Konzertbericht: Cradle Of Filth w/ God Seed, Support

14.12.2012 München, Theaterfabrik


Mit „The Manticore And Other Horrors“ lieferten CRADLE OF FILTH erst unlängst ein durchaus formidables Album ab – kein Wunder also, dass die Band dieses auch live promoten will. In Begleitung mit dem Gorgoroth-Abkömmling GOD SEED, den Griechen von ROTTING CHRIST sowie DARKEND beziehungsweise BLYND als Support touren die Briten dieser Tage durch Europa – ein Zwischenstopp in München ist da quasi obligatorisch.

Doch obwohl dieser auf einen Freitag Abend fällt, ist in der Theaterfabrik auch nach dem Auftritt der den zweiten Teil der Tour über als Opener fungierenden Zyprioten BLYND überraschend wenig los: Lichte Reihen bis vor die Bühne und das, obwohl zum sowieso schon starken Lineup mit ROTTING CRIST heute noch ein weiterer international etablierter Act hinzukommt – ein Genuss, in den aufgrund der Tourpläne der Hellenen im deutschsprachigen Raum neben den Münchnern nur die deutschen und österreichischen Hauptstädter kommen.


Dass wenig Publikum nicht automatisch auch schlechte Resonanz bedeutet, zeigt sich eindrucksvoll, als ROTTING CHRIST ihre Show beginnen: Obwohl die Fans nicht einmal direkt vor der Bühne dicht gepackt stehen und die Theaterfabrik mit geschätzten 300 Leuten kaum zu einem Drittel gefüllt ist, werden die Griechen von der ersten Minute an euphorisch abgefeiert. Und das mit Recht, liefert das um zwei Livemusiker ergänzte Geschwisterpaar doch eine wirklich mitreißende Show: Stampfende Riffs wechseln mit furiosen Knüppelpassagen und laden zum kräftigen Headbangen ein, während die Musiker selbst durch großes Engagement und Hingabe zu überzeugen wissen. Bei bestem Sound verläuft die Show so überraschend gut – wer vor diesem Auftritt noch nicht in Konzertstimmung war, dürfte spätestens jetzt auf Betriebstemperatur gebracht worden sein.


Das ist auch bitter nötig, denn mit GOD SEED aus dem eisigen Norwegen steht nun trve-frostbitten Black Metal auf dem Programm. Nachdem es sich bei der Band im Endeffekt um die Gorgoroth-Version von Gaahl und King handelt, wäre für diese erste Tour unter dem neuen Namen eigentlich großes Interesse seitens der Gorgoroth-Fanbase zu erwarten gewesen – dass man im Publikum an diesem Abend lediglich ein oder zwei Gorgoroth-Shirts sichtet, ist in diesem Kontext ebenso verwunderlich wie die immer noch sehr überschaubare Besucherzahl.

Obwohl der Großteil derer, die ihren Weg heute in die Theaterfabrik gefunden haben, also offensichtlich wegen Cradle Of Filth gekommen ist, werden GOD SEED um Punkt 21:00 mit lautem Jubel empfangen. Ohne jedwede Bühnendeko und, von Sänger Gaahl abgesehen sogar ohne Corpsepaint, tritt die Band heute überraschend puristisch auf – zumindest verglichen mit dem Brimborium aus Fackeln und ans Kreuz gebundenen Nackten, mit dem Gaahl und King 2008 auf der letzten Tour unter dem Gorgoroth-Banner aufwarteten.

Auch im Stageacting beschränken sich GOD SEED auf das Nötigste: einige routinierte Platzwechsel sowie Anschauungsunterricht in der Disziplin „mit Blicken töten“ von Altmeister Gaahl – einzig Bassist King lässt sich bisweilen zum Posen verleiten. Diese Bescheidenheit steht der Band, die zudem vom abermals sehr guten Sound profitiert, gut zu Gesicht – unterstreicht sie doch perfekt die unterkühlte Atmosphäre der Musik.

Abgesehen vom neu dazugekommenen Keyboard unterscheidet sich diese nur unwesentlich von der der letzten Gorgoroth-Werke. Doch auch, wenn das neue Material live deutlich mehr Dynamik entwickelt als auf dem Debüt-Album „I Begin“, kann man nicht umhin, festzustellen: Ihre Höhepunkte erreicht die Show dennoch bei den Gorgoroth-Hits „Wound Upon Wound“ und „Carving A Giant“.

Nach 45 Minuten und dem finalen „This From The Past“ ist dann Schluss – was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Gaahl und King mit GOD SEED in dieser Stärke einen würdigeren Gorgoroth-Nachfolger abgeben als Infernus‘ neu formierte Truppe. Eines der, wenn nicht das Black-Metal-Konzert des Jahres!

01. Sign Of An Open Eye
02. Awake
03. Aldrande Tre
04. Carving A Giant
05. From The Running Of Blood
06. Wound Upon Wound
07. Exit
08. Alt Liv
09. Prosperity And Beauty
10. This From The Past

Wer dachte, puristischer könnte eine Bühne nicht mehr aussehen, wird in der folgenden halben Stunde Umbauzeit eines Besseren belehrt: Im Gegensatz zum pompösen Bühnenaufbau, mit dem CRADLE OF FILTH bei ihrem letzten Besuch in München (gemeinsam mit Gorgoroth auf besagter Tour 2008) auf im Backstage Werk auftrumpften, wird heute alles, was nicht niet- und nagelfest ist, von der Bühne geräumt. In Folge dessen ist diese, von einem kleinen Podest für Fronter Dani Filth und dem Schlagzeug abgesehen, schließlich komplett leer. Ob das so geplant war oder aber die Bühne in der Theaterfabrik lediglich zu klein für die mitgebrachten Aufbauten war, ist schwer zu sagen – frei nach dem Motto „Die Show bin ich!“ lässt sich der quirlige Mr. Filth davon jedoch ebenso wenig beirren wie von der Tatsache, dass der Bühnensound offensichtlich eine Katastrophe ist: Ungezählte Male versucht Dani, sich diesbezühlich dem Tontechniker verständlich zu machen – offenbar vergeblich, gestikuliert der Sänger doch spätestens im nächsten Song erneut halb hilflos, halb verärgert herum.


Leider ist Dani nicht der einzige, der Probleme mit dem Sound hat. So ist auch das, was beim Publikum ankommt, alles andere als astrein: Der Gesang, vor allem jedoch die Saiteninstrumente und das Keyboard gehen in Marthus‘ Blastbeat-Hagel zunächst komplett unter und lassen Melodien und Songs mitunter nur erahnen. Während sich der Sound in der Halle mit der Zeit zumindest schrittweise bessert, scheint Filth sich mit dem Schicksal, sich selbst nicht zu hören, abgefunden zu haben und macht das Beste aus der Situation: Mit schier unbändiger Energie flitzt, hüpft und stampft er einem Derwisch gleich über die Bühne und betätigt mit wachsender Begeisterung über einen Fußschalter die Nebelmaschine in seinem Podest. Als nach einem all zu beherzten Tritt mit der Plateausohle auch noch des Nebelknöpfchen den Geist aufgibt, vermag selbst ein Dani Filth seinen Frust nicht mehr ganz zu verbergen.

Das Publikum lässt sich von derlei Widrigkeiten den Spaß jedoch nicht nehmen und feiert CRADLE OF FILTH entsprechend ab – wenn auch nicht so enthusiastisch, dass es nötig gewesen wäre, dass Mr. Filth mehrfach seine Wasserflasche über den Fans entleert. Nach gut 80 Minuten und dem finalen Klassiker „From The Cradle To Enslave“ endet auch diese letzte Show des Abends und CRADLE OF FILTH entlassen das sichtlich zufriedene Publikum ins Wochenende.

01. Tragic Kingdom
02. Cthulhu Dawn
03. Funeral In Carpathia
04. Summer Dying Fast
05. Lilith Immaculate
06. Nymphetamine (Fix)
07. For Your Vulgar Delectation
08. Born In A Burial Gown
09. The Forest Whispers My Name

10. The Unveiling Of O
11. The Abhorrent
12. Cruelty Brought Thee Orchids
13. Her Ghost In The Fog
14. From The Cradle To Enslave


Auch wenn es CRADLE OF FILTH heute mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen hatten, kann über die Darbietung der Briten kein schlechtes Wort verloren werden: Sicherlich, Danis inflationär eingesetzter Kreisch-Schrei ist auch 2012 noch Geschmackssache – seine Sänger- wie auch Entertainer-Qualitäten kann man dem Mann jedoch nicht absprechen. Persönlich wussten mich heute GOD SEED ob des perfekten Zusammenspiels aus Sound, Songs und Show zwar noch etwas mehr zu überzeugen – dem enthusiastischen Applaus nach zu urteilen waren die Fans der Briten jedoch ebenfalls hoch zufrieden mit der ihnen gebotenen Show. Fazit: Egal, wo also die persönlichen musikalischen Präferenzen liegen – bei diesem Tourpackage kommt definitiv jeder auf seine Kosten.

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Zum Fotoalbum…


Publiziert am von

Fotos von: Moritz Grütz

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