird aufgebaut, die dann etwa bei Sekunde 36 von grandiosem Orchester-Einsatz noch gesteigert wird. Mit noch schnellerem Schlagzeug kreischt Dani sich dazu aus, im Refrain wird eine dem Anfang ähnliche Melodie verwendet. Nach einer Flüster-Passage, nur von Orchester begleitet, geht es mit einem ultrahohen Schrei und hart weiter, bevor der Song nach schon etwa 4 einhalb Minuten sein Ende findet. Würdest du, lieber Leser, die Nennung eines bisherigen Highlights fordern, würde ich wohl „Carrion“ wählen.

III: Sewer Side up

„The Mordant Liquor of Tears“ heißt die Einleitung zu diesem Kapitel des Albums und legt langsam los, wieder nur Chor und Orchester, bis etwa nach 1:29 Minuten ein etwas energischerer Ton zum Zug kommt. Bisher das meiner Meinung nach beste Orchestral-Stück auf dem Album.
Die 10 heißt „Presents from the Poison-Hearted“ und beginnt mit einleitendem Drumming und Chor, auch Keyboards werden später eingesetzt, Dani Filth variiert schön zwischen seiner hohen, grunzigen und seiner eher rotzig angehauchten Stimmlage, trifft dabei aber stets die richtige Wahl. Der zurückkehrende Chor nach etwa 3 Minuten ist ebenso gut platziert. Nach etwa 4 einhalb Minuten, kurz bevor der Anfangs-Chor wieder einsetzt, hat man sich definitiv bei sich selbst bedient, eine sehr ähnliche Stelle konnte man von CoF schon einmal hören, verzeiht mir, dass ich spontan den Titel nicht nennen kann. Ist aber eigentlich auch nebensächlich, der Song ist geil, und darauf kommt es an!
Interessant beginnt „Doberman Pharao (or: Destiny wore a Bondage Mask)“, nämlich mit ägyptsichen Einflüssen. Getreu dem Namen geht mit diesen auch weiter, diese werden aber nicht alleine auf den Weg geschickt, ein anfangs minimal verzerrter, dann recht schneller Riff und gewohnt hartes Drumming gesellen sich dazu. Nach einer Minute wechselt die Melodie recht schlagartig, Dani wechselt dabei ebenso schlagartig zwischen hoch und tief und die langsamere Passage kommt gut. Der alternative Touch, geäußert durch die orientalischen Samples, verleiht dem Song unglaubliche Frische, bei der die Härte zugleich nicht auf der Strecke bleibt. Das Ende ist genial, das lässt sich aber mit ruhigem gewissen auch über den ganzen Song sagen!
Mit einem absolut tötenden, Doom Metal-angehauchten Riff beginnt „Babalon AD (So glad for the Madness)“ und legt mit schnellem Schlagzeug nach, bevor es bedenklich ruhig wird. Leiser Bass und Keyboard begleiten Dani bei tiefen, dann herrlich kranken Vocals, die in einen schnelleren Teil übergehen. Ein nahezu lässiger Part folgt dann bei 1:20 Minuten. Für Cradle of Filth-Verhältnisse ein leicht ungewohnter Sound, ich persönlich finde es aber mehr als nur geil. Geniale Riffs, Gruselfilm-Chor und ein minimaler Einsatz von Elektro-Bearbeitung…nach etwas über 4 Minuten aber vorbei: Ein plötzlicher Bruch, Dani kreischt als würde man ihm nach dem Leben trachtenden, Herzschlag….wieder ein etwas schnellerer Part, noch einmal Harmoniewechsel, ein langer Schrei von Dani, das Doom-Intro ist auch das Doom-Outro, da ist es schon (viel zu früh) wieder vorbei. Ein göttlicher (naja, bei CoF vielleicht nicht das richtige Wort) Song, der mit diversen Melodien und Innovation aufwartet. Ganz groß!

IV: The Scented Garden

Das letzte Kapitel des Albums wird vom Intro „A Scarlet Witch lit the Season“ angestimmt, welches Anfangs schleichend daher kommt, im Verlauf harmonieren Chor und Orchester dann einmal mehr so miteinander, wie es im Film kaum besser wirken könnte.
„Mannequin“ fängt schnell an und setzt zu einem großen Teil auf den Gesangs von Sarah Jezbel Deva, der von Dani und einem späteren Elektro-Sampel unterstützt wird. Nach rund einer Minute wird ein wenig geknüppelt, der Chorus baut dann einmal mehr auf dem Anfang des Songs auf, was auch hier wieder zu einem verdammt guten Endergebnis führt. Eine weitere sehr gute Stelle gibt es nach einer kurzen Instrumental-Phase, die mit der einzelnen Gitarre aus Intro / Refrain endet, welche ich persönlich wiederum für sehr gut halte. Fast ein wenig zu früh ist der Song nach etwas über 4 Minuten schon wieder vorbei.
Oha. Leser meines „Midian“-Reviews werden sich noch an meine kritischen Worte zum Track „Tearing the Veil from Grace“ erinnern, wo ich sagte, dass aus einem fabelhaften Ansatz zu einer schwarzen Ballade ein eher durchschnittlicher Song gemacht wurde. Hier ist nun Versuch Nummer 2, in Form von „Thank God for the Suffering“. Dieses beginnt selbstredend langsam und hauptsächlich mit Orchester und dezenten Drums, bis Dani sehr tiefe Vocals einbringt. Der Song wechselt zwischen den wie gesagt orchestral begleiteten Passagen und einigen heftigeren Parts, die besonders im Refrain zugegen sind. Ein konstanter Track, dessen Intro sofort im Ohr bleibt und wirklich erste Sahne ist. Mission geglückt!
Zügig zur Sache geht es dann bei „The Smoke of her Burning“, dass ein gewohnt gekonntes Zusammenspiel aus Gitarren und Drums durch die Boxen schmettert. Auf diese heftige Schiene setzt man auch nahezu den ganzen Song lang, schnelle Vocals, sehr schnelles Schlagzeug, Dani kreischt und brüllt als wenn es morgen verboten würde – dann nach etwa 3:58 der urplötzliche Umschwung: Langsame Melodie, Orchester, ein langgezogener Schrei von Dani, der am Ende in ein leidendes Wimmern übergeht. Das ganze etwa eine Minute, ein absolut wahnsinnig gelungenes Ende des Songs, der……direkt und ohne Pause in „End of Daze“ übergeht, das Outro der Platte. Da hier thematisch der Weltuntergang behandelt wird, wirkt alles sehr pompös, düster, infernal – Dave McEwen kommt ein letztes Mal zum Einsatz und verschwindet mit hämischem Lachen, das stellt das Ende von „Damnation and a Day“ dar.

Nun denn. Gute drei Jahre nach „Midian“ und dem besagten Sony-Deal kehren Cradle of Filth nun mit diesem Album zurück. Eine fesselnde Geschichte in vier Kapitel unterteilt, und jedes einzelne überzeugt auf seine Eigenart auf voller Linie. Kapitel 1 wartet so z.B. mit ziemlich harten Songs und Geknüppel auf, dass gar Black Metal-Puritaniern gefallen könnte, während Kapitel 3 eine eher experimentelle Seite der Band aufzeigt.
Im Gegensatz zu „Midian“ gibt es eigentlich keinen Song, der mir nicht wirklich zu gefallen vermag, auch wenn die Eingängigkeit der Tracks unterschiedlich ist. „Babalon AD (So glad for the Madness)“ musste ich zahlreiche Male hören bis es richtig gezündet hat, letztendlich konnte dieses geniale Stück Metal aber gar zu meinem Lieblingssong auf dem Album avancieren. Natürlich gibt es auch noch etliche andere Anspieltipps, offensichtliches Hit-Potential haben auf jeden Fall „Carrion“, „Doberman Pharao“, „Mannequin“ und und und….als Fazit kann ich nur noch mit einer wärmsten Empfehlung an alle verbleiben, die auch nur im geringsten etwas mit Cradle of Filth, Black Metal (bei dem der Apfel sehr weit vom Stamm fällt) oder Gothic-Sound anfangen können. Durch und durch ein solides Album, dass sicherlich eines des Metal-Highlights des Jahres 2003 darstellt.

Wertung: 9.5 / 10

Geschrieben am 5. April 2013 von Metal1.info

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert