CD-Review: Cross Bringer - The Signs Of Spiritual Delusion

Besetzung

unbekannt

Tracklist

01. Untitled (Prayer)
02. The Battle Of The Weak
03. Supplicaton/Sacrament
04. Sun Ritual
05. Temptation Of Naivety (Untamable Black Dog)
06. Self-Inflicted Martyrdom


Nach wie vor ist sich die Wissenschaft uneins, ob die als Amazonen bekannten Kriegerinnen ihren Töchtern im Kindesalter die rechte Brust verstümmelt haben, damit diese beim Umgang mit dem Bogen nicht im Weg ist (und der Name auf a-mazos [ἀμαζός], also „brustlos“ zurückzuführen ist), ob sie nur nicht an der Brust gesäugt wurden oder ob sich das Wort gar nicht von der Brust ableitet. Das Bild der brustlosen Amazone ist – wenngleich Amazonen im alten Griechenland gewöhnlich unversehrt dargestellt wurden – dennoch ikonisch.

So weckt auch das Cover der Debüt-CD von CROSS BRINGER direkt diese Assoziation, wenngleich dieses eine Frau mit Speer und ohne linke Brust zeigt. Ein Hingucker ist das Cover mit seiner unbestreitbar starken Bildsprache und Ästhetik allemal – und damit eine gute Wahl für dieses Album, das trotz des Newcomer-Status der Band große Aufmerksamkeit verdient.

„The Sign Of Spiritual Delusion“ lautet der Titel des Albums, dessen sieben Tracks neben den englischen auch russische Titel haben. Das ist insofern nur konsequent, als die Musiker hinter CROSS BRINGER in Russland und Belgien beheimatet sind. Viel mehr erfährt man über deren Identität jedoch nicht – außer der Randnotiz, dass Teile von CROSS BRINGER auch bei den wenig bekannten Bands Euglena und The Homeless Is Dead involviert sind.

Dennoch klingt „The Signs Of Spiritual Delusion“ mitnichten wie ein Debüt-Album. Das liegt zum einen am beeindruckend dichten, wuchtigen Sound der CD, zum anderen aber am nicht weniger brachialen Songwriting von CROSS BRINGER: In knackigen 28:51 Minuten verstehen diese sich perfekt darauf, dem Hörer das Trommelfell mit einem rohen Mix aus Post-Hardcore und Black Metal aus dem Innenohr zu reißen. Dass das nicht ganz leicht wegzustecken ist, scheinen auch CROSS BRINGER einzusehen – und gewähren dem Hörer (trotz der kurzen Gesamtspielzeit) in der Albummitte mit dem ruhigen, fast ambientartigen „Sun Ritual“ immerhin 2:21 Minuten Rekonvaleszenzzeit.

In den darum herum gruppierten sechs Songs – immerhin noch 26:30 Minuten – kennen CROSS BRINGER keine Gnade: Hektisches Riffing, aggressive Vocals und das wie in Raserei eingetrommelte Schlagzeug, immer wieder eingestreute Tempowechsel und kurze Song-Spielzeiten verleihen „The Signs Of Spiritual Delusion“ gleichermaßen Dynamik wie Härte. Während der Post-Hardcore-Einschlag und die innere Unruhe, die in dem Album steckt, an Converge denken lassen, erinnert die Infiltration mit Black-Metal-Elementen merklich an Bands wie Oathbreaker oder – insbesondere – Celeste.

CROSS BRINGER mögen Newcomer sein – „The Signs Of Spiritual Delusion“ klingt jedoch nicht ansatzweise danach. Dass die Band bislang quasi unbekannt ist, auf Facebook kaum die 250 Follower überschritten hat, ist allein auf Basis der Musik kaum zu glauben. Das sollte sich bei der gebotenen Qualität jedoch schon bald ändern, denn CROSS BRINGER und ihr Debüt „The Signs OF Spiritual Delusion“ sind der Tipp des (Spät-)Sommers 2020 im Bereich „Black-Metal-infused Post-Hardcore“.

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Bewertung: 8.5 / 10

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